Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Einkaufsdienst als Ehrensache

zurück zur Übersicht
img
Die ausgedruckte Einkaufsliste, die David Muth in der Hand hält, ist lang: Dreikorn-Flocken, Senf, Wurst, Essiggurken, Spülmaschinen-Tabs. Der 22-Jährige steht in einem Lebensmittelmarkt in Beilstein und geht die Bestellung Zeile für Zeile durch. „Das ist ein Zwei-Wochen-Einkauf für zwei Personen“, weiß er. Nicht alles, was auf dem Zettel steht, ist auch erhältlich. Gähnende Leere in den Regalen, wo sonst Mehlpäckchen und Nudelpackungen stehen. In Corona-Zeiten ist das schon fast ein Normalzustand. Ebenso ist manches Tiefkühlgemüse vergriffen. Immerhin: Heute gibt es Toilettenpapier. Zwar kein Vierlagiges wie auf der Liste gewünscht, aber immerhin dreilagig.

Service für Menschen, die wegen Corona zu Hause bleiben müssen

Vor einer Woche machten die Christlichen Pfadfinder in Beilstein ihren Service für Menschen, die wegen des Coronavirus zu Hause bleiben müssen, publik. „Wir hatten uns überlegt, wie wir helfen können“, erklärt David Muth. Zunächst hatten sie Jugendbetreuung anbieten wollen, realistischer sei aber der Einkaufsdienst gewesen. Den bieten auch der CVJM-Ortsverein und die Aktivenmannschaft der TGV Eintracht an. Sie übernehmen Einkäufe, Botengänge oder andere Dienste.
 
Zwei Einkaufsaufträge sind übers Wochenende bei den Pfadfindern per Anruf und per Mail eingegangen, fünf Menschen haben sich insgesamt gemeldet. „Wir kriegen außerdem täglich Anrufe von Leuten außerhalb der Pfadfinderschaft, die helfen wollen“, sagt David Muth. Eine Frau habe sogar ihren Dienst als Seniorenbetreuerin angeboten.
Etwa 24 Freiwillige stehen nun in den Startlöchern, allerdings gibt es nicht genug Aufträge. „Es wäre schön, wenn die Aktion an Fahrt gewinnt“, sagt David Muth. Er wandert weiter die Regale ab. Bei Waren mit Produktvielfalt muss Muth abwägen, welche Marke er nehmen soll. Der 22-Jährige trägt seine Pfadfinder-Uniform, wie immer, wenn er für die Organisation unterwegs ist. Nach und nach füllt sich der Einkaufswagen.
 
Lebensmittel einzukaufen, ist nicht gerade David Muths Lieblingsbeschäftigung. In seiner Funktion als Pfadfinder macht er das allerdings gern. „Anderen zu helfen, ist schließlich in unseren Grundsätzen verankert.“ Und das nicht erst, seit das Coronavirus grassiert. Vor dem großen Wocheneinkauf hat David Muth zusammen mit Henrik Zeidler, einem jüngeren Pfadfinder, die kleine Bestellung erledigt. Henrik hat sich „aus Langeweile“ für den Einkaufsdienst gemeldet, weil er derzeit nicht zur Schule gehen kann. Der Zwölfjährige ist ehrlich. Dass er anderen mit seiner Bereitschaft einen Gefallen tut, ist ihm dennoch bewusst.

Erleichterung

Lauchstangen, Zwiebeln und Essig zuckeln über das Band, Henrik Zeidler bezahlt bei der Kassiererin, die hinter der Schutzwand sitzt, packt den Einkauf in seinen Tornister und schwingt sich auf sein Fahrrad. David Muth lädt den Großeinkauf ins Auto und fährt los.
Vor der Haustür der Auftraggeber stehen Wäschekörbe bereit. Muth befüllt sie, es gibt keine direkte Übergabe, um möglichst wenig Kontakt zu haben. Den Einkaufsbeleg steckt Muth in einem Kuvert dazu, dann entfernt er sich. Eine ältere Frau öffnet und nimmt die Quittung an sich. David Muth hat das Geld vorgestreckt, um unnötigen Fahrweg zu sparen.
 
Die Frau reicht das Kuvert übers Fenster raus. Sie ist dankbar: „Die Einkaufshilfe ist eine tolle Sache und eine große Erleichterung.“ Jederzeit wieder, sagt David Muth und wendet sich zum Gehen.

Galerien

Regionale Events

Würth feiert Jubiläum

Würth feiert 2020 Jubiläum mit den Würth Philharmoniker, Open Air und einem Tag der offenen Tür.