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Das Spiel zur Krise

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Wenn alle zu Hause sitzen müssen, werden auch Brettspiele wieder hervorgeholt. Wie gut, dass es darunter eines gibt, bei dem böse Viren bekämpft werden müssen. „Pandemie“ ist seit 2008 auf dem Markt, feierte damals große Erfolge – und in den vergangenen Wochen hat die Nachfrage wieder massiv angezogen.
 
„Wir bemerken eine zunehmende Aufmerksamkeit“, erzählt Fabian Mauruschat, Pressesprecher des Spieleverlags Asmodee. Über dessen Tochterfirma Z-Man-Games wird Pandemie seit 2013 vertrieben. „Die Leute suchen im Internet nach dem Stichwort Pandemie – und stoßen auf das Spiel“, erklärt er.
 
Das führt aber dazu, dass die Nachfrage das Angebot sprengt. „Voraussichtlich ab Mai 2020 ist es wieder lieferbar“, heißt es beim Spezialversand Spiele-Offensive. Bei Mytoys ist es erst gar nicht mehr im Sortiment, bei Amazon verlangen die Verkäufer schon mal mehr als 100 Euro. Einzig bei Ebay kann man zu normalen Preisen fündig werden – noch. „Pandemie war tatsächlich schon vor der Krise ausverkauft und befindet sich derzeit im Nachdruck“, sagt Mauruschat. „Den hatten wir schon im Dezember geplant. Wir rechnen damit, im dritten Quartal neue Ware zu erhalten.“

Ein Spiel, in dem man zusammenarbeitet 

Entwickelt wurde „Pandemie“ von Matt Leacock. Der US-Amerikaner stellte damals bei Spieleabenden mit seiner Frau fest, dass ihnen solche Spiele am meisten Spaß machten, in denen man zusammenarbeiten muss, um ein Ziel zu erreichen. Also machte er sich daran, solch ein kooperatives Spiel zu entwickeln. Das Thema war rasch gefunden. „Pandemien prägten damals die Nachrichten. Sars war gerade ausgebrochen, und so schienen mir Viren passende Gegner im Spiel zu sein“, erzählte er vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem kanadischen Radiosender CBC.
 
Auf die aktuelle Lage übertragen, zeige das Spiel auch, dass es auf weltweite Zusammenarbeit statt gegenseitiger Beschuldigungen ankommt: „Was wir jetzt brauchen, ist zusammenzukommen und herauszufinden, wie wir gemeinsam an diesem großen Problem arbeiten können.“ Leacock selbst muss sich nun an die Ausgangssperre in Kalifornien halten – er lebt bei San José, südöstlich von San Francisco. Die Schulen sind auch dort geschlossen. „Wir lernen jetzt unsere Telekommunikationsgeräte schätzen“, erzählt er. Ihm selbst mache das freilich nicht so viel aus, da er ohnehin schon seit langem mit Partnern weltweit über Videochats zusammenarbeite.

Das erste kooperative Spiel

„Pandemie“ erschien 2008 in Deutschland im Pegasus-Verlag. „Es war für uns damals eines der ersten Produkte, mit denen wir uns den Bereich Familienspiele erschlossen“, berichtet Pressesprecher Peter Berneiser. Zuvor waren die Hessen vor allem für trashige oder gruselige Spiele bekannt – die „Munchkin“-Reihe und Monster-Themen waren bis dahin der Schwerpunkt. Daher ist Berneiser noch heute stolz auf das Spiel. „Es war eines der ersten kooperativen Spiele überhaupt“, sagt er. Fast immer traten vorher die Spieler gegeneinander an – hier müssen sie gemeinsam gegen das Spiel bestehen. Daraus hat sich mittlerweile ein ganzes Genre entwickelt, bis hin zu den Exit Games, aus denen im wirklichen Leben die Escape Rooms kreiert wurden.
 
„Pandemie“ wurde folgerichtig in den Jahren nach seinem Erscheinen mit Preisen überhäuft: Nominiert zum „Spiel des Jahres“, Dritter beim Deutschen Spielepreis, ausgezeichnet in Österreich, Frankreich und Japan. Inzwischen gibt es drei Erweiterungen mit neuen Szenarien, Charakteren und Mechanismen. 2013 übernahm der französische Asmodee-Konzern den Vertrieb und veröffentlichte 2016 „Pandemic Legacy“, bei dem während des Spiels Regeln geändert werden und fortan in Kraft bleiben. „Pandemie“ hat sich in der Spieleszene etabliert. Für Pegasus war es ein erfolgreiches Produkt, und auch Asmodee ist zufrieden. Die Branche profitiert ohnehin von Corona. „Spiele boomen zurzeit“, erzählt Peter Berneiser. „Vor allem auch solche, die man alleine oder zu zweit spielen kann.“
 

Die Regeln

Bei „Pandemie“ müssen zwei bis vier Spieler gemeinsam vier Seuchen bekämpfen. Dazu erhält jeder eine bestimmte Rolle, die besondere Fähigkeiten umfasst, zum Beispiel als Arzt, Logistiker oder Wissenschaftler. Die Seuchen brechen zunächst in ihrer farblich gekennzeichneten Region aus, können sich aber rasch auf der ganzen Welt ausbreiten. Dies wird über Karten gesteuert, die jeder Spieler zieht, sobald er am Zug ist. Aufgabe der Teilnehmer ist es, mithilfe ihrer Rollen-Fähigkeiten die Krankheiten einzudämmen und die vier Gegenmittel zu entwickeln. Sobald das letzte Gegenmittel bereitsteht, ist das Spiel gewonnen. Die Spieler verlieren jedoch, wenn es entweder acht Seuchen-Ausbrüche gegeben hat, eine Seuche die Höchstzahl der Infektionen erreicht hat oder keine Nachziehkarte mehr übrig ist. Übrigens: Wuhan kommt in dem Spiel nicht als Seuchenherd vor, aber dafür Mailand und Madrid. Eine Partie dauert etwa 90 Minuten.

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