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Mit Kaba-Schnute in den Unterricht

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Leere Klassenzimmer, Unterricht zu Hause: Seit eineinhalb Wochen sind Tausende Schüler und Lehrer in der Corona-Pause. Wie der Unterricht läuft, davon berichten Vertreter des Vereins für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Vorsitzender ist Matthias Wagner-Uhl, Rektor der Schule in Neuenstein.

Dieselbe Struktur wie in der Präsenzzeit

Von 8.30 Uhr bis nach Mittag gibt es Unterricht, so sieht es für Schüler der Hardtschule Durmersheim (Landkreis Rastatt) aus. „Wir erleben dieselbe Schule wie in der Präsenzzeit“, erzählt Rektor Volker Arntz. Die Lehrer treffen sich mit Schülern in Videokonferenzen, es gibt Gruppentreffen, man tauscht sich über Messengerdienste aus.
 
Morgens seien fast alle Kinder und Jugendliche anwesend, betont er, manche hätten sogar noch eine Kaba-Schnute. „Das ist sehr nett“, berichtet er von diesen ungewöhnlichen Momenten. Ausnahmen gebe es: In den Stufen neun und zehn fehlten einzelne Jugendliche. Neben dem normalen Unterricht motivieren Lehrer ihre Schüler mit kleinen Aufgaben: Mal bauten die Schüler den Corona-Virus nach, mal tüfteln sie an einem Tassen-Bungee. Der Rektor hält mit seiner Kritik nicht hinterm Berg, dass einzelne Schulen erst wegen Corona Lernplattformen wie Moodle für sich entdeckt haben. Über den Digitalisierungspakt seien nur Computer gekauft worden, vom „Hardware-Friedhof“ spricht er in solchen Fällen. Dort habe man aber keine Lösung gefunden, wie man Kinder übers Internet individuell begleitet.
 
Zählt die Hardtschule mit zu den Vorreitern bei der Digitalisierung, hatte die Gemeinschaftsschule Jettingen (Landkreis Böblingen) nur wenig Zeit, wegen Corona den Online-Unterricht vorzubereiten. „Wir standen unter Handlungsdruck“, sagt Rektor Dominic Brucker. In 72 Stunden sei eine Cloud eingerichtet worden, die eigentlich erst für Herbst geplant war. Die Schule setzt nicht nur aufs Internet. „Wir bleiben in Kontakt mit dem Kind, wir halten den Kontakt zu den Familien.“ Ganz konkret heißt das: Die Schule hakte nach, wo überhaupt bei den Familien Endgeräte stehen und wo nicht. In einzelnen Familien gebe es nur Handys, andere haben einen Computer, aber mehrere schulpflichtige Kinder. Die Schule leihe den betroffenen Schülern iPads aus.
 
Dass nicht alle über die Ausstattung verfügen, um für den Heim-Unterricht gerüstet zu sein, erlebte auch Volker Arntz: An seiner Schule brachten sich aber Eltern ein. Sie löschten Daten auf alten Computern, die über die Schule verteilt werden.

Die Lehrer sind nicht überflüssig

„Die Schüler brauchen eine Struktur“, das macht Patrick Becker deutlich. Er leitet die Oberstufe an der Gemeinschaftsschule West in Tübingen. Das bedeute beispielsweise für die Lehrer, dass sie zu festen Sprechzeiten zur Verfügung stehen. Matthias Wagner-Uhl, der den Verein für Gemeinschaftsschulen leitet, betont: Derzeit funktioniert zwar der Unterricht, aber ganz auf diese Form setzen will er nicht. „Die Lehrer sind in keiner Weise überflüssig.“ 

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