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Einen Planeten B gibt es nicht

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Beate Erhardt scheint mit ihrem Fahrrad verwachsen zu sein. „Ich versuche, so viel wie möglich mit dem Rad zu erledigen“, stimmt die Heilbronnerin mit einem Lächeln zu. In ihren beiden Satteltaschen könne sie problemlos die Dinge des täglichen Bedarfs transportieren. Ein Auto benötige sie deshalb nicht. Bisheriger Höhepunkt der Leidenschaft für den Drahtesel: „2019 haben wir eine mehrtägige Reise entlang des Kocher-Jagst-Radwegs unternommen – mit Übernachtungen. "Das war herrlich.“ Wer sich mit Beate Erhardt unterhält, stellt schnell fest, wie sehr ihr die umweltfreundliche Fortbewegung am Herzen liegt. Doch nicht nur das: „Mir fällt in vielerlei Hinsicht auf, was in Sachen Klimaschutz zu tun ist“, so Erhardt. Für die Horkheimerin ist es keine Frage des Könnens oder Wollens – es sei ein Muss, dass etwas passiert. Nicht zuletzt aus dieser Überzeugung heraus beteiligte sie sich in den vergangenen Monaten am Projekt „Bürgerforum für ein besseres Klima in Heilbronn“ der Lokalen Agenda 21 sowie der Volkshochschule Heilbronn.

Einsatz für die Umwelt

Soweit die Corona-Pandemie es im vergangenen Jahr zuließ, trafen sich elf Bürger zum Austausch über die Möglichkeiten, den persönlichen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, sowie erforderliche kommunalpolitsche Rahmenbedingungen zu benennen. „Wir alle sind persönlich als Verursacher und Betroffene mittendrin“, erklärt Projektsprecherin Ellen Keifer. „Wir müssen daher mithelfen, die Ursachen des Klimawandels, die CO2-Emissionen in den nächsten zwei Jahrzehnten drastisch zu senken.“ Herausgekommen ist ein „Zwölf-Punkte-Plan für ein klimafreundlicheres Heilbronn“, mit, wie es Keifer beschreibt, „niederschwelligen und verständlichen Anregungen“ für Jedermann. Gleichzeitig soll der Ergebnisbericht den kommunalpolitischen Masterplan Klimaschutz und das Klimaanpassungskonzept Heilbronn von der persönlichen, bürgerschaftlichen Seite ergänzen.

Auch Esen Karaali hat ihr Wissen in den „Zwölf-Punkte-Plan“ eingebracht. Der Fokus der 42-Jährigen liegt besonders auf der Ernährung. Auslöser für das Umdenken von Esen Karaali war die Erkrankung ihrer Tochter. Seither baut sie in ihrem Garten im Bad Friedrichshaller Stadtteil Jagstfeld das gesamte Jahr über Obst und Gemüse an. „Seit drei Jahren bin ich offiziell Selbstversorgerin“, erzählt Karaali nicht ganz ohne Stolz. Die Körperwerte ihrer Tochter seien mit dem Umstieg auf ungespritztes Bio-Gemüse aus dem eigenen Garten deutlich besser geworden. Sie schwört insbesondere auf den „Sieben-Kräuter-Salat“.

Esen Karaali ist sich aber ebenfalls bewusst, dass sich viele Menschen keinen eigenen Garten leisten könnten. Sie fordert deshalb beispielsweise von der Politik und Stadtverwaltung, Flächen für Urban Gardening einzurichten. Damit bezeichnet man seit ein paar Jahren die kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Wohnsiedlungen. Das Konzept des Bürgerforums sieht vor, diese Gemüsebeete von Sozialprojekten begleiten zu lassen. Die Idee ist es auch, sogenannte Klimalotsen oder -botschafter auszubilden, die Gedanken und Ideen des Bürgerforums zukünftig weitertragen.

Dass die Sonne keine Rechnung über die Nutzung ihrer Sonnenstrahlen ausstellt, haben bereits viele Hauseigentümer festgestellt. Ein Blick aus der Luft zeigt, auf wie vielen Dächern sich Photovoltaikanlagen befinden. So auch im Heilbronner Stadtteil Böckingen bei Stefan Hatos. „In den Sommermonaten, von April bis September, bin ich, was die Stromversorgung betrifft, so gut wie autark“, erklärt der 43-Jährige. Über das gesamte Jahr gerechnet erzeugt der zweifache Familienvater zwei Drittel seines Stroms aus Sonnenlicht – geräuschlos, ohne umweltschädliche Immissionen. Neuste Errungenschaft: ein Balkonkraftwerk. Das klingt spektakulärer, als es am Ende ist: „Es ist im Grunde eine Mini-Solaranlage, die mit einem Stecker an das Stromnetz von Haus oder Wohnung angeschlossen wird“, erklärt Hatos. „Der produzierte Strom kann unmittelbar für den eigenen Bedarf genutzt werden.“

Vorbilder

Stefan Hatos möchte mit gutem Beispiel vorangehen und dabei „nicht nur zeigen, dass es gut funktioniert, sondern Spaß machen kann und langfristig sogar Geld einspart“. Wie die meisten Klimaschützer beschreibt er, kein Gefühl des Verzichts zu empfinden. „Im Gegenteil, ich bewege mich mehr, lebe gesünder, fühle mich besser und erfreue mich am selbstgemachten Strom und dem elektrischen Fahren“, stellt der Böckinger fest, der neben einem E-Bike seit einem Jahr auch ein Elektroauto besitzt.

In einem Punkt sind sich Beate Erhardt, Esen Karaali und Stefan Hatos einig: Es bedarf einer stärkeren politischen Gestaltung des Klimaschutzes. „Politik und Industrie sind die entscheidenden Faktoren“, stellt Hatos fest. „Sie haben die weitaus größeren Hebel, um die drohende Umweltkatastrophe zu verhindern.“ Ziel des Projektteams des „Zwölf-Punkte-Plans“ ist es jetzt weitere Mitstreiter für seine Ideen zu finden. „Wir stehen im Austausch mit verschiedenen Institutionen oder aber auch Firmen, die positiv auf unseren Plan B zum Ausbremsen des Klimawandels reagieren“, freut sich Sprecherin Ellen Keifer. Erste Kooperationen seien in der Planung.

 

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