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Breitenauer See wird abgelassen

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Auch die Badesaison 2021 fällt ins Wasser. Und die im darauffolgenden Jahr wahrscheinlich ebenso. Diesmal liegt es nicht an der Corona-Pandemie. Der Hintergrund ist ein anderer: Der Breitenauer See wird kein Wasser haben. Am 1. Dezember wird spätestens der Stöpsel gezogen. Der Wasserverband Sulm muss das 1980 gebaute Hochwasserrückhaltebecken einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Bis die derzeit rund zwei Millionen Kubikmeter Wasser durch die Sulm in den Neckar geflossen sind, vergeht etwa ein halbes Jahr. Nach der Revision und den technischen Verbesserungen an der Anlage kann es bis zu zwei Jahre dauern, bis Schwimmer, Segler, Surfer, Paddler und Angler in und an der größten Wasserfläche in Nordwürttemberg wieder Freude haben. Spaziergänger und Sonnenanbeter sind nicht betroffen. 

„Wir müssen unsere gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe erledigen“, sagt Weinsbergs Bürgermeister Stefan Thoma, der dem Wasserverband Sulm vorsteht. Und er betont: „Die allerwichtigste Aussage ist: Der Breitenauer See ist zuallererst ein Becken für den Hochwasserschutz“ – und eben kein reiner Badesee. Auch wenn er von Anwohnern, Ausflüglern und Urlaubern als solcher wahrgenommen wird. „Ich habe Verständnis dafür, dass die Maßnahme nicht auf Begeisterung stoßen wird“, sagt Thoma. „Aber wir haben keine Option.“ Alle zehn bis 20 Jahre, so die zwingende Vorgabe nach dem Wassergesetz, muss das wichtigste und zweitgrößte der 17 Becken entlang der Sulm einer vertieften Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. Die letzte liegt lange zurück, nämlich 25 Jahre.

Vorgezogen

2013/14 konnte der Wasserverband einen Aufschub erlangen, wurde doch damals eine Teilabsenkung vorgenommen, „um den Komplettablass zu vermeiden“, fügt Thoma hinzu. Dieses Vorgehen sei jetzt nicht mehr genehmigt worden. Eigentlich war die große Lösung erst 2022/23 vorgesehen. Nun wird sie mit Blick auf die Corona-Pandemie vorgezogen. Denn auch im kommenden Jahr könnte das Virus wieder Nutzungseinschränkungen verursachen, davon gehen das Landratsamt Heilbronn, mit dem Regierungspräsidium die Genehmigungsbehörde, und der Wasserverband Sulm aus. In diesem Sommer hatten die Ortspolizeibehörden von Obersulm und Löwenstein den See für den Badebetrieb komplett gesperrt aus Sorge, es könnte sich dort ein Corona-Hotspot entwickeln. Der nun anvisierte Zeitplan verkürze die Sperrdauer um ein Jahr, sagt Thoma, 2023 dürfte die 38 Hektar Dauerstaufläche wieder den normalen Pegelstand haben. 

Warum hat der Wasserverband nicht schon in diesem Sommer gehandelt? „Als absehbar war, dass die Badesaison ausfällt, haben wir überlegt, ob man die Maßnahme vorziehen kann. Kann man nicht“, liefert Thoma gleich die Antwort mit. Es habe naturschutzrechtliche Einwände gegeben. Das Laichen der Fische und das Brüten der Vögel wären beeinträchtigt worden. „Die Sulm wäre tot gewesen“, fügt Thoma hinzu. Schwefelwasserstoff reichere sich im Sommer an, beeinträchtige die Wasserqualität und damit die Fische im See. Sie bringen es insgesamt auf ein Gewicht von acht bis zwölf Tonnen, schätzt der Fischereiverein Breitenauer See. Der Verein, der Pächter des Sees ist, wird seinen Besatz etwa vier Wochen, bevor der Grund trocken gelegt ist, abfischen. Ein Kraftakt mit Schwerstarbeit steht dem Pächter bevor. Die Fische, so Thoma, könnten in der Vorsperre ein Übergangsdomizil finden.

Nicht jedoch der Rote Amerikanische Sumpfkrebs. Dieser ungeliebte Wasserbewohner schleppte die Krebspest ein, vernichtet heimische Krebsarten und verdrängt andere Lebewesen. Deshalb müsse die Ausbreitung gestoppt werden, erläutert Thoma die Vorgabe von Landratsamt und RP. Der aggressive Zuwanderer dürfe nicht in die Sulm gelangen. Amphibienschutzzäune sollen das verhindern.

Erst einmal nehmen Taucher das Ablassbauwerk und den Damm in Augenschein. Sollten sie Schäden entdecken, kann das beauftragte Ingenieurbüro Winkler und Partner die Planung entsprechend anpassen. Neben der Revision von Damm und technischer Einrichtungen sind auch Maßnahmen enthalten, um das Ablassen zu modifizieren, wie ein Rechen, ein sieben Meter hoher Entnahmeturm unter Wasser oder der Austausch von Schiebern. Zudem müssen Uferabbrüche saniert werden. Auf rund 400 000 Euro schätzt Thoma die Kosten. 90 Prozent übernimmt das Land.

170 Tage

Am 1. Dezember wird Johannes Kübler, der technische Leiter des Wasserverbands Sulm, den Ablassschieber öffnen. Dann fließen 200 Liter pro Sekunde in die Sulm, dreimal so viel wie normalerweise zu- und abfließt. „Am Anfang sieht man noch nichts“, sagt Thoma. Der See, der an der tiefsten Stelle 16 Meter misst, senke sich nur daumenbreit pro 24 Stunden. Bis zu 170 Tage kann es dauern, bis das gesamte Wasservolumen entwichen ist. Zwei bis drei Monate sind für die Sicherheitsüberprüfung und die Baumaßnahmen angesetzt. Starke Regenfälle und Hochwasser würden das Ablassen verzögern, umgekehrt aber auch das Einstauen beschleunigen. „1995 war der See innerhalb eines Jahres wieder voll“, erinnert sich Betriebsleiter Kübler. 

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