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Gastronomen hoffen auf solidarische Bevölkerung

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Einen ganz neuen moralischen Kodex hat die Corona-Pandemie geschaffen: Nähe wird gezeigt, in dem man Abstand hält. Die vorschriftsmäßig getragene Mund-Nasen-Bedeckung ersetzt ein warmes Lächeln, und statt eines festen Händedrucks boxt man sich jetzt gegenseitig ab.

Ganz besonders vom Krisen-Jahr 2020 gebeutelt ist die Gastronomie. Die zum 2. November in Kraft getretenen „Corona-Verordnungen Gaststätten“ setzen der bereits angeschlagenen Branche weiter zu. In Bad Wimpfen müht sich das Hotel Neues Tor darum, die Pandemie mit möglichst geringem Schaden zu bewältigen. „Im Prinzip ist die Stimmung im Haus gut“, sagt Geschäftsführer Knut-Philip Möller, „wichtig wird es für uns aber sein, dass wir ab dem 1. Dezember wieder unseren gastronomischen Betrieb aufnehmen dürfen.“

Gut aufgestellt

Zumindest Geschäftsreisende dürfen im Hotel noch absteigen, der Tourismus ist hingegen versiegt. Statt Urlauber verwöhnt die Küche des Hauses inzwischen vor allem den heimischen Gaumen. Mit einem Abhol- und Lieferdienst wird zumindest kulinarisch noch auf Hochtouren gearbeitet. „Unsere Klassiker gehen nach wie vor sehr gut“, sagt Möller. Kalbsschnitzel und Hirschragout erfreuen sich großer Nachfrage. Ein ganz besonderes Schmankerl wird am St. Martinstag serviert: Gänsekeule. Noch neigt sich der Vorrat nicht dem Ende, allerdings „haben wir dafür schon sehr viele Vorbestellungen“. Dennoch, von der Pandemie sei keine Branche so stark getroffen wie die Gastronomie und die Hotelerie. „Wir sind gut aufgestellt und schauen optimistisch Richtung Dezember“, sagt Möller, „schließlich liegen auch Buchungen für die Zeit um Weihnachten und Silvester vor.“ Er betont allerdings, dass es ohne die „große Unterstützung aus der Bevölkerung“ deutlich schlechter aussähe. 

Improvisiert

Spätzle in Gläsern, so sieht die Reaktion der Gastronomenfamilie Kurz auf die neuerliche Corona-Krise aus. Im Innenhof des Hofcafés südlich von Sontheim wurde der Eisstand wieder aufgebaut. Diana Kurz erklärt: „Wir haben unser Eishäusle kurzerhand umfunktioniert und verkaufen hier Essen an die Leute.“ Zwar habe man einige Angestellte in Kurzarbeit schicken müssen, „was wir für die Leute natürlich sehr bedauern“, so Kurz, aber die etwas geschrumpfte Speisekarte werde „rauf und runter bestellt“. Das angepasst Menü kann auf der Homepage eingesehen werden. 

Zu den beliebtesten Gerichten gehören beispielsweise Spanferkel-Rollbraten, das Winzerpfännle und die hausgemachten Maultaschen. „Wir haben uns entschieden, zweigleisig zu fahren“, erklärt Diana Kurz, „zum einen bieten wir warme Gerichte zum Verzehr an, auf der anderen Seite haben wir Gerichte in Glasbehältern, die man sich zu Hause ganz bequem warm machen kann.“ Mit der Resonanz ist sie sehr zufrieden: „Das kommt gut an. Aber wir halten unsere Qualitätsstandards auch in der Krise hoch.“ Zwar schmerzt auch sie die Zwangsverordnung, sie musste Konditoren, Köche und Gasthauspersonal in Kurzarbeit schicken. „Aber den Kopf in den Sand stecken, das bringt uns nicht weiter.“

Auch in der Weinstube Bütte in Beilstein versucht man, „das Beste aus der Situation“ zu machen. Mitinhaberin Christel Krohmer und ihre Mitarbeiter entwarfen ein aufwendiges Hygiene-Konzept, das aktuell nicht praktiziert wird. „Wir haben ein riesiges beheiztes Zelt im Innenhof aufgestellt“, erklärt Krohmer, „das kam wirklich gut an.“ So sollte die urige Atmosphäre der Weinstube etwas bewahrt werden.

Nun bleibe nur noch der Abholservice, den sie gemeinsam mit ihrer Tochter betreibe. „Zumindest können wir uns auf die Erfahrungen stützen, die wir beim Lockdown im April und Mai gemacht haben“. Obwohl über den Besenkalender und Facebook eifrig inseriert wurde, seien die Gäste derzeit noch ein bisschen „zögerlich“, wie Christel Krohmer sagt. Auf die Unterstützung, die sie bereits im Frühjahr erfahren hätten, hofft sie nun wieder.



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