Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Hautpflege-Mythen unter der Lupe

zurück zur Übersicht

Oft beginnt es vor den Drogerie-Regalen zusammen mit Freundinnen oder Freunden und entwickelt sich, befeuert durch die Schmink-Tutorials von Influencern und Werbevideos, zu einem Sammel-Hobby: Kosmetik, Haut- und Körperpflege-Produkte. Wir benutzen sie täglich und oft ein Leben lang. Die Auswahl an Produkten ist überwältigend, und allzu oft wählen wir, was neu oder viel beworben wird: Liquid-Lipsticks, Lidschatten-Paletten, Foundations, Nagellack in allen Farben.

Doch was ist eigentlich gut für Haut und Körper? Die Produkte und ihre Inhaltsstoffe kritisch zu hinterfragen, erfordert Aufwand. Denn es kursieren regelrechte Kosmetik- und Hautpflege-Mythen, die meist aus überholten Studien und Hausmittelzeiten stammen und sich hartnäckig halten. Sechs davon nehmen wir unter die Lupe, gegengeprüft von der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Phlebologie im Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn.  

1. Zahncreme hilft gegen Pickel

Zahncreme trocknet Pickel aus und wirkt antibakteriell. Das klingt zunächst gut, doch die Creme enthält oft Menthol. Das sorgt zwar für einen frischen Atem, reizt aber die Haut, die ohnehin schon entzündet ist, schreibt die Infoplattform „Kosmetik transparent“ auf ihrer Website. Besser sind Zinksalbe oder ein sogenanntes chemisches BHA- oder AHA-Peeling. Wichtig: Nach der Anwendung dieser Treatments muss die Haut mit Sonnencreme vor UV-Einstrahlung geschützt werden.  

2. Aluminiumsalze in Deos und Antitranspirantien machen krank

Die 2012 ausgestrahlte Arte-Doku „Die Akte Aluminium“ schürte die Verunsicherung vor Aluminiumsalzen in Deos und Antitranspirantien. Dann warnte auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme im Februar 2014 vor einem erhöhten Gesundheitsrisiko, wenn die Stoffe über die Hautporen in den Körper gelangen. Durch teilweise unseriöse Medienberichte verbreitete sich die Annahme, Aluminiumsalze könnten Krebs und Demenz auslösen. Mittlerweile ist klar: Die „Alu-Deo-Hysterie“ war übertrieben, die wissenschaftliche Grundlage nicht gesichert.

Die Dosen, die über die Hautporen aufgenommen werden, sind so gering, dass Alu-Deos nicht gemieden werden müssen, zeigten Recherchen von „ZEITonline“ und dem Onlinemagazin "MedWatch" von 2019. Auch unabhängige Experten widersprachen den Einschätzungen des BfR. Durch Alu-Deos wird der empfohlene Richtwert von einem Milligramm Alu pro Kilogramm Körpergewicht und Woche nicht signifikant überschritten. Das BfR revidierte seine Risikobewertung 2020: Aluminiumhaltige Deos würden signifikant weniger zur Gesamtbelastung beitragen als bisher angenommen. Dass der regelmäßige Gebrauch von Alu-Deos krank macht, sei unwahrscheinlich.

Viele Drogerie-Marken nutzen jedoch die sogenannten Marketing-Strategie „fear-monering“ und halten die Angst vor angeblich schlechten Inhaltsstoffen aufrecht, indem sie ihre Produkte mit „0 Prozent Aluminiumchlorid“ kennzeichnen.   

3. Naturkosmetik ist immer besser

Die „natürlichen“ Marken und Produkte mit ihren geblümten, grünen oder erdfarbenen Verpackungen sprießen nur so aus dem Boden und werben damit, nur naturidentische Konservierungsstoffe zu enthalten. Keine Paraffine, synthetische Farb- und Duftstoffe oder Silikone, kurzum: keine Chemie. Dabei ist allerdings zu beachten, dass auch vermeintlich natürliche Inhaltsstoffe immer aus chemischen Zusammensetzungen bestehen. Und dass ätherische Öle sogar das Risiko erhöhen können, dass Allergien ausbrechen.     

4. Männer müssen spezielle Produkte verwenden

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen wird in der Hautpflege und Kosmetik gern aufgezeigt. Tatsächlich haben Männer meist eine dickere Haut und größere Talgdrüsen, wodurch ihre Haut oft hydrierter ist, aber auch eher zu Pickeln neigt. Chemische Peelings können helfen, auch bei eingewachsenen Barthaaren. Deswegen aber eigens Produkte für den Mann kaufen? Muss nicht sein: Die Produkte sind dieselben, nur das Marketing ist anders. Pflege ist unisex. „Mann“ findet auch in der „Frauenpflege“ das Passende für sich. Für beide bleibt aber gleich wichtig: Sonnencreme.

5. Teure Produkte wirken besser

Ein Serum für 660 Euro oder eine Creme für 1000 Euro – das sind wuchtige Preise. Ganz tief in die Tasche zu greifen, lohnt sich aber oft nicht. Luxusmarken enthalten nicht gleich bessere Inhaltsstoffe. Laut der INCI-Liste für kosmetische Inhaltsstoffe unterscheiden sich teure Produkte nicht von mittelpreisigen oder günstigen Marken. Die angeblich antioxidative und feuchtigkeitsspendende Wirkung, die etwa Gold nachgesagt wird, beinhalten andere Stoffe erwiesenermaßen. So ist Retinol einer der besterforschten Stoffe in der Hautpflege.

6. Sonnenschutz verhindert die Aufnahme von Vitamin D

Sonnencreme soll uns vor UV-Strahlen schützen, genauer: vor UVB-Strahlen. Denn diese können Sonnenbrand entstehen lassen und Hautkrebs verursachen. Doch sie sind auch wichtig für die körpereigene Vitamin-D-Synthese in der Haut, die bis zu 90 Prozent der Vitamin-D-Versorgung ausmacht. Trotz Sonnencreme bräunt sich unsere Haut. Das zeigt: Sonnencreme kann uns nicht komplett schützen, zumal nicht jeder Teil unseres Körpers bedeckt oder eingecremt sein kann. Es ist sogar sehr wichtig, auch im Winter Sonnenschutz zu verwenden. Mit der richtigen Menge – ein Gramm für das Gesicht - kann man sich vor frühzeitiger Hautalterung und Hautkrebs schützen.

 

Galerien

Regionale Events