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Die hässliche Welt hinter schönen Fotos

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Ungläubige Freude und Stolz – so kann man die Emotionen zusammenfassen, die derzeit einige Kunstlehrer, Schüler und die Schulsozialarbeiterinnen am Schulzentrum von Weinsberg durchströmen. Beim Kreativwettbewerb zur Kampagne „Bitte Was?! Kontern gegen Fake und Hass“ des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, des Kultus- und des Staatsministeriums haben sie mit ihrem medienpädagogischen Projekt „The world behind Instagram“ den ersten Preis in ihrer Altersklasse gewonnen. Am Montagabend fand die digitale Preisverleihung per Live-Stream statt.

Gemeinsam für Sensibilisierung

Begonnen hat das Projekt bereits im ersten Halbjahr 2019. Die damaligen Klassen 9a, 9c und 10c des Justinus-Kerner-Gymnasiums (JKG) und die 9c der Weibertreuschule Weinsberg (WSW) setzten sich im Kunstunterricht intensiv mit der schönen heilen Welt auf Instagram auseinander, hinter der sich ganz häufig Schmu und Fake verbergen.

Die Jugendlichen wurden dafür sensibilisiert, lernten die Wirkung von Bildern kennen und wie man diese durch Ausschnitte oder Photoshop verändern kann.

Das Abo mit der Scheinwelt gekündigt

In Zusammenarbeit mit der Schule für Gestaltung im Kolping-Bildungszentrum Heilbronn wurden ihnen die gestalterischen Grundlagen von Fotografie beigebracht, bevor es an die eigenen Werke ging. Die Fotos zeigen das Handy und den dort abgebildeten Ausschnitt des Geschehens, aber eben auch das Drumherum, womit die verschiedensten Fakes entlarvt wurden.

„Das Projekt hat einem die Augen geöffnet.“
Schülerin Hanna Zöbisch

Erster Höhepunkt war dann die Eröffnung einer Ausstellung mit den auf Acrylglas gedruckten Werken in den Räumen für die Ganztagsbetreuung. „Das Projekt hat einem schon die Augen geöffnet, man begann, Bilder und Accounts zu hinterfragen, ob das wirklich das echte Leben ist oder nur gestellt“, gibt Hanna Zöbisch zu. Mittlerweile hat die 17-Jährige alles de-abonniert, was so eine Scheinwelt zeigt. Sie konzentriert sich bei Instagram nur noch auf Nachrichten.

Schüler fungieren als Guides

Es sollte aber nicht nur eine schöne Ausstellung sein, die kaum einer richtig wahrnimmt. Deswegen wurden noch im Februar Schüler zu Ausstellungsguides ausgebildet, die andere Klassen durch die Ausstellung führen sollten. „Wegen Corona ist das leider noch nicht so angelaufen wie geplant, weil wir ja keine Schularten und Klassen mischen dürfen“, bedauert Gaby Heiß, Schulsozialarbeiterin an der WSW. Doch man arbeite daran, eine virtuelle Alternative zu finden.

Die Idee mit den Guides findet Leonie Schweikert aber richtig gut. „Vor allem für die jüngeren Schüler, die noch denken, so wie es dort abgebildet wird, gehört die Welt“, denkt die 17-Jährige. Daraus entwickle sich oft auch Mobbing und eine ganz andere Wahrnehmung der Welt.
Sebastian Seitner, Medienpädagoge am Landesmedienzentrum, lobt in seiner Laudatio die Arbeit der Weinsberger. „Auf sehr kreative und verständliche Art und Weise habt ihr es geschafft, einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Medienkompetenz zu leisten, denn die kritische Reflexion von Medieninhalten ist heutzutage sehr wichtig.“

Erdacht und konzipiert von Schülern

Solche Worte machen Nadine Novell, Kunstlehrerin am JKG, stolz, stammen die Konzepte und Ideen doch von den Schülern. „Vieles wird im Schulalltag nicht gesehen und das ist jetzt noch einmal eine große Wertschätzung.“ Ihr Kollege Daniel Neumann ergänzt: „Es ist ein gutes Signal, die Arbeit war nicht umsonst, und es hat Wirkung, was ihr da gemacht habt.“



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