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Lara musste wegen der Corona-Krise ihren Freiwilligendienst in Peru abbrechen

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Die Selbstfindungsphase führt viele von uns nach ihrem Schulabschluss ins Ausland. Das Fernweh, der Abenteuerdrang sowie die Suche nach sich selbst sind groß. So war es im Sommer vergangenen Jahres auch bei mir. Und dann kam das Corona-Virus, das alles verändert hat. 

Nach meinem Abitur 2019 startete ich einen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Peru. Ein Jahr voller neuer kultureller, sozialer und sprachlicher Herausforderungen wartete auf mich. Die ersten siebeneinhalb Monate erlebte ich in Peru auch die Zeit meines Lebens. Doch die Corona-Krise macht auch vor den Entwicklungsländern keinen Halt und innerhalb von zwei Tagen wurde Mitte März der nationale Notstand im Land ausgerufen: Das Militär verteilte sich im ganzen Land, Häuser durften nur zum Einkaufen oder für Arztbesuche verlassen werden. Polizisten und Soldaten kontrollierten und überwachten jede Bewegung der Bevölkerung genauestens. Von 18 bis 5 Uhr gab es eine strikte Ausgangssperre, bei der niemand sein Haus verlassen durfte. Wer es dennoch tat, dem drohten zehn Jahre Haft

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Zum Einkaufen habe ich das Haus zweimal verlassen – unschöne Erfahrungen. Das Militär und die strikten Kontrollen und Nachfragen der Polizisten haben mir Angst gemacht, weshalb ich danach freiwillig das Haus nicht mehr verlassen habe. Das Leben in Peru wurde täglich mehr durch Fremdenhass geprägt. Den „Gringos“, so werden die weißen Europäer und US- Amerikaner genannt, wurde die Schuld für die Corona-Krise in Peru in die Schuhe geschoben. Uns wurde der Zutritt in Supermärkte und Busse verweigert und viele Peruaner, die uns auf der Straße sahen, gingen auf die andere Seite. Das traf mich hart. Nicht zuletzt, weil ich kein normaler Tourist war, sondern eine Person, die dort lebte und arbeitete und nicht mehr Geld als die Einheimischen verdiente

Rückkehr nach Deutschland

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Da ich einen staatlichen Freiwilligendienst absolvierte, wurde meine Rückkehr schließlich vom deutschen Staat entschieden. Nach zweieinhalb Wochen Quarantäne in Peru ging es dann für mich vier Monate früher als geplant zurück nach Deutschland. Jedes Land handelt für sich und die globale Krise wird nicht global gelöst. Staaten schließen ihre Grenzen und Ausländer werden argwöhnisch betrachtet. Ich hoffe, dass dies alles nur eine Übergangszeit ist, und sich die Situation wieder beruhigt und wir daraus etwas lernen. Meine Freiwilligenorganisation versicherte mir, dass sie daran festhält, dass die Freiwilligen des Jahrgangs 2020/2021 ausreisen werden – wenn auch deutlich später. „Eine Ausreise für unsere Weltwärts-Freiwilligen wird nicht vor Dezember möglich sein“, teilte ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit. 

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„Am schlimmsten finde ich die Unsicherheit und Unplanbarkeit“, sagt Jorina Koop aus Neckarsulm. Die 17-Jährige möchte eigentlich für ein Au-pair-Jahr nach Chile. Bislang hält sie an ihrem Plan fest: „Ich möchte über eine Internetplattform eine Familie finden und sobald wie möglich ins Ausland aufbrechen.“ Ähnlich geht es der 17-jährigen Kimberly Fink. Die Neckarsulmerin lässt sich durch die Corona- Krise ihre Pläne nicht zerstören und hat schon eine Au-pair-Familie in den USA sicher. „Zur Not fange ich dann zwei Jahre später zu studieren an. Ich möchte mir meine Auslandserfahrung nicht durch die Corona-Krise wegnehmen lassen.“

Wie es jetzt weitergeht

Und ich? Ich werde erst einmal bei der Post arbeiten und im Sommer eine Deutschlandtour starten, bis es dann im Wintersemester mit meinem Studium losgeht. Zudem freue ich mich momentan, in Deutschland nicht aufzufallen. Durch die Fremdenfeindlichkeit in Peru wurde mir so richtig bewusst, wie sich Menschen, die nicht mitteleuropäisch aussehen, in Deutschland fühlen müssen. Aber vielleicht lässt uns die Corona-Zeit ja genau über solche Probleme nachdenken und vielleicht gibt die momentane Entschleunigung jedem einzelnen die Chance, mit mehr Menschlichkeit und Wertschätzung in die Zeit nach Corona zu starten. Lasst euch nicht von meinen Erfahrungen in Peru abschrecken, falls ihr wie so viele an euren Auslandsplänen festhalten wollt. Corona verändert uns alle. Aber natürlich sind touristische Entwicklungsländer wie Peru eigentlich auf Touristen angewiesen und werden die Touristen wieder mit offenen Armen in Empfang nehmen. 

Lara Walter spricht mit Kurt Wohnhas, Vorsitzender des Vereins Amntena, über Freiwilligendienste: Kann ich trotz Corona einen Freiwilligendienst machen?

Umfrage: Wie gehen Abiturienten mit der Corona-Krise und ihren Reiseplänen um?

Mehr über Lara erfahrt ihr in ihrem Blog. 

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