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Solidarität für Bio-Bauern

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Der Gang in den Gewölbekeller eines Einfamilienhauses führt zu der gesunden Vielfalt am Abholtag: Hier in der Straße „Im Jockele“ in Heilbronn kommen die Unterstützer einer etwas anderen Landwirtschaft zusammen, um ihre Erzeugnisse mit nach Hause zu nehmen. Kartoffeln, Sellerie, Zwiebeln, Paprika, Kohlrabi, Rote Bete, Weißkohl liegen in grünen Kisten bereit, die Winterration für die kommenden 14 Tage. In einem Regal stehen Eier, in einer Ecke wird Bio-Apfelsaft von Streuobstwiesen angeboten. Die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft Heilbronn-Eberbach-Mosbach haben sich fest an einen Bio-Landwirt gebunden, der auf Feldern bei Mosbach ökologisch zertifizierte Ware anbaut. Sie verpflichten sich für die Abnahme seiner Ackerprodukte für ein Jahr, der Erzeuger liefert die Ware in Abholdepots aus.

Intensiver Geschmack

Keiner muss heute bezahlen, sie überweisen jeden Monat ihren Beitrag. Alle dürfen sich dieselbe Menge nehmen oder Dinge in einen Tauschkorb legen. „Wir unterstützen regionale Bio-Produkte“, erklärt Sybille Hoehne. Es werde „kein Mist, keine Gülle und kein Kunstdünger“ eingesetzt. Die Abholer sind gut gelaunt. Regionale, saisonale Bio-Produkte frisch vom Feld empfindet Gudrun Dörr als klares Plus. Und: Vom Geschmack sei es „viel intensiver“ als Supermarktware, zum Beispiel bei Karotten oder Tomaten. Auf Wunsch können die Mitglieder der besonderen Kooperation bei den Sorten mitbestimmen. Artischocken oder Süßkartoffeln haben sie schon ausprobiert. Man werde mit dem System auch „kreativer beim Kochen“, erzählt Gudrun Dörr. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei für Bio-Ware „absolut angemessen“.

Ein Jahr ist Ralph Meyer dabei. Auch er möchte regionale Landwirte unterstützen, möchte, dass das Geld direkt ohne Handelskette beim Bauern ankommt. Im Sommer – bei wöchentlicher Lieferung – sei der Warenkorb für ihn „fast zu viel“. Überrascht war er, was man aus Roter Bete alles machen kann. Insgesamt habe das System „meinen Horizont für die Küche erweitert“. Seit sieben Jahren macht Karin Lenhart schon mit. Regionalität und der Bio-Gedanke „sind das Wichtigste“ für sie. Sie hilft im Sommer auch ab und zu auf den Feldern mit. „Weil es Spaß macht.“ Sie weiß dadurch, wie die Ackerfrüchte wachsen.

Sicherheit

105 Haushalte, die bei der Kooperation mitmachen, beliefert Bio-Landwirt Michael Scheurig. Der gelernte Biologe erlebte, wie intensiv in Südeuropa in Agrarfirmen Chemie eingesetzt und Wasser verbraucht wurde. Er wollte es anders machen, baute 2013 das System auf. Mittlerweile hat er vier Hektar Fläche, hat Folientunnel, ein Gewächshaus. Auf den Feldern wechselt er regelmäßig zwischen Anbau und Gründung ab, damit Böden sich erholen.

15 bis 20 weitere Haushalte könnte er noch beliefern; bei nur 70 würde es wirtschaftlich kritisch. Er freut sich über die Planungssicherheit – und für die Umwelt sei die Produktion nachhaltig. Ob sich alle an die Mengenvorgaben beim Abholen halten? Die Mitglieder nicken. „Sonst“, sagt Julia Lenhart, „würde man eine Solidarische Landwirtschaft ja verraten.“ 

 

 

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