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Ganz ohne Kunststoff geht es nicht

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Eine kleine Staubwolke wirbelt auf, als Linda Tiedemann hunderte Haferflocken aus einem großen Papiersack in den leeren Cerealienspender schüttet. Im Verkaufsraum von Liva, dem ersten Unverpackt-Laden in Heilbronn, wartet ein Kunde darauf, dass er sich weitere Haferflocken in seine mitgebrachte Müslidose füllen kann. Mit bis zu 25 Kilogramm Füllgewicht sind die Getreidesäcke nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wenn sie noch voll sind, nehme ich beim Umfüllen eine Schaufel zur Hilfe“, sagt die 27-jährige Ladenbesitzerin.
 
„Wir achten schon von Anfang an penibel darauf, alle unsere Produkte unter höchstmöglich hygienischen Bedingungen abzufüllen, aufzubewahren und den Kunden zur Verfügung zu stellen“, ergänzt Tiedemann in Anbetracht der Corona-Krise.

25-Liter-Kanister für flüssiges Waschmittel

Im Lager des im September eröffneten Geschäfts in der Allee 73 reihen sich Regale mit Papiersäcken, Kartons und Plastikeimern aneinander. Einmal in der Woche liefert der Großhändler neue Ware. Ganz ohne Kunststoff geht es auch im Unverpackt-Laden nicht. „In 25-Liter-Kanistern verkaufen wir zum Beispiel flüssiges Waschmittel“, erklärt Tiedemanns Partner Patrick Wimmer. Die leeren Behälter stapelt das Liva-Team im Keller und schickt sie später gesammelt zum Händler zurück. Allerdings sind Hersteller wie Sonett von dieser Methode abgekommen: „Viele Kanister, die zurückkamen, waren in einem solchen Zustand, dass wir sie entsorgen mussten“, so das Unternehmen. Um Transportwege möglichst kurz zu halten und Kohlendioxid einzusparen, versuchen Wimmer und Tiedemann so viele regionale Produkte wie möglich im Sortiment zu haben.
 
„Obst, Gemüse und Eier beziehen wir von Bauernhöfen aus der Umgebung“, sagt Tiedemann. „Die Backwaren der Bäckerei Eitel transportieren wir beispielsweise mit Bäckerkisten morgens auf dem Weg ins Geschäft zu Fuß.“ Da die Bäckerei bis 28. März zum Schutz ihrer Kunden in der Corona-Krise geschlossen hat, bezieht Liva aktuell Brot und Brötchen von einer anderen Bäckerei in der Region. Geöffnet ist das Liva in der aktuellen Situation montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstag von 10 bis 16 Uhr. Telefonisch können Produkte vorbestellt werden. „Haus- oder Nachbargemeinschaften bieten wir ab sofort auf Vorbestellung an, größere Gebinde bei uns zu bestellen und dann abzuholen“, sagt Patrick Wimmer.

Bei regionalen Produzenten können Papiersäcke zurückgegeben werden 

Auch bei AnNa-Unverpackt in Besigheim achten Nathalie Alméras und Angela Beyl darauf, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. „Bei unserem regionalen Lieferanten können wir die Papiersäcke zurückgeben“, sagt Alméras. Andere werden kurzerhand für den Biomüll benutzt. In Metalleimern kommen die Kaffeebohnen in die Hauptstraße 16. „Immer mehr Lieferanten stellen sich auf Unverpackt-Läden ein und bieten Pfandsysteme an“, stellt die 47-jährige Ladenbesitzerin fest.  Genau wie in Heilbronn bleibt es aber auch in Besigheim ein täglicher Kampf, ein tägliches Abwägen.
 
„Statt Klopapier aus Bambus würden wir lieber Rollen von Goldeimer anbieten“, so Alméras. Das Hamburger Unternehmen nutzt 100 Prozent Recyclingpapier und spendet seine Gewinne an soziale Projekte – allerdings gibt es die Rollen nicht unverpackt. Ein No-Go für AnNa-Unverpackt. Lebensmittel wie Gummibärchen, die luftdicht verpackt sein müssen, kommen sowohl in Heilbronn als auch in Besigheim in Biofolie aus Maisstärke oder anderen abbaubaren Stoffen an. Patrick Wimmer freut sich, als er einen großen Karton mit Haar- und Handseifen öffnet – hier hat der Produzent vollständig auf eine weitere Umverpackung verzichtet.

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