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Kehrausstimmung zum Karnevalsstart

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Denis Löhsl macht die orangefarbene Schranktür wieder zu. Niemand wird die knallblauen Jacketts mit den kunterbunten Pins an den Revers tragen. An der gegenüberliegenden Wand des Vereinsraums sind alle Orden der Ellhofener Sulmtalnarren aufgereiht. 2020/21 kommt keiner dazu. Das Motto, das die Narren durch die Kampagne tragen sollte? Geschoben auf 2021/22. Normalerweise fiebern Faschingsfans landauf, landab dem 11.11. entgegen. Doch statt Frohsinn gibt es heute nur Kehrausstimmung. Corona und Karneval – das verträgt sich einfach nicht.

Das einsame Erwachen des Sulmtaler Till

Häppchenweise schmolz jede Hoffnung. Dass die großen Umzüge im Unterland – der Ellhofener ist traditionell immer der erste – 2021 nicht stattfinden, war irgendwann klar. Aber lange offen war vor Ort die Frage, ob und wie Fasching trotzdem gefeiert wird. Kann zum Beispiel der Till, die Symbolfigur der Sulmtalnarren Ellhofen (SNE), wie jedes Jahr unter freudigem Applaus erwachen? Sind Prunksitzungen möglich? Rathaussturm? Kinderfasching? Was geht, was nicht, und wenn doch, unter welchen Bedingungen? „Ende September war bei uns dann klar, dass im üblichen Rahmen gar nichts stattfinden kann“, sagt Denis Löhsl, Chef des 350 Mitglieder starken Faschingsvereins. Lange Gesichter bei den Garden und Gruppen, die laut Löhsl den Sommer über unter Hygiene-Auflagen so gut wie möglich trainiert hatten.

Damit Fasching nicht völlig ins Wasser fällt, wollten die Sulmtalnarren kleinere Akzente setzen. So sollte erstmals ein Narrenbaum gestellt werden. Damit sollten vor allem die Sulmis gefeiert werden und die offizielle Aufnahme dieser SNE-Gruppe als anerkannte Masken- und Brauchtumsgruppe im Landesverband Württembergischer Karnevalvereine. „Wir wollten auch ein Video drehen, wie der Till einsam in der Gemeindehalle erwacht und dann die verschiedenen Gruppen und Garden beim Üben besucht“, berichtet Löhsl, der mit seinen 43 Jahren bereits ein Urgestein der Ellhofener Sulmtalnarren ist. Vater Walter Löhsl ist Ehrenpräsident. Via Facebook hätte man mit dem Dreh den Mitgliedern eine Freude gemacht.

Im Herbst steht fest: Die fünfte Jahreszeit entfällt

Doch dann kam Anfang November der Lockdown, und damit hatte sich selbst die Schmalspurversion von Fasching erledigt. Kein Training mehr, keine Zusammenkünfte. „Natürlich ist die Gesundheit unserer Mitglieder das Wichtigste“, sagt Löhsl. Auch ihm dürfte der Name Gangelt noch im Ohr klingen – eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, wo im Frühjahr eine Faschingsveranstaltung zum Corona-Hotspot wurde. „Und natürlich ist es viel schlimmer, wenn zum Beispiel berufliche Existenzen bedroht sind“, sagt der Präsident. „Dennoch ist es schade für den Verein. Karneval – das ist ja Geselligkeit und Zusammenkunft.“ Der wesentliche Vereinszweck fehlt nun. „Hoffentlich bleiben trotzdem alle dabei.“ 150 Aktive sind das Herz der SNE.

