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Wer jetzt als enge Kontaktperson gilt

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Wer ist eine enge Corona-Kontaktperson? Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Kriterien seit Anfang des Monats strenger gefasst – mit weitreichenden Folgen. Für eine mögliche Quarantäne genügt jetzt unter Umständen ein flüchtiges persönliches Gespräch mit einem Infizierten. Auf die Behörden in der Region kommt mehr Arbeit zu. Das Heilbronner Gesundheitsamt kündigt an, man werde die Regeln „mit gesundem Menschenverstand“ anwenden. 

Neufassung

Längere Listen potenzieller Kontaktpersonen bei jedem Corona-Infizierten, mehr Personalbedarf: Damit rechnet das Landratsamt Heilbronn, nachdem das RKI zum Monatswechsel die Definition für das sogenannte Kontaktpersonenmanagement geändert hat. Und mancher wird sich wundern, warum er Post von der Behörde bekommt, verbunden mit der Anordnung einer Quarantäne von 14 Tagen.

Nach der Neudefinition genügt nun ein Gespräch mit einem Corona-Infizierten, unabhängig von der Dauer – falls nicht beide durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Wer länger als zehn Minuten und ohne Schutz einem Infizierten näher als 1,5 Meter ist, wird ebenfalls als enge Kontaktperson eingestuft. Und: Unter Umständen reicht schon der Aufenthalt von mehr als zehn Minuten in einem Raum, obwohl der Sicherheitsabstand eingehalten und Masken getragen werden. Im Raum ist nämlich eine höhere Konzentration infektiöser Aerosole wahrscheinlich, vor allem, wenn nicht gelüftet wurde.

Kategorien fallen weg

Der Paketbote klingelt an der Tür, man öffnet ohne Maske, es folgt ein Wortwechsel von wenigen Sekunden – nach der neuen Definition wäre die Bedingung für einen engen Kontakt erfüllt. Peter Liebert geht trotzdem davon aus, dass nicht jedes kurze Gespräch im Freien über eine Distanz von mehreren Metern gleich den Quarantäne-Fall auslöst. Man müsse sich den Einzelfall anschauen, betont der Leiter des Heilbronner Gesundheitsamts und mahnt zur Sorgfalt beim Maskentragen. Wer etwa ein Paket in Empfang nimmt, solle daran denken, den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. 
Die Latte liegt also deutlich niedriger als bisher. Wer sich weniger als 15 Minuten „face to face“ mit einer infizierten Person unterhalten hat, wurde bisher als Kontakt der Kategorie 2 geführt und musste nicht in Quarantäne. Die Einteilung in Kategorie 1 und 2 entfällt komplett. „Es gibt nunmehr nur die Kategorie für enge Kontaktpersonen, wobei die Kriterien im Vergleich zu den bisherigen Kontaktpersonen der Kategorie 1 verschärft werden“, bestätigt das RKI auf Nachfrage.

„Man muss sich den Einzelfall anschauen.“ - Amtsleiter Peter Liebert

Fragebogen

Das Institut verweist darauf, „die Entscheidung über eine Einstufung als Kontaktperson und Quarantänemaßnahmen“ sei Sache des Gesundheitsamtes. In der Praxis setzen die Behörden die Empfehlungen aus Berlin um. Im Fragebogen, den das Landratsamt Heilbronn an positiv Getestete verschickt und der unserer Redaktion vorliegt, sind die oben genannten Kriterien nach neuer Definition aufgeführt und mit dem Hinweis „Quarantänepflicht“ versehen. Infizierte sind dazu verpflichtet, ihre Kontaktpersonen der letzten 48 Stunden vor dem Testdatum oder vor Symptombeginn zu nennen.

Die Kreisbehörde erwartet, dass sich die Änderungen erst im Laufe der Woche bemerkbar machen werden. Am Wochenende haben die Behörden-Mitarbeiter demnach rund 200 Personen mit positivem PCR-Test kontaktiert. Sie werden gebeten, Listen mit ihren Kontakten zur Verfügung zu stellen. Auch das Landratsamt im Hohenlohekreis rechnet aufgrund der Neudefinition mit einer steigenden Anzahl der Kontaktpersonen. „Bisher ist diese Entwicklung noch nicht erkennbar“, heißt es dort.

Umstritten

Die Behörden in der Region begrüßen die Verschärfung im Kampf gegen ansteckendere Mutationen. In sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. Manchen gehen die Bestimmungen indes immer noch nicht weit genug. So berichtet ein Leser (Name ist der Redaktion bekannt) von einem Heilbronner Unternehmen. Dort hätten sich alle an die Regeln gehalten, trotzdem sei es kürzlich zu mehreren Corona-Fällen gekommen. Das Gesundheitsamt habe keinen der nicht-infizierten Kollegen in Quarantäne geschickt, kritisiert der Leser: „Obwohl das bestehende Hygienekonzept offensichtlich versagt hat.“ 



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