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Buntbemalte Steine als Zeichen der Gemeinschaft, lange Warteschlangen vor den Baumärkten – durch die Corona-Pandemie haben viele Menschen ganz neue Beschäftigungsfelder entdeckt.

„Wir haben schon gemerkt, dass die Leute mehr malen und basteln“, stellt Sandra Enchelmaier fest, Bereichsleiterin der Kreativ-Etage im Schreibwarenladen Seel in Heilbronn. Vor allem beim Handlettering und Steine-Bemalen konnten sie eine erhöhte Nachfrage verbuchen. Und das bereits vor der Ladenschließung im März. Schon damals hätten sich die Leute „mit Bastelsachen eingedeckt“.

Gilt das auch für Jugendliche?  „Eigentlich zeichne ich nicht so oft“, sagt der 14-jährige Jaden Fruh aus Heilbronn. „Aber während Corona habe ich mich doch manchmal an meinen Schreibtisch gesetzt und das gezeichnet, was mir gerade so durch den Kopf ging.“

Lena Schenek hat in den vergangenen Monaten sogar ein neues Hobby für sich entdeckt. „Ich habe angefangen zu nähen. Jetzt ändere ich zum Beispiel alte Kleidungsstücke um, die ich sonst nicht mehr getragen hätte.“ Auch das Upcycling, also die Wiederverwertung und Verschönerung von Dingen, die sonst weggeworfen worden wären, ist für sie dabei ein Thema. Grundsätzlich gehört Kreativität zum Leben der 24-Jährigen. In der Schule wählte die Heilbronnerin Kunst zu einem ihrer Hauptfächer, und auch in ihrem Architekturstudium gibt es einige experimentelle Elemente, bei denen Einfallsreichtum und Fantasie gefragt sind.

Häufig spielt die Zeit eine Rolle. „Normalerweise mache ich sehr viel Musik“, sagt Simon Dringenberger, der sowohl Klavier und Gitarre spielt, als auch Elektromusik am Mischpult und Computer produziert. In den vergangenen Wochen hat der 19-Jährige sich vorwiegend auf die Abschlussprüfung seines Physiotherapiestudiums vorbereitet. „Jetzt habe ich aber wieder mehr Zeit. Die werde ich auf jeden Fall zum Musikmachen nutzen“, ergänzt er und lacht.

Geschenke

Dennoch ist Zeit nicht die einzig entscheidende Komponente. Die Freundinnen Patricia Radovanlija und Maria Herrmann bestätigen, dass sie beide während der vergangenen Monate durchaus Zeit für Do-It-Yourself-Projekte gehabt hätten, doch Maria war lieber draußen, ist spazieren gegangen oder mit dem Motorrad unterwegs gewesen. „Ich bin nicht so kreativ“, sagt die 17-jährige Untereisesheimerin von sich selbst, und das habe sich auch während Corona nicht geändert.

„Patricia macht sowas eher.“ Die 18 Jahre alte Freundin beschäftigt sich tatsächlich mehr mit kreativen Tätigkeiten, malt und bastelt zum Beispiel oft Geburtstagsgeschenke für ihre Freunde. „Demnächst würde ich gerne mehr mit Wolle oder Stoff arbeiten“, überlegt die Untergruppenbacherin laut.

Nachhaltigkeit

Beim Thema Wolle und Stoff ist sie keinesfalls die Einzige. Sowohl der Wollladen Eskasa als auch Wolle Rödel in Heilbronn beobachten, dass sich zunehmend mehr junge Leute dafür begeistern. „Unsere Kundinnen sind nicht nur die älteren Frauen, die abends ihre Socken stricken, wie man es sich immer vorstellt“, sagt die Eskasa-Mitarbeiterin Beate Roth. Den Sommer über würde mehr gehäkelt werden, vor allem Taschen, da diese durch ihre Wiederverwendbarkeit nachhaltiger und dadurch auch beliebter

bei Jüngeren seien. Ebenso verbreitet sei auch das Maskennähen. Dana Misera aus Heilbronn zum Beispiel hat ihre Mund- und Nasenschutzmaske selbst angefertigt. Abgesehen davon zeichnet und malt die 16-Jährige in ihrer Freizeit gerne. „Sowohl mit Acryl als auch mit Buntstiften.“ Und woher kommen die Ideen? „Oft ist das Pinterest, aber auch von Freunden bekomme ich hin und wieder Anregungen“, erzählt Lena Schenek, und auch Patricia Radovanlija lässt sich von Projekten im Netz inspirieren. „Wenn ich meinen Freunden dann etwas Selbstgemachtes schenke, wissen sie das auch auf jeden Fall zu schätzen. So etwas freut mich immer sehr.“

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