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Wer nicht hören will, muss zahlen

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Falsch befüllte Biotonnen bleiben seit Montag stehen und werden zu Restmülltonnen, deren Leerung ab 2021 extra kostet. Zu volle Restmüllbehälter werden separat gebucht und ab Januar ebenfalls eigens abgerechnet. Diesmal gibt es kein Aufschrei aus der Bevölkerung, wie etwa bei der Einführung des Gelben Sacks. Vielmehr erntet die Abfallwirtschaft Hohenlohekreis (AWH) dafür vielfach Bestätigung. „Der Tenor war durchweg positiv“, sagt Nadine Würth, die bei der AWH den Bereich Kommunikation und Service leitet. Nur wenige Bürger hätten sich gemeldet, alle würden die neuen Sanktionen „sehr befürworten“.

Jede dritte Tonne falsch befüllt

Auch Leser, die nach dem Bericht am Freitag die Hohenloher Zeitung kontaktiert haben, stärken der AWH den Rücken. So etwa Elke Lutz aus Niedernhall: „Das über den Geldbeutel zu sanktionieren, ist nur gerecht und der einzig machbare Weg.“ Die sogenannten „Fehlwürfe“ bei den Biotonnen würde sie „einfach als Faulheit“ bezeichnen. Sie verweist auf die Ergebnisse der groß angelegten Kontrollaktion von Januar bis Mai 2018, wonach diese meist in Mehrfamilienhäusern vorkommen und weniger bis gar nicht in Einfamilienhäusern. Die Untersuchung hatte außerdem ergeben, dass die Probleme im städtischen Wohnumfeld größer sind als in ländlichen Gebieten. „Das wird wohl auch künftig so sein“, so Lutz. Nur: „Wie soll das in einem Block kontrolliert werden? Da wäre der Hausmeister zuständig und holt sich eventuell noch eine blutige Nase.“ Deshalb führten nur kostenpflichtige Sonderleerungen dazu, das Verhalten von Müllsündern zu ändern. 

Nach aktueller Einschätzung der Abfallwirtschaft sei in städtischen Gebieten jede zweite bis dritte Biotonne falsch befüllt, so Geschäftsführer Sebastian Damm. In ländlichen Wohngegenden sei nur jede siebte bis achte Tonne betroffen.

Zu oberflächlich

HZ -Leser Joachim Ruck aus Jagstberg wird in seinem Statement noch grundsätzlicher. Er ist überzeugt: Nur durch eine gute Erziehung und Ausbildung würden die Menschen zu ordentlichen Mülltrennern. Kontrollen oder Sanktionen seien nicht mehr als „oberflächlicher Aktionismus“. Ruck weiter: „Der Umgang mit Müll passt nicht in unser modernes, fortschrittliches Leben. Niemand will mit Müll zu tun haben. Hauptsache weg: egal ob schwarzer, brauner, blauer Eimer oder gelber Sack.“ Man zahle dafür ja schließlich Gebühren, so die Denke, und: „Sollen doch die anderen machen. Das kann doch kein Problem sein, wenn ich mal einen Fehlwurf mache.“ Bei sich selbst anzufangen und die persönliche Verantwortung ernst zu nehmen: Nur ein solches „Mea Culpa“ helfe weiter.

AWH-Chef Sebastian Damm wertet die Fehlwürfe als „Begleiterscheinungen des gesellschaftlichen Lebens“. Konsum werde vielfach gelebt, ohne sich der Konsequenz bewusst zu sein, dass dadurch Müll entstehe, der teuer entsorgt werden müsse. Die dahinter stehende Haltung sei eine Mischung aus „Ignoranz, Bequemlichkeit und Unwissenheit“. Wie vermeide ich Müll und wie verwerte ich ihn wieder? Das müsse noch viel stärker in die Köpfe. Und: „Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn die Qualität stimmt.“

Verschärfte Kontrollen

Die AWH will die Sanktionen vorerst mit dem bestehenden Personal und Material umsetzen. Sollten sie nicht greifen, stellt Sebastian Damm in Aussicht, die Kontrollen zu verschärfen und statt der Sichtprüfungen spezielle Detektoren einzusetzen, um falsch befüllte Biotonnen auszusieben. Zu volle Restmülltonnen erkennen Müllwerker sofort. Was ist, wenn Fremde ihren Müll in ordentlich befüllte Behälter schmeißen? Verantwortlich für den Inhalt sei der Tonnenhalter, so die AWH. Sie empfiehlt, diese dann mal früher, später oder woanders zu platzieren oder Tonnenschlösser zu verwenden. rei

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