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Nach dem Studium ist mitten in der Pandemie

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Das Bachelor-Studium ist geschafft – juchhu! Aber was kommt jetzt? Diese Frage ist schon zu normalen Zeiten für so manchen Studierenden nicht einfach zu beantworten. In der Corona-Pandemie kommt auf die Absolventen noch mehr Unsicherheit zu. In vielen Branchen wie im Hotel- und Gastgewerbe hinterlässt Corona tiefe Wunden, Unternehmen fehlt die Planungssicherheit, bei manchen Bildungseinrichtungen schnellen Master-Bewerbungen in die Höhe. Drei Hochschulabsolventen erzählen, für welchen Weg sie sich entschieden haben. 

Alternative

Für Maximilian Scholer stand nach dem dualen Bachelor im Bereich Maschinenbau fest: Er möchte weiter in der Praxis tätig sein. Aber: „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Situation immer noch angespannt“, erzählt er. Sein dualer Partner in Heilbronn, Thyssenkrupp, garantiert zwar die Übernahme nach der Ausbildung für ein Jahr, doch Scholer will längerfristiger planen.

Da hört er von einem Programm des Centers for Advanced Studies (CAS) der DHBW Heilbronn, dem dualen Master Trainee. „Unterm Strich ist es ähnlich wie ein dualer Master, nur dass man keinen festen Arbeitsvertrag plus ein Jahr Berufserfahrung braucht“, erklärt der 24-Jährige.  Für beide Seiten, betont er, sei das ideal. Das Unternehmen könne ihn als qualifizierte Arbeitskraft weiter behalten, zahlt die reguläre Trainee-Vergütung und übernimmt die Kosten für das Studium. Für Scholer bedeute es zwei Jahre mehr Berufserfahrung, Gehalt und einen Master-Abschluss. „Es ist eine schnelllebige Zeit, auch für Unternehmen. Viele sind froh, wenn sie Fachkräfte auf längere Zeit an das Unternehmen binden können. So bietet der duale Master Trainee allen Beteiligten Vorteile“, sagt Scholer.

Bei Richard Jenitschek sah die Zeit nach dem Bachelor-Studium dagegen erst einmal düster aus. Bewerben bis zum Umfallen hieß die Devise. An der Hochschule Heilbronn studierte der 29-Jährige Hotel- und Restaurantmanagement. Im Mai 2020 wird er fertig, mitten in der Lockdown-Zeit. Seine Branche steht vor großen Herausforderungen und vor allem während der Kurzarbeitsphase ist an Neueinstellungen vielerorts nicht zu denken. „Es hat Absagen gehagelt ohne Ende“, erzählt Jenitschek.

Schließlich bekommt er einen Jahresvertrag bei einem Hotel in München angeboten, doch auch dieses Glück hält nicht lange. Etwas kommt ihm komisch vor an dem Unternehmen und auf eine Nachfrage zu Vertragsdetails „wurde mir mitgeteilt, dass der Bewerbungsprozess eingestellt wurde.“ Dann, durch „puren Zufall“, wird ein Familienbetrieb in Österreich auf ihn aufmerksam, im Dezember unterschreibt er den Arbeitsvertrag. Wegen des Lockdowns im Nachbarland wird sein Startdatum aber immer weiter nach hinten verschoben, im April soll es jetzt endlich losgehen – vorerst mit einer geringfügigen Beschäftigung. Richard Jenitschek wirkt wie ein fröhlicher, optimistischer Mensch. Trotzdem sagt er: „Irgendwann ging das richtig an die Psyche, wenn auf Bewerbungen jedes Mal entweder Absagen oder gar keine Antwort kommen. Da fragt man sich irgendwann, für was man noch aufsteht.“

Zeit überbrücken

Sophia Freiin von Beust hat sich für ein Master-Studium entschieden, den Bachelor hat sie im selben Studiengang wie Jenitschek absolviert. Dass es in ihrer Branche momentan nicht rosig aussieht, habe in die Entscheidung hineingespielt, „aber es war mir eigentlich auch so klar, dass ich einen Master machen möchte“. Die 22-Jährige hofft, dass sich das Gastro- und Hotelgewerbe während des zweijährigen Studiums erholt. Sie bedauert, dass es für Studierende derzeit schwer ist, mit Nebenjobs wie im Restaurant Geld zu verdienen. Sie selbst würde gerne an ihren neuen Studienort, Innsbruck, ziehen, lebt aber erst einmal wieder bei den Eltern. „Ich wünsche mir das normale Studentenleben zurück.“

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