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Sollte das Abitur dieses Jahr ausfallen?

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Die Osterfeiertage sind vorbei. Damit beginnt die spannende letzte Vorbereitungszeit für die Abiturienten. Im Mai, so der Plan, sollen die ersten Prüfungen in Baden-Württemberg starten. Oder etwa doch nicht? Geht es nach der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, fällt das Abitur im Corona-Jahr aus. „Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Eine Forderung, der sich in der Region niemand anschließt.

Marco Haaf, Schulleiter vom Albert-Schweitzer-Gymnasium Neckarsulm und Sprecher der Direktorenvereinigung Nord-Württemberg sagt: „Das zeigt, wie weit die GEW inzwischen von den Gymnasien weg ist.“ Er findet: „Die Schüler haben ein Anrecht auf eine ordentliche Prüfung, völlig egal, wie der Stand der Pandemie ist.“ Im Sinne der Schüler ist Haaf sicher: „Wir kriegen das hin.“ Das mache mehr Arbeit, es brauche mehr Räume und vorherige Schnelltests. Aber er ist sicher: „Das geht“. Im vergangenen Frühjahr habe er auch eine Schülerin gehabt, die während der Prüfungen in Quarantäne war. Er setzt auf Vermeidung. Und so werden die Schüler vor dem Abitur kaum an der Schule sein. So habe man sich auch im Stadt- und Landkreis Heilbronn verständigt, wenngleich es in Nuancen Unterschiede geben könne.

Vorbereitet

Auch Frank Schuhmacher, Schulleiter vom Hohenlohe-Gymnasium Öhringen „hält einfach nichts davon“. Man müsse das Abitur gut planen, große Räume, wenig Schüler, im Zweifel Prüfungen mit Maske. „Dann ist das durchziehbar.“ Immerhin mache das Abitur ein Drittel der Abschlussnote aus. Auch mit Blick auf die Vorbereitungszeit ist Schuhmacher sicher, dass die Schüler sogar individueller und zielgerichteter vorbereitet seien. Zusammen mit dem Plus, dass die Lehrer mehr Auswahlmöglichkeiten aus den Prüfungsaufgaben und die Schüler eine etwas längere Bearbeitungszeit haben, sollte das Abitur 2021 machbar sein. Schuhmacher wirft den Blick in die Zukunft: „Die Vergleichbarkeit der Noten muss europaweit gegeben sein“, denkt er an die Bewerbungen für Studienfächer. 

Chance

Nicht nur Schuhmacher ist der Meinung, dass man sich die Diskussion um steigende Zahlen und die Abschlussprüfungen nun schenken könne, hätte man vor Ostern nicht auf Gedeih und Verderb die Schüler und Kindergartenkinder in die Einrichtungen zurückgeholt. Auch seitens der Eltern stößt der GEW-Vorschlag auf wenig Gegenliebe. „Vier Wochen vor den ersten Abiturprüfungen und in die laufenden Prüfungsvorbereitungen hinein, sorgt solch ein Vorschlag eher für Verunsicherung unter den Prüflingen“, kritisiert Christoph Eberlein, Vorsitzender des Heilbronner Gesamtelternbeirats. Eine Prüfung wird seiner Meinung nach dadurch auch als Strafe begriffen. „Prüfungen sind aber doch auch Chancen“, sagt Eberlein. Man sollte Prüflinge stärken und als Gewerkschaft sagen, wir bereiten unsere Schüler bestmöglich vor. „Abiturienten haben es verdient, dass das Abi 2021 nicht als Corona-Abi aufgefasst wird“, sagt Eberlein. Das Abitur schließe immerhin eine zwölf- oder dreizehnjährige Schullaufbahn ab. Außerdem wurden in anderen Bundesländern bereits erste Abiprüfungen geschrieben, blickt er über die Landesgrenze. 

Auch Michael Mattig-Gerlach, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft an Gymnasien hält von der GEW-Idee „eigentlich nichts“. Da beim Land aber nur die Parole „Lüften“ ausgegeben, sonst aber nichts getan werde, um Schulen sicherer zu machen, könnte es demnächst dazu keine Alternative geben: „Es ist ein andauernder Skandal, dass das Land wie das Kaninchen vor der Schlange der Inzidenzzahlen hockt und seit mehr als einem Jahr nur die Alternative kennt, Schulen öffnen oder schließen.“ Auch der Deutsche Lehrerverband lehnte die Forderung der GEW ab, die es so schon im letzten Jahr gegeben habe. Im Nachhinein sei es absolut richtig gewesen, dass die Bundesländer dieser Forderung nicht folgten, sagte Sprecher Peter Meidinger am Dienstag.

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