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Monopoly mit Maske und Mindestabstand

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An der Monopoly-Runde im Bad Wimpfener Jugendhaus haben die fünf jungen Leute zwischen 14 und 18 Jahren sichtlich Spaß. Auch wenn einiges anders als sonst ist. Auf den Sofas und Sesseln sitzen sie betont mit Abstand. Masken verdecken die Gesichter, nur an den Augen ist ein Lachen abzulesen. Zwischendrin zu Getränk oder Knabberzeug greifen? Fehlanzeige. 

Strikte Vorgaben

Jugendhausleiter Christian Filippakis beschreibt, was geht: „Es sind pro Tag maximal sieben Leute erlaubt, die sich als Freundeskreis angemeldet haben müssen.“ Die Vorgaben sind strikt: Sieben Jugendliche im großen Raum, zwei im Musikstudio, fünf im Chill Out. Im Gebäude gilt Maskenpflicht. Ohne Datendokumentation und Desinfektion am Eingang kommt keiner rein. Eine Reinigungskraft der Stadt übernimmt zudem täglich die Desinfektion aller Kontaktflächen. 

Küsschen oder Umarmung zur Begrüßung gibt es nicht, höchstens der Ellenbogencheck ist erlaubt. „Das Anmeldeverfahren finden die Jugendlichen relativ kompliziert“, sagt Filippakis. Vor Corona sei es bei dem offenen und niederschwelligen Angebot einzige Anforderung gewesen, eine Türklinke bedienen zu können. Ein gehöriger Dämpfer für die „schöne Gemeinschaft“, findet Christian Filippakis, der sich gerade in der „Aufseherrolle“ fühlt. So habe er in der Phase der Lockerungen „sehr viel vor dem Haus zu tun gehabt“, damit sich im Hof keine Gruppen bilden.

Trotzdem ist er heilfroh, dass Jugendhäuser als Begegnungsort in sicherem Rahmen geöffnet haben dürfen. „Es gibt Jugendliche, die die Sozialkontakte sehr brauchen.“ Für ihr seelisches Wohlbefinden und ihre gesunde Entwicklung. Denn gegen die Vorgabe von maximal zwei Haushalten im öffentlichen und privaten Raum sei schnell verstoßen. Deshalb hofft er, „dass die Infektionszahlen bald zurückgehen und der Betrieb im Jugendhaus lockerer werden kann.“

Gemeinschaftlichkeit fällt weg

Darauf baut auch Niklas Englert, ehrenamtlicher Leiter des selbstorganisierten Jugendhauses in Roigheim. Aus eigenem Entschluss, „damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet“, und um vorzubeugen, dass das Jugendhaus zum Hotspot wird, hat der beliebte Treffpunkt im Wiesengrund im November geschlossen. „Wir vermissen es ziemlich, nicht unten sein zu können“, sagt Englert. Keine Clique mit 20 Leuten im Alter von 15 bis 21 Jahren, statt gemeinsam Bundesliga oder Filme zu schauen, Darts oder Billard zu spielen „sitzt nun halt jeder allein daheim: Echt schade.“

„Seit 30 Jahren funktioniert das Jugendhaus problemlos“, lobt Bürgermeister Michael Grimm. Nach den ersten Coronalockerungen hatte es im Juni wieder aufgemacht. „Mit maximal 15 Leuten, Abstand, Lüften, Desinfektion, Zetteln“, zählt Niklas Englert auf. Havanna-Night im April, Sommerparty, Oktoberfest und Kerwerock mussten ausfallen. Seniorennachmittag im Advent und Bewirtung beim Neujahrsempfang im Januar: eher unwahrscheinlich.

Auch Jugendreferentin Esther Ihm-Sauter, Leiterin des Neuenstädter Jugendhauses, hofft, „dass es sich endlich wieder relativiert“. Maximal zehn Personen dürfen zu normalen Öffnungszeiten zeitgleich und ohne Anmeldung kommen. Desinfektion, Dokumentation und Maskenpflicht, wenn die 1,50 Meter nicht eingehalten werden können, vorausgesetzt. Kein gemeinsames Kochen, keine Party zu Halloween, kein Backen im Advent und keine Übernachtungen: „Es fällt viel Gemeinschaftlichkeit weg.“

Besserer Draht

Im Moment kämen die Besucher „eher sporadisch“. Dafür sieht sie sich und ihre Kollegin Lisa Wolfmeyer deutlicher denn je in der Rolle als Ansprechpartnerin für Probleme. „Wir sind oft in der Stadt unterwegs, um den Kids zu zeigen, dass wir da sind.“ Der persönliche Kontakt sei doch anders als über Whatsapp und Instagram. 

Während sich bei den Jüngeren eine zunehmende Verunsicherung bemerkbar mache, hätten die älteren Jugendhausbesucher in Sachen Corona „unheimlich viel Gesprächsbedarf“. Beim Lernstoff, Hausaufgaben sowie der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen sei vermehrt Hilfe gefragt. Generell findet sie: „Corona erschwert die Zukunftsperspektiven der Jugendlichen immens.“

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