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Verunsicherung ist groß

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Die neuen Regeln für das Corona-Risikogebiet Heilbronn treten ab heute in Kraft – und gestern waren die Vorläufer schon sicht- und spürbar. Überraschend viele Menschen liefen um die Mittagszeit mit Maske über den Kiliansplatz und durch die Fußgängerzone – quasi im Vorgriff auf die heute startende Tragepflicht, die auch im Freien in großen Teilen der Innenstadt gilt. 

Weil in der Stadt der sogenannte Inzidenz-Wert von 50 Neuinfektionen an sieben Tagen je 100 000 Einwohner überschritten wurde, hat das Rathaus mit einigen weiteren Verschärfungen reagiert. Feiern in privaten Räumen mit mehr als zehn Personen sind verboten, Ansammlungen von mehr als zehn Personen ohne Anlass im öffentlichen Raum ebenso. In der Bund-Länder-Sitzung beschlossen ist eine Sperrstunde in der Gastronomie ab 23 Uhr, bei Veranstaltungen soll eine Obergrenze von 100 Personen gelten. Das umstrittene Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten wurde vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim wieder gekippt.

In die falsche Richtung

Für Thomas Aurich, den Heilbronner Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, ist die Lage in der Gastronomie bedenklich. Baden-Württemberg habe zwar als einziges Land eine Zusatzförderung für die Branche von 330 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Die Sperrstunde treffe nun aber vor allem die getränkeorientierte Gastronomie hart. Er sieht die Gefahr, dass die Gäste nun ab 23 Uhr mit an Tankstellen gekauften Getränken privat unkontrolliert weiterfeierten.

In Lokalen wären die Menschen stärker unter Kontrolle. „Für uns geht das in die falsche Richtung.“ Wenn diese Sperrstunde über Monate anhalte, sei die Gefahr groß, „dass viele Kollegen dicht machen werden“. Er sieht Versäumnisse in der Politik, nicht rechtzeitig zu agieren – und nennt eine gezielte Förderung und Zertifizierung für effektive Raumfilter als Beispiel. Dadurch hätte man Milliarden Euro für andere Maßnahmen sparen können.

Verunsicherung ist groß

Die Verunsicherung vieler Menschen ist sehr groß. Nelly Nagel, Geschäftsführerin im Heilbronner Lokal Mangold, hat dies sofort nach Bekanntgabe der Corona-Verschärfung erlebt. Sämtliche Reservierungen für das Wochenende im Mangold seien storniert worden. „Die Leute dachten, sie könnten nicht mehr in einer Gruppe zu uns kommen.“ Dabei sei nur die Sperrstunde auf 23 Uhr vorverlegt. „Sonst ändert sich nichts.“ Nach wie vor dürfe man mit bis zu zehn Personen an einem Tisch sitzen. „Und wir werden auch weiter alle Regeln einhalten.“

Wieder neue Vorgaben, wieder neue Verhaltensänderungen. Ob die Maskenpflicht für die Fußgängerzone eine Bremse für den Einzelhandel wird? Stadtinitiative-Vorsitzender Thomas Gauß erwartet das nicht. „Die Kunden haben das Einkaufen mit Maske mittlerweile akzeptiert.“ Er glaubt, dass sich das Kaufverhalten nicht groß ändere. Zumal sich die Infektionszahlen nach offiziellen Statistiken vorrangig über private Treffen erhöhten, Geschäfte dabei keine Rolle spielten. Kunden könnten im Einzelhandel weiter „guten Gewissens einkaufen“.

Kritische Sperrstunde

Bis 1. November gelten die neuen Corona-Regeln der Stadt erst einmal. Was passiert, wenn die 50er-Inzidenzmarke in Heilbronn wieder unterschritten wird? Ist dann alles wie vorher? Suse Bucher-Pinell verneint. In der Regel müsse diese Schwelle für Neuinfektionen „mindestens an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten sein“ für eine Änderung. 

Die neue Sperrstunde für die Gastronomie ab 23 Uhr sieht der Heilbronner OB Harry Mergel kritisch. Er halte dies nicht für eine geeignete Maßnahme. In Gaststätten „halten sich die Menschen überwiegend stärker an Regeln als bei Feiern im vertrauten, privaten Rahmen“. Gastronomin Nelly Nagel sagt, vor allem am Wochenende tue diese frühe Sperrstunde „auf jeden Fall weh“. Es sei die Zeit, in der auch verstärkt Cocktails bestellt werden.

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