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Schwierige Wege in der Corona-Krise

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Die Ausbreitung des Coronavirus macht vielen Kulturschaffenden das Arbeiten nahezu unmöglich. Für freiberufliche Künstler und Musiker bedeutet die Situation eine existenzielle Bedrohung. „Die Stimmung in der Musikszene ist gerade sehr aufgeregt, aufgescheucht und im Moment sind alle in einer Schockstarre“, sagt Alexander Kilian. Der 33-Jährige aus Schöntal bildet mit Jan Pascal (45) aus Buchen das erfolgreiche Gitarrenduo Café del Mundo. „Die ganze Branche hält für einen Moment den Atem an“, fasst es Jan Pascal zusammen.
 
In den nächsten Monaten hatten die beiden Berufsmusiker Konzerte in Deutschland, Spanien, der Schweiz und Südkorea geplant, alle Termine sind bis auf weiteres abgesagt. Ob die Auftritte im Herbst nachgeholt werden können, ist noch offen. „Das Problem ist, dass jeder seine Konzerte erstmal in den Herbst verschiebt. Aber nur, weil es dann doppelt so viele Konzerte gibt, gehen die Leute ja nicht zwangsläufig doppelt so viel weg“, sagt Kilian mit Blick auf die finanzielle Abhängigkeit von Konzerten in Zeiten von Streamingdiensten wie Spotify.
 
„In guten Monaten waren wir bei rund 25 000 Euro Umsatz. Wir haben ein kleines Team und konnten davon leben, hatten ein sicheres Einkommen“, sagt Jan Pascal. „Jetzt sind wir bei Null, und keiner weiß, wie lange diese Zeit dauern wird. Es ist alles zunichte, worauf man lange hingearbeitet hat.“ Trotzdem wollen die beiden Gitarristen nicht aufgeben, stecken ihre Energie lieber in neue Formate. Kilian und Pascal haben einen Podcastserie mit dem klangvollen Namen „Talking Guitars“ eingespielt, der jeden Mittwoch erscheint und für fünf Euro zu haben ist (auf der Bandhomepage www.cafedelmundo.de). „Die Zeit ist herausfordernd. Wir suchen andere Kanäle für unsere Kreativität. Es geht darin um Musik und Menschen. Wir geben auch einen Einblick in unseren Plattenschrank. “

Trotz der Krise positiv gestimmt

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„Ich bin trotz der Krise positiv gestimmt, obwohl die Situation derzeit beschissen ist“, sagt Michael Breitschopf. Der 23-Jährige ist Gitarrist bei der bekannten Band Gonzo´s Friends und als Solokünstler unterwegs. Die geplanten Konzerte der nächsten Monate wurden erst einmal abgesagt. „Das ist natürlich ein Schlag für die Künstler, aber auch für die jeweiligen Veranstalter.“ Auch Breitschopf ist weiterhin kreativ, war bei einem Live-Stream-Benefizkonzert im Mannheimer Capitol beteiligt. Das Konzert wird am kommenden Samstag im Rhein-Neckar-Fernsehen um 20.30 Uhr ausgestrahlt. „Mit Gonzo´s Friends haben wir derzeit keinerlei Einnahmen mehr, die einzige Quelle sind die Konzertkarten“, sagt Breitschopf.
 
„Ich hoffe, dass die Politik die Not der Kunstschaffenden sieht und handelt. Denn wir Musiker leben von der Hand in den Mund“, sagt der 23-Jährige. „Wir brauchen einen ehrlichen Umgang, eine Planungssicherheit. Zum Beispiel, ob in diesem Jahr noch Konzerte möglich sind.“ Trotzdem spricht sich Breitschopf für Optimismus aus. „Das sollte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Das Publikum will ja trotzdem weiterhin Musik hören. Wir Musiker müssen und werden weiter Musik machen.

Eine surreale Situation 

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Doch auch Hobby-Musiker spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Pete Jones aus Oedheim ist Gitarrist bei der Alternative-Bluesrockband Pete Jones Trio und verdient sein Geld als Gitarrenlehrer. Mit seiner Band wollte Jones in den nächsten Monaten eine neue EP veröffentlichen, die Produktion ist aufgrund fehlender Konzerteinnahmen erst einmal auf Eis gelegt. „Es ist eine surreale Situation. Unsere Konzerte wurden alle abgesagt. Der Musik und damit seiner Leidenschaft nicht nachgehen zu können, ist schwierig.
 
Man muss jetzt für die Leute daheim spielen, aber die Interaktion mit dem Publikum fehlt einem natürlich.“ Auch Pete Jones ist weiter kreativ, nutzt die Abende, um an neuer Musik zu feilen. „Musiker werden immer einen Weg finden, um zu überleben.“ Wie man Musiker in dieser schwierigen Lage unterstützen kann? „Ihre Musik weiter hören und kaufen und sobald es wieder möglich ist ihre Konzerte besuchen.“ Einig sind sich alle Musiker darin: „Die Gesundheit der Menschen ist trotz der heiklen Lage im Moment das Wichtigste.“  

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