Diese Sorge treibt auch andere Faschingshochburgen um. Siegfried Grasi, Präsident des Talheimer Carnevalsvereins (TCV), hofft, dass kein Mitglied abspringt. Bereits im Juni hatte der TCV seinen Umzug abgesagt. „Weil wir keine Planungssicherheit hatten.“ Das Prinzenpaar, das bereits in den Startlöchern stand, wurde erst gar nicht präsentiert. Ende Oktober entschied der Verein, dass die fünfte Jahreszeit komplett ausfällt: keine Inthronisierung, kein Ordensabend, keine Prunksitzung, weder Kinder- noch Seniorenfasching, kein Rathaussturm, kein Faschingsbegräbnis. „Alles andere wäre sträflich leichtsinnig“, meint der Präsident. „Gesundheit geht vor Risiko“, heißt es auf der Homepage. „Natürlich tut es uns weh. Wir sind alle mit Herzblut dabei“, sagt der TCV-Chef. 

Finanziell drückt nun der Schuh

Ab Juni und bis zu den Herbstferien hätten die Garden, die Tanzmariechen und die Showtanzgruppe unter strengen Auflagen trainiert. Grasi weiß um die Enttäuschung. Aber: „Das gehört zum Leben.“ Der TCV-Chef hat schon einmal eine Absage erlebt. Im Februar 1991 hallte wegen des Golfkrieges auch kein „Daala Dalau“ durch Talheim. Der Start am 11.11. hatte damals jedoch stattgefunden. „Keine Frage, wir werden Einbußen haben“, kommt Grasi auf die finanziellen Folgen des Ausfalls zu sprechen. Der TCV muss nun zwar kein Geld für Kostüme oder Dekomaterial ausgeben, aber die laufenden Kosten im Vereinsdepot oder Versicherungen seien weiter zu bestreiten. „Noch kommen wir gut durch“, ist Grasi jedoch zuversichtlich.

„Wir bedauern es außerordentlich, keinen Fasching feiern zu können. Aber wir müssen uns der Verantwortung stellen“, sagt Dieter Büchle, Präsident der Wimpfener Faschingsgesellschaft (WFG). Schweren Herzens habe der Vorstand einstimmig beschlossen, alle Veranstaltungen abzusagen.Fasching feiern mit Abstand: Das wollen und können wir uns nicht vorstellen“, sagt Dieter Büchle. Hinzu komme, dass die Tänze der Garden und ein lustiges Programm weder einstudiert noch in gewohnter Weise aufgeführt werden können. Das habe man im Vorfeld mit der Programmchefin besprochen. Vize-Präsident Ralf Stegmaier sagt: „Der Gesundheitsschutz muss von uns in allen Bereichen beachtet und priorisiert werden.“ Man hoffe auf Verständnis bei den Mitgliedern und Faschingsfans. „Wir freuen uns alle auf eine wunderschöne Karnevalskampagne 2021/22, die wir dann hoffentlich in gewohnter Art und Weise feiern werden.“

Nach dem Lockdown light ein Karneval light?

Lange hatten die Verantwortlichen der Carneval-Gesellschaft Heilbronn ( CGH ) gezögert, bis sie entschieden, die Veranstaltungen abzusagen. Nun seien leise Töne angesagt, Karnevalisten würden auch diese beherrschen. Sollten es Fallzahlen und Bestimmungen im Januar zulassen, dann soll es eine vereinsinterne, regelkonforme Veranstaltung geben, so dass die Gruppen ihre Bühne bekommen und ihr Können zeigen dürfen. Die Garden hatten auch in Heilbronn vor den Sommerferien mit einem Hygiene-Konzept ihr Training wieder aufgenommen, wofür Präsident Uwe Bindereif gesorgt hatte. Er hofft, dass die Mitglieder mit dem Verein durch diese „schwere Zeit“ gehen.

In Ellhofen will Denis Löhsl die Hoffnung ebenfalls nicht aufgeben. „Im Moment können wir zwar nichts planen. Ob vielleicht doch noch kleinere Akzente möglich sind, hängt davon ab, wie es mit dem Lockdown weitergeht“, sagt der Chef der Sulmtalnarren. Immerhin: Der Till werde wohl auf jeden Fall erwachen, Pandemie hin oder her. Wenigstens daheim im Wohnzimmer, gefilmt von der Familie.
„Natürlich tut es uns weh. Wir sind alle mit Herzblut dabei.“


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