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Fahren lernen mit offenem Fenster

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Mit der richtigen Mimik lässt sich viel bewegen. Auch eine sich auf Mund und Nase befindende Schutzmaske. Zu dieser Erkenntnis kommt Pia Kaubisch. Die 17-Jährige kommt gerade von ihrer ersten Fahrstunde seit einer achtwöchigen Corona-Pause. „Manchmal verrutscht die Maske beim Reden“, erzählt die Erlenbacherin von den Erfahrungen ihrer Fahrstunde. Das sei schlecht, weil dann die Sicht eingeschränkt ist. Die anspruchsvolle Aufgabe heißt dann, „die Maske, ohne die Hände zu benutzen, wieder so anzupassen, dass sie angenehm auf Mund und Nase sitzt.“ 

Beim Fahren müssen die Schüler Maske tragen

Insgesamt sei es keine schöne Erfahrung, mit der Maske Auto zu fahren. „Ich bekomme schlecht Luft und unter der Maske wird es schnell warm.“ Deshalb fährt sie mit heruntergelassenem Fenster. Auch die Hinweise ihres Fahrlehrers seien dann nicht immer zu verstehen. „Dann bleibe ich aber ruhig und frage noch einmal nach“, sagt Pia Kaubisch gelassen. Ruhig bleiben, ohnehin schon wichtig beim Autofahren, sei nun besonders gefragt.

Mit etwas Zeit habe sie sich auch gut in die neue Situation hineingefunden. „Ich bin ja heute zum Glück nicht zum ersten Mal gefahren.“ Schon bevor auch die Fahrschulen in eine achtwöchige Corona-Pause gehen mussten, konnte sie bei „Fahrwerk“ in Neckarsulm zwei Monate Erfahrung sammeln. „Wenn ich vor der Pause nur ein- oder zweimal gefahren wäre, hätte ich wieder von vorne anfangen müsse“, erklärt die 17-Jährige.

Zwei Monate waren die Fahrschulen geschlossen

Auch für Fahrlehrer Wolfgang Häfele bringt die Situation die ein oder andere Umstellung. „Nach jeder Fahrstunde lege ich eine Pause ein und desinfiziere das Auto.“ Bevor der nächste Schüler dran ist, wird gründlich gelüftet. Häfele ist seit drei Jahren Fahrlehrer. „Ich habe umgelernt“, erzählt er. Der ältere Herr zählt also zum dringend benötigten Nachwuchs der Branche, die unter einem Mangel an Ausbildern leidet. 

Die pandemiebedingte Wirtschaftskrise trifft auch die Fahrschulen. „Wir hatten nun acht Wochen lang keine Einnahmen“, berichten die beiden Geschäftsführer von „Fahrwerk“, Mirko Skeide und Markus Bernhardt. Während der Betriebspause mussten auch die Fahrlehrer in Kurzarbeit geschickt und die betriebliche Altersvorsorge unterbrochen werden. „Unsere Fahrzeuge konnten in eine Art Ruheversicherung wechseln“, berichtet Skeide. Einige der laufenden Kosten konnten gestundet werden.

Die Nachfrage sei zu Beginn der Woche, als der Betrieb wieder startete, höher gewesen als üblich. „Wie sie sich insgesamt entwickelt, sehen wir erst in einiger Zeit“, erklärt Markus Bernhardt.

Theorieunterricht

Beim Theorieunterricht fühlt sich Fahrlehrer Michael Simon wie ein Türsteher. Wie im Club steht er mit einer Namensliste vor einer Schlange schutzmaskentragender Schüler. „Ich hake die Namen ab.“ Wer auf der Gästeliste steht, wird von Simon zu seinem Platz geführt. „So können wir im Ernstfall die Infektionsketten nachvollziehen“, erklärt Simon. Er selbst steht dann vor einer Plexiglasscheibe und hält den Unterricht. Die Schüler können die Masken wegen des Sicherheitsabstandes abziehen. 

Mirko Skeide, Markus Bernhardt und das Team sind froh, dass der Betrieb nun weitergehen kann. „Noch am Sonntag saßen wir beisammen und haben uns den Kopf zerbrochen, was auf uns zukommt.“

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