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Leihroller-Firmen entdecken Heilbronn

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Per Handy-App mieten, rollern, abstellen, wieder abmelden: Nach diesem Prinzip sind Elektroroller in vielen Großstädten verfügbar. Nun gehen gleich drei Anbieter mit bis zu 600 E-Scootern in Heilbronn an den Start. Die Stadt hat sich mit den Firmen auf Regeln geeinigt und hofft auf eine sinnvolle Ergänzung zu Bus und Bahn. Verkehrsexperten sind da skeptisch. 

Per Handy mieten

Mit Bird, Tier und Zeus drängt ein Trio konkurrierender Firmen nach Heilbronn, das bisher ein weißer Fleck auf der Leihroller-Landkarte ist. Die Zeus-App vermeldete gestern schon freie Roller. Tier teilte mit, das genaue Startdatum stehe noch nicht fest, eine Anfrage bei Bird blieb zunächst unbeantwortet.

Das System funktioniert nach dem sogenannten Free-Floating-Prinzip. Nutzer können die Roller über Karten auf dem Handy orten, mieten, nutzen und dann irgendwo im festgelegten Gebiet wieder abstellen. Bei Zeus kostet das in Heilbronn einen Euro Grundgebühr und 19 Cent pro Minute. Die beiden Mitbewerber veröffentlichen für Heilbronn noch keine Details, Angaben für andere Städte im Internet deuten jedoch darauf hin, dass die Kosten bei allen dreien im Grunde identisch sein werden. 

In den Metropolen, wo die Roller längst zum Straßenbild gehören, gibt es Fans und Kritiker. Letztere monieren, zu viele parkende Roller blockierten Wege und Plätze. Die Stadt Heilbronn begrüßt das neue Angebot. „Die Elektrokleinstfahrzeuge haben das Potenzial, als schnelles Fortbewegungsmittel bei kurzen Distanzen und in Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr die Vielfalt der Mobilität in Heilbronn dauerhaft zu verbessern“, erwartet Bürgermeister Wilfried Hajek.

Anzahl limitiert

Mit einer „Verpflichtungsvereinbarung“ auf freiwilliger Basis habe man sich mit dem Trio auf Leitplanken geeinigt, teilt das Rathaus mit. Jeder Anbieter darf zunächst maximal 200 Roller in Heilbronn aufstellen, davon höchstens 75 innerhalb des Innenstadtrings. Die Anbieter verpflichten sich, maximal drei Fahrzeuge an einem Standort im Umkreis von 100 Metern aufzustellen.

Ausnahmen gibt es etwa am Hauptbahnhof, an der Harmonie oder an Hauptverkehrsachsen. Eine Reihe von Orten sind als Scooter-Parkplatz tabu, darunter Fußgängerzonen, Grünanlagen, Friedhöfe, Feuerwehrzufahrten oder Parkverbotszonen. Dass die Roller nicht in der Sperrzone abgestellt werden, dafür sorgen die Anbieter über ihre Apps, die den Standort der Roller registrieren

Breite Zielgruppen

„Es ist wichtig, dass nicht alles vollgestellt ist“, begrüßt Nicolas Seifert die Vereinbarung. Der für Städtekooperationen zuständige Zeus-Mitarbeiter hält es „für sehr wichtig, dass Maximalzahlen festgelegt werden“. Im Visier hat das Unternehmen, Tochter einer irischen Firma, junges Spaßpublikum, „Best Ager kurz vor der Rente“, Pendler, die das letzte Stück zur Haltestelle nicht laufen wollen, oder Nutzer, die statt ins Taxi auf den Roller steigen. Bei der Taxizentrale Heilbronn hält sich die Sorge in Grenzen. „Ich glaube kaum, dass das Konkurrenz für uns ist“, zeigt sich Vorstand Karzan Mehmud gelassen. Die Zielgruppen seien unterschiedlich. 

Können die Roller Bus und Bahn auf der letzten Meile ergänzen? „Man hat eher den Eindruck, dass sie den ÖPNV schwächen statt stärken“, sagt Manfred Wacker vom Lehrstuhl für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik an der Universität Stuttgart. Kaum ein Pendler nehme die Roller in sein „Mobilitätsportfolio“ auf, „Spaßnutzer“ seien klar in der Überzahl. Sinnvoll seien Scooter in abgeschlossenen Bereichen wie weitläufigen Firmenarealen oder auf dem Hochschulcampus. „Ich sehe das weniger als Alltagsverkehrsmittel.“

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