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Ungewissheit macht Jugendlichen zu schaffen

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Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) schließt eine Wiederholung des Schuljahrs aus trotz des massiven Unterrichtsausfalls. „Das Schuljahr 2019/2020 wird auf jeden Fall gewertet“, sagte Stefanie Hubig (SPD) den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Auch das Abitur sieht die KMK-Chefin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin nicht in Gefahr. Zur Not könnten Schüler das Abitur auch ohne Abschlussprüfung machen. Darauf hätten sich die Kultusminister verständigt. In der Region fällt die Reaktion darauf unterschiedlich aus. Unterdessen sollen in Schleswig-Holstein in diesem Jahr keine Prüfungen stattfinden.



Keiner weiß, ob überhaupt Prüfungen stattfinden

Am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) Neckarsulm strebt Kyra Hochadel das Abitur an. „Die ganze Situation gerade ist für uns nicht wirklich optimal“, sagt sie. Das Schlimmste sei die Ungewissheit. „Keiner weiß, wann unsere Prüfungen stattfinden, ob sie überhaupt stattfinden.“ Jeder Tag sei eine Herausforderung. Sie kann sich ein Abi ohne Abschlussprüfungen nicht vorstellen. Schließlich bereite sie sich seit mehreren Monaten darauf vor.
 
Vanessa Schihwetz, ebenfalls am ASG, sieht das genauso. Es sei eine Ausnahmesituation: „Dennoch finde ich es nicht gut, wenn wir das Abitur nicht schreiben dürften.“ Ohne eine schriftliche Prüfung hätte sie nicht dieselben Voraussetzungen, um in die Arbeitswelt zu starten wie andere Jahrgänge.

Schüler brauchen eine Rückmeldung 

Wolfgang Roll, Schulleiter am Technischen Gymnasium Öhringen hofft, dass Prüfungen geschrieben werden. „Das wäre sonst wie ein Stadtlauf ohne Zeitnahme“, findet er ein treffendes Bild. Die Schüler, glaubt er, brauchen eine Rückmeldung, wo sie stehen. Zudem, das hätten die Ergebnisse der vergangenen Jahre gezeigt, sei der Schnitt in den Abschlussprüfungen meist einen Tick unter dem der Klassenarbeiten. Für eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse plädiert Roll somit für Prüfungen. „Am liebsten zum vorgesehenen Termin.“ Melanie Haußmann, geschäftsführende Schulleiterin für die Heilbronner Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen, sagt, dass vieles noch gar nicht abzuschätzen sei. „Im Moment arbeiten wir so, als würde es nach Ostern weitergehen. Das wäre auch für die Realschüler, die ihren Abschluss machen, nicht das große Problem.“ Digitale Möglichkeiten böten sehr viel, „aber bislang haben wir keine Erfahrung mit school of the air wie etwa in Australien, wo die Kinder langfristig aus der Ferne unterrichtet werden.“
 
Emma Hofstetter aus Obersulm lernt derzeit für ihren Realschulabschluss. Es fällt ihr nicht leicht. „Man kann sich nur schwer motivieren, wenn man nicht weiß, wann und wie es genau weitergeht.“ In manchen Fächern wünscht sich die 16-Jährige eine intensivere Betreuung, als das via Internet möglich ist. Deshalb und weil ihr Jahrgang ohnehin so viele Nachteile in Kauf nehmen müsse, findet sie einen Abschluss ohne Abschlussprüfung gar nicht so schlecht.
 
„Für mich wäre der Realschulabschluss ohne Prüfungen nicht so praktisch“, sagt hingegen Lukas Sulek. Der 15-Jährige strebt den Abschluss an der Heilbronner Fritz-Ulrich-Gemeinschaftsschule an: „Wir haben noch nicht einmal alle regulären Arbeiten geschrieben, und ich würde mit den Prüfungen sicher noch meine Noten verbessern.“

Flexible Lösungen müssten gefunden werden 

Harald Schröder, Kreis-Vorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, begrüßt die Entscheidung, das Schuljahr zu werten. Alles andere wäre „bitter und ungerecht“, es würde zu Frust und Unzufriedenheit führen. In besonderen Zeiten müsse man „flexible Lösungen“ finden.
 
Marco Haaf hofft, dass alle Jugendlichen Prüfungen schreiben können. Die Gymnasiasten hätten zwölf Jahre darauf hingearbeitet, sagt der Leiter des ASG und Bezirkssprecher der Direktorenvereinigung Nord-Württemberg. Aber: „Keiner von uns weiß, wie sich die Lage weiterentwickelt. Deshalb ist es gut, dass es einen Plan B gibt.“

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