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Es bleibt ruhig und geordnet

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Nach den Ausschreitungen bei Demonstrationen in Berlin, in Leipzig und anderswo ist die Polizei am Sonntagnachmittag auf dem Heilbronner Kiliansplatz gewappnet: „Wir sind sehr gut aufgestellt, weil wir uns auf alles einstellen müssen“, sagt Gerald Olma, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Heilbronn. Rund 450 Menschen nehmen an der Kundgebung der Initiative „Querdenken“ teil. Hauptredner ist Michael Ballweg, Gründer der bundesweiten „Querdenken“-Bewegung. Ein paar Meter weiter haben sich etwa 40 Gegendemonstranten positioniert. Am Ende kann Gerald Olma vermelden: „Es verlief alles friedlich und geordnet.“ 

An der Kaiserstraße parkt eine ganze Kolonne von Polizeifahrzeugen. Hundeführer sind im Einsatz, berittene Polizei ist vor Ort, Kräfte der Bereitschaftspolizei und des Polizeipräsidiums Heilbronn, Kollegen der Anti-Konfliktteams. Wie viele Polizisten es insgesamt sind, verrät der Chef der Pressestelle aus einsatztaktischen Gründen nicht. Zu Beginn schätzt Gerald Olma die Zahl der Menschen, die sich auf dem Kiliansplatz versammelt haben, auf knapp 100. Es sind schließlich rund 450, als Michael Ballweg kurz nach 14 Uhr ans Mikrofon tritt.

Mit viel Applaus wird er empfangen von den Besuchern, die in der Mehrzahl keine Masken tragen – offenbar getreu dem Motto der Kundgebung „Wir gegen die Maskenpflicht“. Die Organisatoren um Alexander Stängle von der Gruppe „Querdenken 713 – Heilbronn“ haben einen Bereich mit Absperrband abgetrennt und Kreuze auf die Pflastersteine gemalt, damit die Leute wissen, wo sie zu stehen haben, um die Abstände einzuhalten. Ordner weisen darauf hin, wenn es zu eng wird. Außerhalb des abgegrenzten Bereichs tun das auch die Polizisten der Anti-Konfliktteams.

Michael Ballweg spricht eher zurückhaltend. Nach den Ausschreitungen andernorts, die auch von „Querdenken“-Demonstrationen ausgingen, ist ihm an Aufruhr nicht gelegen. Er referiert über Grundrechte und Menschenwürde und darüber, „dass Querdenken nicht hetzen“ wolle. Die Aktionen will er nicht als „Anti-Corona-Demonstrationen“ verstanden wissen, sondern als „Demonstrationen für die Wiederherstellung der Grundrechte“.

Wesentlich schärfere, provokantere Töne schlagen andere Redner der „Querdenken“-Kundgebung an. Von der „irren Maskenpflicht“ ist da die Rede und von der Maske „als psychologisches Machtinstrument“. Ein Betriebsratsvorsitzender aus Fürth poltert: „Ich habe die Schnauze voll von den Drangsalierungen, die uns jeden Tag auferlegt werden.“ Er will „denen in Berlin“ zeigen, „dass sie nicht mit uns machen können, was sie wollen“. Auch dafür gibt es viel Beifall.

Alle Altersklassen sind vertreten, Familien genauso wie Einzelpersonen. Aus Östringen angereist sind Doris und Jochen Rothermel. Sie sind gekommen, weil sie sich in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen. Im Prinzip seien sie „für Frieden, Freiheit und die Wiederherstellung der Grundrechte“.

Ein paar Meter weiter, an der Ecke Kaiserstraße/Sülmerstraße, haben 40 Leute einer Gegenkundgebung der Gruppe „Verstand 2020“ Aufstellung bezogen. Von „Unwahrheiten und Hetze“ ist die Rede. Die Gruppe um Niklas Rosche versteht sich als Gegenbewegung zu den Querdenkern und hat ihre Aktion kurzfristig angemeldet, als sie vom geplanten Auftritt Ballwegs erfahren hat. „Wir wollen ihn nicht in Heilbronn haben“, sagt Rosche. „Und wir stellen uns gegen Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus.“ Das unterlegt die „Verstand 2020“-Gruppe mit bisweilen sehr lauter Musik – worüber wiederum die Querdenker den Kopf schütteln.

Beim Kopfschütteln bleibt es im Wesentlichen an diesem Nachmittag, eine Ordnungswidrigkeit verzeichnet die Polizei. Gegen 16 Uhr ist alles vorbei, Pressesprecher Gerald Olma sagt: „Alles war ruhig und entspannt.“ Und ja, er ist erleichtert.

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