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Wie Bikinis und Badeanzüge ihren Weg in den Kraichgau fanden

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Ein bunter Wartburg, Baujahr 1965, über und über mit Blumen bemalt – Walter Ulbricht rotiert wahrscheinlich im Grab. Für die Besucher des Bikini-Art-Museums in Bad Rappenau bildet das von dem Künstler René Turrek gestaltete Auto, das direkt am Eingang platziert ist, einen Vorgeschmack auf die Ausstellung. Wie alle Werke des gebürtigen Osnabrückers, zu dessen Kunden Vin Diesel oder Justin Bieber gehören, ist auch diese eine Auftragsarbeit. „Bei der Gestaltung wurde ihm komplett freie Hand gelassen“, erklärt Museumsdirektor Reinhold Weinmann. Wichtig sei dabei vor allem gewesen, Lebensfreude zu vermitteln: Ins Auto setzen, an den Strand fahren und Spaß haben ist das Motto.

Ersteigerung

Der Wartburg wurde extra für diesen Zweck ersteigert und soll auch eine Reminiszenz an den Erfinder des Bikinis, Louis Réard, sein. „Er war ein Marketinggenie, das erkennt man bereits am Namen Bikini“, sagt Weinmann. Denn als das für die damalige Zeit knappe Kleidungsstück der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, testeten die Amerikaner im gleichnamigen Atoll die ersten Atomwaffen. 

Doch in der Ausstellung geht es nicht um Autos, sondern natürlich um Bademode. Mehrere hundert Exponate sind ausgestellt oder warten im Archiv auf ihren großen Moment. Dazu gehört auch ein schwarzer Einteiler mit Spitze, den Marilyn Monroe in den 50er Jahren getragen hat und der dem Sammler-Ehepaar Ghislaine Rayer und Patrice Gaulupeau aus Paris gehört. Die beiden haben dem Museum insgesamt über 400 Teile zur Verfügung gestellt. Bei der Übergabe erzählte Rayer, dass sie und ihr Mann das Stück vor gut vier Jahren bei einer Auktion entdeckt haben. Dass es sich um das Original handelt, da sind sich die Pariser sicher.

Über Ersteigerungen haben viele Teile ihren Weg in die Ausstellung gefunden. Dabei kosten natürlich nicht alle Stücke wie der Monroe-Einteiler gleich mehrere Tausend Euro. „Diesen Badeanzug habe ich durch Zufall auf dem Online-Marktplatz Etsy entdeckt“, sagt Reinhold Weinmann und zeigt auf ein Modell der Marke Goldfisch. Acht Euro habe er dafür bezahlt. Auch auf Ebay werden die Mitarbeiter von Zeit zu Zeit fündig. Dort entdecken sie vor allem Modelle, die schon älter sind. Doch auch aktuelle Teile werden gekauft. „Unser Schwerpunkt liegt dabei auf Südamerika“, erklärt Weinmann. „Dort gibt es seit den 80er Jahren die meisten Neuerungen.“ Auch ganz oben auf der Liste: das New Yorker Kaufhaus Macy's. „Wir erwerben durch die Bank weg aktuelle Bademode.“

Das Museum profitiert aber vor allem von Leihgaben ausgewiesener Experten. Zu ihnen gehört Ursula Templin, die als Bademoden-Designerin für Firmen wie Heinzelmann, Jantzen und Triumph tätig war und in ihrem Fundus viele Badeanzüge und Bikinis hat. Das Unternehmen Triumph, Ende des 19. Jahrhunderts in Heubach gegründet, öffnete sogar seine Archivräume. „Wir durften mitnehmen, was wir wollten“, erinnert sich Reinhold Weinmann, und seine Augen leuchten, während er davon erzählt. Dabei wurde auch der Lizzy-Bikini entdeckt, den die Schauspielerin Elke Sommer 1962 getragen hat. Der gepunktete Zweiteiler wird samt passendem Jäckchen ausgestellt.

Material

Neben den Leihgaben hat das Museum auch viele Stücke geschenkt bekommen. Dazu zählt ein Bikini von Marianne Ertl, den sie 1952 am Attersee getragen hat. Zum Beweis ist neben dem Textil ein Bild zu sehen, dass Ertl in der typischen Pin-Up-Pose der 50er Jahre zeigt. „Der Bikini lag jahrelang gemeinsam mit ihrem Brautkleid in einem Koffer“, erklärt Weinmann. Auch deshalb sehe er fast aus wie neu. Besonders bei sehr alten Stücken sei es schwer, gut erhaltene Teile zu finden. Heute wird Bademode aus elastischen Stoffen hergestellt, früher kamen vor allem Frottee oder Wolle zum Einsatz. Diese Materialien leierten aber sehr schnell aus und wurden dann weggeworfen. 

Die unterschiedlichsten Stoffe nutzte auch das Bad Rappenauer Unternehmen Benger-Ribana. Einige Modelle aus den 50er und 60er Jahren hat das städtische Archiv dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Auch klassische Dachbodenfunde von alteingesessenen Rappenauern befinden sich im Fundus des Bikini-Museums. Dazu gehören auch zahlreiche schwarz-weiß Fotografien, die das 50er Jahre Pin-Up-Modell Bettie Page zeigen. Fotografiert wurde sie von der 2014 verstorbenen Bunny Yeager, die die Bilder signiert hat. „Das sind die einzigen Fotos von Bettie Page, die es mit der Unterschrift der Fotografin gibt“, erzählt Museumsdirektor Weinmann. Und sie gehören dem Museum, sind keine Leihgabe oder Schenkung, sondern gekauft.

Wie Promis in Badekleidung aussehen, hat die bayerische Künstlerin Marille Rüb herausgearbeitet. Donald und Melania Trump kann man genauso bestaunen wie Diana und Charles. Zwar im klassischen Anzug und mit seiner Katze Choupette, aber ebenfalls eine Auftragsarbeit von Marille Rüb, wartet eine lebensgroße Figur des Modedesigners Karl Lagerfeld auf Besucher.

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