Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

timo_wuerz_k_nigsgepard

Das Beste daraus machen

zurück zur Übersicht

Vor allem die Kunstszene und der Kulturbereich erleben durch den Lockdown erhebliche Einschnitte: Theater sind geschlossen und auch Musiker haben schon seit Monaten keine Auftritte mehr vor Live-Publikum gespielt. Bei einigen freischaffenden Künstlern geht trotz staatlicher Hilfen die Existenzangst um. Timo Wuerz dagegen kann sich in Corona-Zeiten über mangelnde Aufträge nicht beklagen.

Der 47-Jährige ist in Niedernhall aufgewachsen und weit über die Region hinaus als Künstler bekannt. Obwohl es bei ihm gut läuft, macht sich der Wahl-Hamburger über den Kultur- und Kunstbereich in der Corona-Krise so seine Gedanken. „Natürlich fällt auf, dass die Kulturszene so heterogen und unterrepräsentiert ist, dass sie im Gegensatz zu Industriebranchen keine großen Verbände und keine große Lobby bei den neoliberalen und meist kulturlosen Parteien hat. Ich arbeite viel mit Musikern und anderen Kulturschaffenden und deren Lage ist extrem schwierig“, sagt Timo Wuerz. In seiner Hohenloher Heimat war der Comiczeichner zum letzten Mal Ende 2019 zu Besuch. „Ich halte mit meinen Eltern per Telefon und Skype den Kontakt“. Da er beruflich mit Firmen in Hohenlohe verbunden sei und auch noch viele Freunde in seiner alten Heimat habe, reiße der Gesprächsfaden dorthin nie ab.

Neue Projekte

Auch für ein aktuelles Buchprojekt hat Timo Wuerz mit einem Künstlerkollegen aus Hohenlohe kooperiert. Den Rocksänger und Autor Alexander Frank Spreng (Künstlername ASP) kennt Timo Wuerz bereits seit seiner Schulzeit in Künzelsau. Zusammen mit ASP schuf der Comiczeichner mit Windrad einen Bildband, das gespickt mit dramatischen Tiergemälden ist. Auch 2021 geht Timo Wuerz die Arbeit nicht aus. „Dadurch, dass ich keine Reisen, Signierstunden und Auftritte machen konnte, saß ich mönchisch zu Hause und konnte umso mehr arbeiten. Seitdem ich meine ganze Zeit zu Hause verbringe, kamen auch die Gartenarbeiten für eine größere Biotopvielfalt auf dem großen Grundstück um mein Haus weiter voran“, bestätigt der Comic-Artist.

Graffitis

Auch bei einem weiteren Künstler mit Wurzeln im Hohenlohekreis sieht die Auftragslage momentan gut aus. Gerd Metzler (Künstlername Nautcore) aus Mulfingen-Eberbach ist für seine Graffiti-Kunst in der Region bekannt. Zusammen mit seiner Frau Marion schuf er unter anderem die fast 50 Meter lange Graffiti-Wand an einer Außenfassade der psychiatrischen Tagesklinik in Schwäbisch Hall. Dem Astronauten Alexander Gerst aus Künzelsau widmete der Graffiti-Sprayer in der Region ebenfalls bereits ein Graffiti, um damit auf ein bis vor Kurzem noch schwelendes Infrastrukturproblem im Mittleren Jagsttal aufmerksam zu machen. Den zweiten Lockdown nutzt Nautcore, um Projekte aus dem vergangenen Jahr in Ruhe zu vollenden. Im Moment vollendet der Graffiti-Künstler beispielsweise ein größeres Projekt im Jugendraum des Mulfinger Jugend- und Kulturvereins. „Beim ersten Lockdown hatte ich anfangs noch Panik bekommen, weil unter anderem eine Ausstellungseröffnung im Mawell Resort in Langenburg nicht besucht werden konnte“.

Bedauern

Zusätzlich seien neben „Live-Graffiti-Shows“ auch Graffiti-Kurse weggebrochen. „Am schlimmsten empfinde ich die fehlende Kinder- und Jugendarbeit sowohl bei Kursen als auch die Kooperation mit unseren Pfadfindern in Buchenbach. Gerade diese wertvolle Arbeit leidet am meisten unter der Pandemie“, bedauert Nautcore. Auch dass beliebte Kunstveranstaltungen wie die „Kulturneschter“ im Mittleren Jagsttal weggefallen seien und schon seit Monaten keine „Hocketse“ mehr im Ort stattgefunden habe, drücke etwas auf die Stimmung. Nautcore ist dennoch glücklich, dass er in Corona-Zeiten im ländlichen Raum und nicht mehr wie während seiner Ausbildungszeit zum Grafikdesigner in einer Großstadt wie Stuttgart wohnt. „Die Menschen in der Stadt beneide ich nicht. Ich bin froh, dass ich in Hohenlohe im besonders ländlichen Jagsttal wohne. Ich mache gerne ausgiebige Spaziergänge in unserer großartigen Natur“, bekräftigt Nautcore.





Galerien

Regionale Events