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Der erste Frühling des Jungimkers

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Irgendwo am Rande von Kirchardt summt und brummt es gehörig. Mit ruhiger Hand zieht Florian Scherzer Oliveira die Rähmchen mit den Waben aus dem Kasten. Seine Suche gilt der Königin, die sich irgendwo zwischen den rund 60 000 Arbeiterinnen des Bienenstocks befinden muss. Die ruhige Hand des 35-Jährigen ist nicht der langjährigen Erfahrung zu verdanken, sondern angeboren. Denn Scherzer Oliveira ist Neueinrichter. In diesem Jahr bestreitet er seine erste Saison als Jungimker. 

Insgesamt hat der Kirchardter Familienvater zwei Bienenstöcke und zwei Ableger. Seine mehr als 150 000 Honigbienen bestäuben die Blumen in der nahen Umgebung und erzeugen das süße und auch bei Menschen so beliebte Lebensmittel.

„Bisher habe ich 4,2 Kilo Blütenhonig geerntet“, erzählt Scherzer Oliveira von seiner ersten Auslese in seinem Leben. Vor einem Monat stellte er die Bienenstöcke ein paar Wochen in Brackenheim in die Obstwiesen. Die fleißigen Bienchen trugen dort zwischen Raps- und Obstbaumblüten ihre Ernte, im Imkerdeutsch ihre Tracht, ein: Nektar, Pollen, Honigtau. Nun, in Kirchardt zurück, rechnet der Hobbyimker mit einer zweiten und vermutlich letzten Ernte für dieses Jahr: „Etwa zwölf Kilo Honig, hauptsächlich von den Blüten der Robinienbäume in der Nähe.“

Ernte

Florian Scherzer Oliveira ist einer von 330 Imkern, die Mitglied im Bezirksimkerverein Heilbronn sind. Im Bienenzuchtverein Hohenlohe-Öhringen sind weitere 203 Mitglieder registriert. Mit ungefähr 2000 Völkern besitzen die Imker des Heilbronner Vereins durchschnittlich sechs Völker, im Hohenloher Raum sind es im Schnitt 8,3 Völker verteilt auf alle Mitglieder. „Seit einigen Jahren kommen immer mehr jüngere Menschen und vermehrt Frauen zu uns“, sagt der erste Vorsitzende in Hohenlohe Andreas Grathwohl. „Imkern ist ein Hype geworden“, stellt Scherzer Oliveira fest. Rund 1500 Euro hat der Jungimker zum Start seines Hobbys investiert, in Bienenvölker, Ausrichtung und Honigschleuder

Die Bienenstöcke sind fleißig: „Bei 15 bis 20 Kilogramm Honig pro Volk kommt man da auf circa 40 000 Kilogramm im Jahr“, sagt der erste Vorsitzende des Heilbronner Imkervereins, Torsten Eberhardt.

„Apis mellifera“ heißt die westliche Honigbiene im Fachjargon. Beim Imkern werden am häufigsten die Kärtner Biene, auch „Carnica“ genannt, und die Buckfast-Rasse verwendet. Letztere produziert zwar etwas mehr Honig als die Carnica, dafür hat sie bei wenig Tracht mehr Probleme, satt zu werden. Florian Scherzer Oliveiras Tierchen sind Buckfast-Bienen. Emsig fliegen sie aus dem Kasten, krabbeln in die Waben und über ihre Kolleginnen. Auf die Imkerei stieß der gelernte Steinmetz, weil er neben seiner Arbeit im Bäckereivertrieb ein naturnahes Hobby gesucht habe. „Ich liebe es, draußen zu sein, und meiner kleinen Tochter die Bienen – mit Sicherheitsabstand – zu zeigen.“

Ohne Hektik

Sind die Tierchen mit den Stacheln nicht gefährlich? Die Insekten schwirren um die Besucher herum, knapp am Ohr vorbei. „Wenn man mit Ruhe an die Bienen rangeht, ohne Hektik, dann sind die eigentlich relativ sanftmütig“, sagt Scherzer Oliveira. „Am Anfang habe ich Lehrgeld bezahlt. Da bin ich abends zu den Bienen und hab schnell, schnell die Rähmchen mit den Waben herausgezogen – prompt haben mich vier Bienen in den Arm gestochen.“ Den genauen Standort seiner Bienen-Beute, so nennt sich der gesamte Bau, will er nicht verraten: „Ich erfahre immer wieder von zerstörten oder geraubten Bienenstöcken“, sagt Scherzer Oliveira. „Letztes Jahr wurden etwa in Heinsheim acht Völker geklaut.“ 

Den Jungimker motiviert an seinem Hobby besonders, einen Beitrag zur Erhaltung der Natur und zum Bienendasein zu leisten. „Die Biene ist nach dem Rind und Schwein das wichtigste Tier in der Landwirtschaft“, erklärt Andreas Grathwohl. „Die Artenvielfalt ist abhängig von der Bestäubungsleistung der Bienen.“ Andere Insekten wie Wildbienen bestäuben zwar auch Pflanzen, das sei aber nur minimal. Ohne Biene gebe es nur wenige oder keine Früchte auf den Bäumen, sagt der 40-jährige Vorsitzende des Hohenloher Bienenzuchtvereins.

Dabei ist der Zeitaufwand zumindest für einen Hobbyimker wie Scherzer Oliveira übersichtlich: Einmal die Woche, mittags, wenn die Bienen entspannt sind, besucht er seine Stöcke auf dem Grundstück seines besten Freundes und kontrolliert, ob eine neue Königin zu schlüpfen droht. Die Weiselzellen, in denen die Arbeiterinnen eine neue Königin aufzuziehen gedenken, und in denen sie die befruchteten Bieneneier mit ganz besonderem Saft, dem Gelée Royal, füttern, bricht er ab. „Sonst verlässt die alte Königin den Stock mit der Hälfte des Volkes“, und das wäre ein zu großer Verlust für den Imker. 

Und dann, nach einer mehrminütigen Suche, findet der Bienenhalter die Königin in einer Wabe. Mitten unter den Arbeiterinnen krabbelt die Dreijährige umher, breiter, länger als die anderen und mit einem gelben Punkt markiert. Ein einziges Mal im Jahr befruchtet legt die Majestätische rund 2000 Eier am Tag.

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