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„Die Erkrankung ist schwerwiegender als die Impfung“

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Viele Menschen tun sich bei der Entscheidung, ob sie sich gegen Covid-19 impfen lassen sollen, schwer. Dr. Thorsten Tempelfeld liegen deshalb die Aufklärung und Beratung über die Schutzimpfung und ihre Wirkungsweise besonders am Herzen. „Die Wissenschaft macht täglich neue Fortschritte. Es gibt viele Grauzonen in der Aufklärung über die Impfung, deshalb betreiben wir selbst auch sehr viel Aufklärungsarbeit in unserer Praxis“,  sagt der Internist aus Zaberfeld.   

Welche Nebenwirkungen sind bei der Corona-Impfung möglich?

THORSTEN TEMPELFELD: In den meisten Fällen treten nur leichte bis moderate Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber, Erkältungserscheinungen, Gliederschmerzen oder Schmerzen an der Einstichstelle mit leichter Rötung auf. In unserer Praxis gab es noch keine Patienten, bei denen mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen wie Hirnvenenthrombose oder Herzmuskelentzündungen aufgetreten sind.

Wann besteht ein erhöhtes Risiko, dass Nebenwirkungen auftreten?

TEMPELFELD: Bis jetzt ist ungewiss, warum Nebenwirkungen auftreten. Bei schweren Nebenwirkungen wie der Hirnvenenthrombose liegt meistens eine Vorerkrankung des Immunsystems vor, die aber ohne eine Impfung auch zu einem sehr schweren Verlauf bei einer Erkrankung führen könnte. Das Risiko, eine Nebenwirkung durch die Impfung zu bekommen, ist um ein Vielfaches geringer als bei einer Erkrankung. Ebenfalls ist es wahrscheinlicher, schwere Verläufe oder Langzeitfolgen durch die Corona-Infektion zu erleiden, als durch eine Impfung.

Welche Langzeitfolgen gibt es?

TEMPELFELD: Unter Langzeitfolgen versteht man eher so etwas wie das Long Covid Syndrom, die Langzeitfolge der Erkrankung. Bei der Corona-Impfung sind bislang keine Langzeitfolgen bekannt. Wenn Nebenwirkungen später auffallen, hängt das oft damit zusammen, dass weniger geimpft wird. Es kann dann sogar mehrere Jahre dauern einen Zusammenhang zu sehen, weil vorher zu wenig Daten darauf hindeuten. Man erkrankt zwar direkt nach der Impfung, aber die Zusammenhänge sind erst später zu sehen. Impfen kann aber gegen Langzeitfolgen der Erkrankung schützen.

Wie wirksam sind die Impfstoffe?
TEMPELFELD: Für aktuelle Varianten, Omikron ausgeschlossen, sind die Impfstoffe mit einem Wirkungsgrad über 90 Prozent extrem gut und damit auch besser als jeder Grippeimpfstoff, der mit einem Wirkungsgrad der letzten Jahre zwischen 30 und 60 Prozent wesentlich schlechter abschneidet. Allgemein ist die Ansprechrate auch sehr gut, und durch die Impfung können schwere Verläufe, aber auch Langzeitfolgen wie Geruchs- und Geschmacksverlust, der bis zu einem Jahr oder sogar länger anhalten kann, definitiv reduziert werden.

Wie gut sind die Impfstoffe mittlerweile erforscht?

TEMPELFELD: In etwa einem Jahr wurden rund acht Milliarden Impfdosen der Corona-Impfstoffe verimpft. Das bedeutet wiederum, dass noch nie in der gesamten Menschheitsgeschichte so schnell so viele Daten zu einer Gruppe von Impfstoffen zusammengetragen wurden. Die Impfstoffe gegen das Corona-Virus sind damit die am besten erforschtesten Impfstoffe weltweit und sind immer noch Gegenstand intensiver Forschung.

„Ich vertraue lieber meinem Immunsystem“: Dieses Argument bringen junge Menschen gerne an, wenn sie sich nicht impfen lassen wollen. Was ist davon zu halten? 

TEMPELFELD: Das Immunsystem kann bei jungen Menschen viel reißen, daher haben sie tendenziell auch milde Verläufe. Trotzdem können eventuell bis dahin unentdeckte Vorerkrankungen hier zu einem schweren Verlauf führen. Die Corona-Schutzimpfung dient also als Unterstützung des Immunsystems und lässt es dadurch sicherer arbeiten. Sie vermindert somit das Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf.

Müssen wir damit rechnen, uns alle paar Monate impfen zu lassen?

TEMPELFELD: Darüber gibt es bisher keine genauen Informationen. Es ist aber durchaus möglich, dass die Impfung regelmäßig aufgefrischt werden muss. In welchem Zeitraum diese Auffrischungen erfolgen müssen, ist noch nicht absehbar, ist aber bereits Gegenstand der Forschung. Es wird vermutet, dass der Zeitraum zwischen den Impfungen irgendwann deutlich ausgedehnt werden kann, wie bei der FSME- oder der Tetanus-Impfung. Die Anzahl der Antikörper, die der Körper nach der Booster-Impfung produziert hat, spielen unter anderem eine Rolle bei der Länge der Abstände der Auffrischimpfung.

Sollten sich Menschen mit einem geschwächten Immunsystem impfen lassen, etwa nach einer Borreliose?

TEMPELFELD: Definitiv. Wobei man hier damit rechnen muss, dass die Impfung in solchen Fällen schlechter ansprechen wird als mit einem völlig intakten Immunsystem. Bei einer Erkrankung ohne Impfung ist dann natürlich auch das Risiko eines schweren Verlaufes mit Langzeitfolgen höher. Der Schutz davor kann durch mehrfache Stimulierung des geschwächten Immunsystems durch die Impfung erfolgen.

Geben geimpfte und ungeimpfte Menschen das Virus gleichermaßen an andere weiter? 

TEMPELFELD: Es gibt Studien, die bei Geimpften eine verminderte Übertragung bei einer erhöhten Viruslast feststellen konnten. Darüber gibt es aber noch keine validen Daten. Die erhöhte Viruslast muss aber nicht unbedingt etwas mit einer erhöhten Übertragung zu tun haben. Es kann durchaus sein, dass das Virus zwar noch nachweisbar, aber deutlich weniger übertragbar ist, sobald das Immunsystem angesprungen ist und Antikörper gebildet hat. Bei einer ungeimpften Person ist das Virus aber nicht nur bei erhöhter Viruslast übertragbar.

Können Sie die Menschen verstehen, die Angst vor einer Impfung haben?

TEMPELFELD: Ich verstehe die Ängste eines jeden Einzelnen, dass eine Impfung Probleme machen könnte. Allerdings muss man diesen Menschen auf den Weg mitgeben, dass die Erkrankung wesentlich schwerwiegender ist als die Impfung.        

Sabrina Pfeffer

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