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Ungebrochene Lust auf Musikschulunterricht 

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Ein bisschen aufgeregt ist Lionel. Und gespannt auf das gebogene goldene Instrument mit den vielen Klappen. Dass der siebenjährige Zweitklässler aus Neuenstadt Blockflötenerfahrung mitbringt, wird in der Schnupperviertelstunde mit Musikschullehrer Marcel Möhler schnell deutlich. „Er hat das Saxofon letztes Jahr im Mai beim Tag der Offenen Tür kennengelernt und weiß seitdem, dass er es spielen möchte“, versichert sein Papa. 

Schnuppern in Coronazeiten: Auch für Marcel Möhler etwas Neues. Dass Lionels Vater dabei ist, erlaubt kleinere Hilfestellungen, die angesichts der Abstandsregelungen sonst schwierig wären. Nach der Probe wird das Leihinstrument desinfiziert und hat bis zum nächsten Schnupperschüler eine Woche Pause. Lionel darf das Holzplättchen mitnehmen. Aus Hygienegründen ist es für andere nicht mehr zu gebrauchen.

Die Nachfrage steigt

Eine besondere Aktion, die bis 24. Oktober auch an der Musikschule Möckmühl gilt, um Neuanfängern zwischen fünf und 18 Jahren die Entscheidung für ein Instrument zu erleichtern. Per Gutschein können sie kostenlos, aber angemeldet, zwei Instrumente oder Gesang ausprobieren. „Die Aktion ist gut angelaufen“, versichert Musikschulleiterin Monika Horn

Generell stellt Horn weder in Möckmühl mit 650 noch in Neuenstadt mit 600 Schülern sowie 43 Lehrern einen Rückgang fest. Eher im Gegenteil. Auch wenn für Sänger und Bläser nach wie vor zwei Meter Abstand und Abtrennung durch Plexiglas gelte. Die Online-Angebote seien bis auf wenige Ausnahmen zurückgefahren und etwa in Möckmühl die Früherziehung stark nachgefragt. „Wir haben sogar eine zweite Gruppe aufmachen müssen.“

Die Klassen sind voll

Eine Beobachtung, die Musikdirektor Jochen Hennings teilt. Auch in Neckarsulm seien die Früherziehungsklassen voll und Zuwächse etwa bei den Streichern festzustellen. „Es hat nicht abgenommen“, sagt er zu 750 Schülern und 32 Lehrern. „Wir liegen über den Erwartungen, was die Belegungen betrifft.“ Ein Grund für die Musikbegeisterung könnte ausgerechnet Corona sein: „Vielen wird jetzt bewusst, was für einen Wert das Musizieren hat.“

Fünf Prozent der Schüler würden noch online unterrichtet. Die Erfahrungen mit dem alternativen Angebot, das sich die Musikschule schon 2017 in die Satzung geschrieben habe, seien gut. Zugleich räumt er ein: „Ich rechne damit, dass es in den kommenden Monaten wieder steigen wird.“ Nach dem Schnuppertag im Juli soll es ab März eine weitere Auflage geben: Mit Online-Anmeldung im Zeitfenster, „auf Abstand, damit sich die Leute nicht begegnen“. Die Musikschulinstrumente werden desinfiziert. Bei den Bläsern gebe es ein leichter zu reinigendes Plastikmundstück.

Mehr als ein heißes Eisen

„Zu heikel in der derzeitigen Situation“, verwahrt sich Marco Rogalski. Das Schnuppern vor Ort ist für den Leiter der Musikschule Unterer Neckar „mehr als ein heißes Eisen“. Er geht einen anderen Weg. „Wir haben für jedes Instrument einen Youtube-Kanal entwickelt.“ Fast alle der über 40 Lehrer hätten an der Vorstellung alleine oder in Kleinstgruppen mitgemacht. Zudem könnten Interessenten ihr Instrument drei Monate erproben.

Ausstattung aller Lehrer mit iPads, die Musikschul-App für Lehrer, Schüler und Eltern als All-in-one-Paket zu Onlineunterricht, Chats und Videokonferenzen oder der Umzug von Schulkooperationen in Sporthallen sind weitere aus Corona resultierende Maßnahmen. Auf maximal 19 Kinder mit je drei Meter Abstand und eine Lehrkraft seien die Singklassen beschränkt. Auf Percussion habe man in der verpflichtenden Ganztagesschule Hagenbach umgestellt. „Die musikalische Grundausbildung mit der Blockflöte gibt es nicht mehr.“ Stattdessen setzt die Musikschule nun auf Ukulele in Kombination mit Boomhockers und mittelfristig Cajons. 100 Ukulelen seien schon im Einsatz, weitere 300 per Schiff von China unterwegs.

Mit Erfolg und Begeisterung 

„Es läuft: Wir haben die volle Schülerzahl erreicht und suchen händeringend nach neuen Lehrern“, versichert Marco Rogalski. Hatte er zunächst „500 Schüler weniger“ befürchtet, würden die Zahlen von 2019 mit 1700 Schülern bei 2000 Belegungen alles andere als unterschritten. Die Kinder wollten musizieren, gerade in diesen Zeiten: „Die Begeisterung ist größer denn je.“ 

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