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Müll vermeiden für die Umwelt

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Seit ihr erstes Enkelkind auf der Welt ist, das zweite ist unterwegs, beschäftigt sich Dorothee Reinwald häufig mit dem Gedanken, was sie ihnen hinterlässt, welche Werte sie ihnen vermitteln möchte und in welchen Bereichen sie umdenken kann. „Jedes Mal, wenn mein Mann mit dem ganzen Plastik auf den Recyclinghof fuhr, dachte ich, das kann es doch nicht sein.“ Die Schwaigernerin will einen Beitrag zur Müllvermeidung leisten und eröffnet voraussichtlich Anfang Mai einen Unverpackt-Laden in Stetten.

Die Kleiststraße 3 hat eine lange Geschichte. Über Jahrzehnte war hier einfach eine Wiese neben dem ehemaligen evangelischen Gemeindehaus, das Architektin Jeanette Binder und ihr Mann 2002 kauften. „Als gebürtige Stettenerin liegt mir am Herzen, was hier am Ort passiert“, erzählt die Stadträtin, warum sich das Paar früh um das städtische Grundstück nebenan bemühte.

Konzept

Ein Konzept musste her, und weil es zum damaligen Zeitpunkt mit der Nahversorgung im Teilort eher mau aussah, bewarb sie sich mit der Idee eines Dorfladens im Erdgeschoss und zwei Wohnungen oben drüber. Binders bekamen den Zuschlag, der Kauf erfolgte Ende 2016, die Baugenehmigung folgte ein Jahr später. Doch der erste Betreiber sprang ab, und es dauerte etwas, bis ein neuer gefunden war. „Also haben wir langsamer gebaut.“ Nicht-öffentlich wird im Gemeinderat da bereits über die Ansiedlung eines Discounters gesprochen. Binder darf nicht darüber sprechen, im Ort wundert man sich, warum in der Kleiststraße nichts passiert. „Als dann klar war, dass ,Norma´ kommt, machte ein Dorfladen keinen Sinn mehr.“

Was braucht Stetten stattdessen? lautete die Frage. Ein Café würde sich nicht rechnen – und dann kam Dorothee Reinwald ins Spiel. Ihr Mann und der Mann von Jeanette Binder sind Brüder, die 55-Jährige wusste also von dem Laden. „Mein erster Gedanke war, die Selbstvermarkter in Stetten hier zusammenzubringen“, erinnert sie sich. Doch ihr Sohn brachte dann die Idee zu einem Unverpackt-Laden ins Spiel. Hier gebe es eine Lücke. „Ich beschäftige mich eh schon länger damit, dass alle immer nur von Recycling sprechen und kaum einer von Müllvermeidung.“

Die gelernte Zahnarzthelferin steigt tiefer ins Thema ein und stellt fest – das ist genau ihres. Wegen des guten Angebots in Schwaigern sieht sie dort keine Zukunft, in Stetten aber schon. „Es liegt verkehrstechnisch günstig, von hier gehen die Straßen ins Zabergäu und in den Kraichgau, und ich werde von Leuten leben, die hinter diesem Konzept stehen und bereit sind, sich dafür auf den Weg zu machen“, ist Reinwald überzeugt.

Sofort begeistert

Jeanette Binder ist sofort begeistert, auch weil das Konzept gut zum Haus in Holzständerbauweise mit Holzfassade passt. „Die ganze Zeit gab es nichts, und jetzt bekommen wir einen Discounter und den Unverpackt-Laden im Ortskern, fußläufig erreichbar“, freut sie sich für ihren Heimatort.

Reinwald hat für ihr Projekt jede Menge Unterstützung von ihrer Familie. Die Schwiegertochter half ihr mit dem Businessplan für die Bank, ihr Mann, der bald in Rente geht, steht ihr zur Seite. „Wir haben uns schon mehrere Jahre damit beschäftigt, was wir noch Sinnvolles tun können, bevor wir im Rollstuhl sitzen. Nun, darauf läuft es hinaus“, meint sie lächelnd. Kinder und Schwiegerkinder wollen auch helfen. „Alleine könnte ich es nicht stemmen, denn wir wollen jeden Tag aufmachen und nicht nur ein paar Stunden“, sagt Dorothee Reinwald.

 

 

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