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Beratungsbedarf nimmt stetig zu

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Eigentlich sind sie vor Jahrzehnten aktiv geworden, mit dem Ziel, „irgendwann einmal überflüssig zu werden“, sagt Rosel Götz-Hermann, Vorsitzende des Vereins „Frauen helfen Frauen“. 40 Jahre später hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. „Wir haben den Eindruck, dass häusliche Gewalt zunimmt.“ 

1980 haben die Mitgründerinnen, zu denen auch die Heilbronner Fachanwältin für Familienrecht zählt, Fragebögen an Praxen, Frauenklinik, Krankenhäuser und Seelsorgeeinrichtungen verteilt, um herauszufinden, ob es Bedarf für ein autonomes Frauenhaus gibt. Das Ergebnis: von 42 hilfesuchenden Frauen konnten damals nur sieben aufgenommen werden, mehr als die Hälfte kehrte mangels Alternativen zu ihrem Misshandler zurück.

Große Vorurteile

49 Gründungsmütter hatte der Verein – „und zu Beginn haben wir sehr viel Ablehnung erfahren“, erinnert sich Götz-Hermann. „,So was gibt es bei uns nicht", sei etwa einmal der Tenor der Zuhörerschaft nach einem Vortrag gewesen. „Wir waren als Weiber und Emanzen verschrien.“ Lange Zeit habe man gegen große Vorurteile gekämpft. Dazu kam: „Wir hatten die Illusion, dass uns die Stadt ein Haus zur Verfügung stellen würde.“ Denn bei der Wohnungssuche hagelte es schnell Absagen, wenn der Vermieter erfuhr, dass die Räumlichkeiten als Frauenhaus genutzt werden sollten. 

Bergauf ging es, als der Verein 1983 erstmals eine vollbeschäftigte Kraft zugebilligt bekam. Bislang hatte man alles ehrenamtlich gestemmt, die Fluktuation war groß. Ein Jahr später gab es den ersten kommunalen Zuschuss, 1985 die zweite ABM-Stelle.

1986 haben wir ein Haus gekauft. Damit hatten wir endlich eine gesicherte Unterkunft.“ An eine „spannende Zeit“ erinnert sich Götz-Hermann, und an die „Aufbruchsstimmung“ damals. Auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter sei die Arbeit oft alles andere als leicht. „Eine Mitarbeiterin hat es einmal beschrieben. Dass die Frauen sehr unterschiedlich sind, deutsche und ausländische, Hausfrauen und Berufstätige, Frauen, die ängstlich, selbst gewaltbereit gegenüber den Kindern, hysterisch, hilflos, lethargisch, alkoholabhängig sind“.

Von Berufs wegen, so die Rechtsanwältin, habe sie oft gesehen, wie schlimm es manchen Frauen ergehe. „Das hat mich geprägt, und ich bin stolz auf das, was wir mit dem Verein erreicht haben.“ Sehr problematisch ist es für die Betroffenen, nach ihrem Aufenthalt im Schutzhaus des Vereins eine eigene Wohnung zu finden. „Es wäre ein herber Rückschlag, eine Frau, die wir ein Jahr lang aufgebaut haben, in die Obdachlosigkeit zu verlieren,“ sagt Karola Volkmann, dienstälteste Sozialpädagogin der Einrichtung und seit 2003 dabei.

Viel Nachfrage

Derzeit ist die Nachfrage sehr groß, es gibt wenig freie Plätze in Baden-Württemberg. Auch das autonome Frauenhaus, dessen Adresse streng geheim ist, ist voll belegt. Drei Anfragen auf Aufnahme hat Karola Volkmann am Wochenende bekommen, bis zu zehn in der vergangenen Woche. Das Frauenhaus Heilbronn arbeitet eng mit Einrichtungen im Land zusammen und versucht, Hilfesuchende weiter zu vermitteln. 

Die Arbeit stemmen vier ehrenamtliche Mitglieder im Vorstand, drei Sozialpädagoginnen, eine Verwaltungsfachkraft und eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin. Auch der Beratungsbedarf nimmt zu. Dabei stellen die Mitarbeiterinnen fest: Beratung nehmen Frauen aus allen Schichten in Anspruch, Mitglieder der Mittelschicht hätten aber meist Alternativen, in der Herkunftsfamilie Zuflucht zu finden oder eine Wohnung zu mieten.

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