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Schnelles Internet ist unterwegs

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Männer und Frauen arbeiten vermehrt von zu Hause aus; Schüler sollen am Online-Unterricht teilnehmen. Wer über keine verlässliche Internetverbindung verfügt, braucht in diesen Tagen Nerven wie Drahtseile.

„Erst neulich hat mich eine Bewohnerin im Homeoffice angeschrieben“, erzählt Herbert Rimner, Ortsvorsteher im Dörzbacher Teilort Hohebach. Dort wie in anderen Bereichen des Hohenlohekreises warten Bewohner auf Highspeed-Datenautobahnen. Ihre Kritik: Seit Jahren versprochen, tue sich zu wenig. Dabei sind Fördergelder in Höhe von 15,8 Millionen Euro allein vom Land Baden-Württemberg in den Hohenlohekreis geflossen, damit der Breitbandausbau vorankommt. Die gute Nachricht: Es tut sich was. 

„Menschen leiden, die Infrastruktur leidet, Firmen leiden“, sagt Peter Wölfle. Er leitet das Technische Amt im Dörzbacher Rathaus und kennt die Kritik. „Die Bürger fragen uns: Was tut ihr?“ Seit zehn Jahre beschäftige er sich mit dem Thema, vom Landrat bis zu den Landtagsabgeordneten hole man alle Beteiligten mit ins Boot, um die Bewohner endlich ans schnelle Internet anzuschließen.

Bewilligungsbescheid

Bis ein Antrag auf finanzielle Unterstützung von Bund oder Land bewilligt ist, vergeht nach Recherchen dieser Zeitung oft mehr als ein Jahr. Liegt der Bescheid endlich vor, bekommen Kommunen keine Firmen, die die Arbeiten übernehmen. Die einst veranschlagten Kosten steigen derweil. Schnelles Internet zählt längst zur Grundversorgung. Allerdings ist es keine Pflichtaufgabe von Kommunen. Sie springen trotzdem dort in die Bresche, wo private Telekommunikationsunternehmen den Ausbau nicht übernehmen wollen. 

„In Forchtenberg und in Weißbach gibt es seit vielen Jahren zahlreiche Wohn- und Gewerbegebiete, bei denen nur sehr langsame Internetgeschwindigkeiten verfügbar sind“, teilt Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss mit. Dies betrifft ihm zufolge knapp 450 private Haushalte und fast 80 Unternehmen in beiden Gemeinden. Sie sollen bis Ende nächsten Jahres mit neuen Glasfaserkabeln versorgt sein. Kosten: etwa 4,5 Millionen Euro. Bund und Land fördern den Ausbau. Die beiden Kommunen tragen einen Eigenanteil von 450 000 Euro.

Millionen

Bretzfeld erhält in den vergangenen Jahren das meiste Geld aus Stuttgart, um dem lahmen Internet im Hohenlohekreis auf die Sprünge zu helfen. Knapp sechs Millionen Euro sind geflossen, allerdings habe die Gemeinde etwa 600 000 Euro davon zurückgegeben, um eine andere, lukrativere Förderung nutzen zu können, erklärt Bauamtsleiter Benjamin Müller. Nun tragen Bund und Land 90 Prozent des Netzausbaus.

Müller hofft, dass der endgültige Bescheid über die öffentlichen Gelder im ersten Quartal 2021 im Rathaus eingeht. Die Vertragsunterzeichnung mit der zu beauftragenden Firma ist anschließend im Grunde nur eine Formsache. Ziel ist es, Glasfaserkabel in den unterversorgten Gebieten in den Ortsteilen Bitzfeld, Waldbach sowie in Geddelsbach und Siebeneich zu verlegen. Handlungsbedarf besteht außerdem im Gewerbegebiet Schwabbach. Jedes Haus müsse angegraben werden, verdeutlicht Müller den Aufwand. Etwa zwei Jahre wird es dauern, bis das Projekt abgeschlossen ist. Ob Teilbereiche bereits früher ans schnelle Internet angeschlossen werden können, ist offen. Müller macht wie seine Kollegen in anderen Rathäusern die Erfahrung. „Die Förderanträge zu stellen, ist ein wahnsinniger Aufwand.“ Wer dazu eine Frage habe und etwa bei der zuständigen Stelle des Bundes nachfrage, erhalte kaum eine Antwort. 

Entnervt sind die Bürger. „Wir haben hier im Heßlachshof halt nur über Funk die Möglichkeit, ins Internet zu kommen, dieses Signal bricht in zehn Minuten sieben Mal ab“, schildert Fritz Bauer die Situation. Ein Youtube-Video anschauen? Dem Online-Unterricht der Schule vom heimischen Computer aus folgen? „Die Verbindung bricht grundsätzlich ab“, sagt ein weiterer Bewohner des zu Dörzbach-Hohebach gehörenden Weilers. Die Leerrohre für Glasfaser liegen aber bereits. In der nächsten Sitzung des Dörzbacher Gemeinderats sollen nun die Arbeiten vergeben werden. Startschuss für das Verlegen von Glasfaserkabel bis zu den Verteilerkästen. Von dort führen dann die alten Kupferleitungen in die einzelnen Haushalte, die bis Ende 2021 Zugang zu den Highspeed-Datenautobahnen bekommen sollen. Weiler wie Heßlachshof sollen bereits Mitte des nächsten Jahres über schnelles Internet verfügen.

Projekte

„Der Breitbandausbau kommt kraftvoll voran – im ganzen Land und gerade auch in und um Heilbronn“, sagt Thomas Strobl, Minister für Inneres und Digitalisierung in Baden-Württemberg. Ohne schnelles Internet funktioniere heute praktisch nichts. Von 2016 bis heute habe das Land deutlich über 2000 Projekte mit mehr als 800 Millionen Euro gefördert. Weitere Mittel für den Netzausbau werden dazukommen, kündigt Strobl an. 

Investitionen stehen auch in Künzelsau an. „Wir haben in der Vergangenheit erheblich in den Breitbandausbau investiert“, sagt Bürgermeister Stefan Neumann. Teilweise seien Glasfaseranschlüsse vorhanden. Gemeinderat und Stadtverwaltung planten im Rahmen des Zukunftspaketes Künzelsau 2030 den Lückenschluss und Glasfaserhausanschlüsse für die Gesamtstadt. Volumen: zirka 40 Millionen Euro.

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