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Unterrichts-App

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Eine Schulklasse sitzt in der Heilbronner Neckartalschule und lernt für die Fahrradprüfung. Nichts daran wäre verwunderlich, hätten die Schüler nicht allesamt ein Tablet in der Hand. Ihre Aufgaben erledigen sie rein digital, mit einer Lernsoftware, die in Heilbronn entwickelt wurde. 

Die Anwendung „eKlassenraum“ soll den digitalen Unterricht in Corona-Zeiten möglich machen. Die Schüler können sie im Klassenzimmer oder zu Hause nutzen, über den Internetbrowser per Tablet, Handy oder Laptop. „Das geht mit älteren Geräten, es muss nicht das Neueste sein“, sagt Waldemar Koch, einer der Entwickler und Geschäftsführer des Startups Concept Hero.

Durch ein Gespräch mit Suse Leder-Neumann vom Förderverein der Neckartalschule kommt Koch auf die Idee, eine Lernsoftware für den Unterricht zu entwickeln. „Es gibt so etwas bisher für Grundschulen und Sonderschulen nicht.“ Zusammen mit einem zehnköpfigen Team entsteht „eKlassenraum“.

Neben dem Stundenplan finden die Schüler auf dem Bildschirm ein Schwarzes Brett und eine Chat-Funktion. Lehrkräfte können Arbeitsblätter abfotografieren, hochladen und Hausaufgaben verteilen. Schüler können mit dem Finger Dinge einkreisen, Fragen beantworten und Aufgaben mit einem Klick abgeben. Je nach Fähigkeiten der Kinder erscheinen nur die wichtigsten Funktionen, Lehrer können weitere freischalten. An der sonderpädagogischen Schule (SBBZ) sei das wichtig, erklärt Rektorin Susanne Kugel: „Wir haben ganz unterschiedliche Niveaus in den Klassen.“

Wenige Wochen

Die Heilbronner Unterrichtsanwendung ist in kurzer Zeit entstanden: Am 5. September trafen Kugel und Koch aufeinander, wenige Wochen später ist die Anwendung im Einsatz. Einige Komponenten konnten die Entwickler aus anderen Apps nutzen, ohne diese Basis wären wohl drei Jahre Arbeit nötig gewesen, sagt Koch. Die Neckartalschule war seit Beginn dabei, fünf weitere Schulen in der Region sind beteiligt. Die Heilbronner Entwickler wollen Schulen in ganz Baden-Württemberg ausstatten. 

Doch die Landesregierung arbeitet an einer eigenen Unterrichtssoftware, der sogenannten „Digitalen Bildungsplattform“. Sie soll aus mehreren Bausteinen bestehen: Der Lernplattform Moodle, der Videokonferenz-Software Big Blue Button, dem Messenger Threema und Microsoft-Office-Programmen wie Word, Excel und Powerpoint. Im Juli meldete Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink jedoch Bedenken an. Es gebe „strukturelle Mängel des Produkts Microsoft Office 365“, ein Abfluss persönlicher Daten in die USA könne nicht ausgeschlossen werden.

Schulversion

Nun soll eine für Schulen abgewandelte Version der Landes-Bildungsplattform an 20 bis 30 beruflichen Schulen erprobt werden. Der Datenschutzbeauftragte beurteilt dabei, ob die Software mit Datenschutz-Gesetzen in Einklang steht. Das könnte allerdings noch bis 2021 dauern. Dabei gäbe es mit „eKlassenraum“ eine Software, bei der laut Koch alle Daten in Deutschland bleiben. Er hofft, dass sie künftig als Alternative für Grund- und Sonderschulen genutzt wird. 

Wie geht es weiter? „Wir warten derzeit ab und hoffen auf Unterstützung aus der Region.“ Er hofft, dass sich Unternehmen, Stiftungen oder andere Geldgeber wie die Stadt Heilbronn zusammentun und die Weiterentwicklung ermöglichen, notfalls ohne Landesförderung. „Denn es geht auch um deren Kinder. Wir wollen etwas Gutes für die Region tun, aus der Region heraus.“ Insgesamt sei eine siebenstellige Summe in das Projekt geflossen, die das Startup bisher in Eigeninitiative stemmt.

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