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Sie hofft auf Veränderungen

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Wie soll denn Liebe Sünde sein? Das widerspricht ja allem, was das Evangelium uns lehrt“, sagt die 21-jährige Kira Beer. Die Katholikin ist enttäuscht und auch ziemlich sauer darüber, was zuletzt als Mitteilung aus dem Vatikan kam: Die Glaubenskongregation hat den Bestrebungen, Segnungen für homosexuelle Partnerschaften einzuführen, eine Absage erteilt.

Regenbogenflagge

Das kann und will die katholische Theologiestudentin so nicht hinnehmen. Deshalb folgte die junge Frau einem Aufruf des Bunds der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Der BDKJ ermunterte dazu, die Regenbogenflagge an Kirchenmasten zu hissen. Gemeinsam mit Leonie Klier hisst sie am Palmsonntagswochenende vor der katholischen Kirche in Pfedelbach das bunte Zeichen für Vielfalt. Beide sind Oberministrantin in der katholischen Kirchengemeinde. Kira erklärt warum: „Ich halte die Ansage des Vatikans, homosexuelle Paare nicht segnen zu können, für diskriminierend.“ Sie weiß, dass an jenem Wochenende auch in anderen Kirchengemeinden in ganz Deutschland und eben auch im katholischen Dekanat Hohenlohe Regenbogenfahnen im Wind flatterten. Die engagierte junge Frau weiß aber auch von zumindest einer Kirchengemeinde im hiesigen Dekanat, in der der Ortspfarrer das Flagge zeigen verboten hat. Sie findet es schade, dass der Priester dort „nicht in den Dialog ging“.

Glaube

Von konservativer Haltung in ihrer Kirche mag Kira sich indes nicht entmutigen lassen. Das zeigt ihre Biographie. Im Alter von 15 Jahren, als sie zur Firmung ging, habe sie so richtig zum Glauben gefunden. Religiöse Themen hatten sie schon immer interessiert, „aber spätestens seit ich hier in der Kirchengemeinde war, ist mein Glaube ein superintensiver Teil meines Lebens geworden. Mir hat es so gut getan, im Gottesdienst zu sein. Es hat mir so viel Freude bereitet und Kraft gegeben.“ Wenn die Tübinger Studentin auf Heimatbesuch ist, engagiert sie sich hier auch heute noch ehrenamtlich – nicht nur als Ministrantin, sondern auch als Kantorin und in Waldenburg auch als Mitorganisatorin der Sternsingeraktion.

Instagram

Über ihren tiefen Glauben spricht Kira Beer auch gerne via Instagram. Sie hat mittlerweile fast 3000 Follower und lässt diese gerne an ihren Gedanken teilhaben. Ziel von Beers Studium ist es, später einmal Gemeindearbeit zu machen, um dort Menschen zu begleiten. „Da ich eine Frau bin, wird es darauf hinaus laufen, dass ich Pastoralreferentin werde“, sagt sie. Wenn Beer sich über die Sozialen Medien zu Wort meldet, dann schreibt sie darüber, wie es ihr mit Gott und mit der Kirche geht. Manchmal veröffentlicht sie Gebete und geizt auch nicht mit Kritik an ihrer Kirche. „Kann sein, dass mir das irgendwann auf die Füße fällt“, sagt sie. Im Moment sieht es aber nicht danach aus. Sogar Weihbischof Thomas Maria Renz von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist mittlerweile auf Beer aufmerksam geworden. Daraus hervor ging ein Livestream-Angebot der Diözese: Der Weihbischof und die Influencerin treffen sich seit Dezember einmal im Monat online zu „Ned gelabert – der Talk“. Überhaupt ist Kira Beer mittlerweile sehr gefragt. Immer wieder trudeln bei der jungen Frau Interviewanfragen ein. In der Arte-Dokumentation „Konflikt unterm Kreuz“ kam sie zu Wort. In der ZDF-Sendung „sonntags“ gab es ein Porträt über die Studentin, als das Thema „Pro und Contra Kirchenaustritt“ im Mittelpunkt der Sendung stand.

Kraft

Ein Kirchenaustritt kommt für Kira Beer bei allem Ärger, der sie manchmal umtreibt, nicht in Frage. „Wenn viele jetzt rausgehen, weil Rom gerade wieder einen Hammer raus gehauen hat, dann werden wir zu wenige“, denkt sie. Aus ihrer Gottesbeziehung schöpft Kira Beer Kraft für ihr Leben. Die 21-Jährige sagt: „Das, was mir Hoffnung gibt, ist die Tatsache, dass ich nicht allein bin. Es ist doch wahrscheinlich die Mehrheit der Gläubigen, die sich ähnliche Veränderungen wünschen. Und ich habe auch die Hoffnung, dass unsere Kirche ein Ort ist, an dem alle gemeinsam – unabhängig von Faktoren wie Geschlecht oder sexueller Orientierung – Gott suchen und feiern.“

 

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