Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Mehr Gemeinsamkeiten als gedacht

zurück zur Übersicht

Thibaut Lavigne ruft den nächsten Begriff auf: „le balcon“. Die vor ihm sitzenden Sechstklässler des Realschulzweigs der Otto-Klenert-Schule in Bad Friedrichshall melden sich. Ein Junge bekommt den Zuschlag und läuft – prompt zum falschen Bild auf dem Fußboden. Le balcon? „Ach so, Balkon“, begreift er und schlägt sich mit der Hand an die Stirn. Genau, ab zum nächsten Wort. Lavigne ist Lektor bei France-Mobil und macht am Mittwoch in der Salzstadt Werbung für seine Muttersprache. 

Ungewohnt

Für die Sechstklässler ist Französisch noch sehr ungewohnt, schließlich lernen sie die Sprache erst seit Anfang des Schuljahrs. „In erster Linie sollen sie mal die Originalsprache hören und erleben“, begründet Französischlehrerin Diana Romy, warum die Schule France-Mobil eingeladen hat. „Außerdem sollen sie sehen, dass es ganz leicht ist und doch recht nah am Deutschen.“ 

Insgesamt vier Klassen aus den Jahrgangsstufen sechs, sieben und zehn haben an diesem Vormittag den etwas anderen Unterricht, jeweils für 45 Minuten.

Thibaut Lavigne verrät den Kindern nicht, dass er auch deutsch spricht. Seit Januar lebt der Jura- und Politikstudent im Nachbarland, weil auch er eine neue Sprache lernen will, seit September arbeitet er für France-Mobil. „Dadurch, dass sie es nicht wissen, müssen sie versuchen, nur französisch zu reden, ganz ohne Übersetzung“, erklärt er augenzwinkernd.

Das funktioniert erstaunlich gut. Mit einem Würfelspiel und fünf verschiedenen Sätzen wie „Je m'appelle“, also „ich heiße“, oder „J'habite á “, also „Ich wohne in“, geht es los. Wer eine Sechs würfelt, der kann „bingo“ rufen und sich freuen – er darf alle Sätze aufsagen. Dabei kommt auch heraus, wie viele unterschiedliche Sprachen neben Deutsch und Englisch hier bereits gesprochen werden, etwa Kroatisch oder Tamilisch.

Lavigne hat jede Menge Folien mit Abbildungen dabei, die er als zweiten Schritt auf dem Boden verteilt. Er sagt ein Wort und die 13 Schüler müssen das richtige Bild suchen. Dabei sind sie überaus eifrig, jeder will möglichst viele Folien sammeln. „Où est le bus?“ fragt der 24-Jährige und klar, den Bus finden sie alle. Es gibt doch erstaunlich viele Wörter, die genau dieselben wie im Deutschen sind, nur etwas anders ausgesprochen.

Letzte Fragerunde

Dann wechselt der Lektor für eine letzte Fragerunde ins Deutsche und muss sich jetzt selbst beweisen. Die Schüler sind neugierig, wollen seinen Lieblingsnationalspieler wissen – es ist übrigens Kylian Mbappé – oder ob er gut in Deutschland zurechtkommt. „Es geht, aber es wird jeden Tag ein bisschen besser“, lautet die Antwort. 

Dann läutet die Pausenglocke. „Das war einfacher und hat mehr Spaß gemacht als normaler Unterricht“, denken Kim (11) und Sameeha (12). Vor allem, weil man nichts schreiben musste, und Spiele spielen sie sonst auch nicht, ergänzt Esther (11). Überrascht war Jenny (11) auch, wie gut sie den Franzosen verstanden haben.

Galerien

Regionale Events