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Zwischen Trostlosigkeit und Aufbruch

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Wer derzeit mit offenen Augen durch Heilbronn geht, sieht viele Baustellen. Angefangen vom Wollhaus im Süden der Innenstadt bis zum K3 in Norden. Gerade die beiden Eckpunkte strahlen derzeit Trostlosigkeit aus. Eine Entwicklung, die längst vor der Corona-Pandemie eingesetzt hat, die die Krise jetzt dramatisch verschärft. Das Wollhaus zwischen Allee und Wilhelmstraße, einst als Vorzeigeobjekt einer aufstrebenden Großstadt gefeiert, steht heute weitgehend leer. Von den einst 30 anspruchsvollen und vielfältigen Läden und Geschäften sind ein Ein-Euro-Markt, ein Reisebüro, Handy-laden, Imbissbuden und die Praxen und Kanzleien im Turm übrig geblieben. Da klingt es wie Hohn, dass eine Holzbaufirma inmitten des Turms ein Plakat mit der Aufschrift „Freiheit für die Dächer“ aufgehängt hat. Die elektronische Werbetafel der City-Marketing Süd am Eingang ist dagegen abgeschaltet.

Große Lücken

Auch in der Straße Am Wollhaus nur wenige Meter weiter klaffen Lücken. Das einstige Spielwarengeschäft ist leergeräumt, an der Apotheke daneben steht auf einem Schild „zu vermieten“. Eine große Lücke klafft derzeit auch an der Heilbronner Vorzeigeadresse, der Fleinerstraße. Dort wurden neben der Stadtgalerie zwei Gebäude, die Modegeschäfte beherbergten, abgerissen. Bis spätestens Anfang 2022 soll an der Stelle ein Neubau mit dem Burgerlokal „Five Guys“ als Ankermieter und Modegeschäften frischen Glanz verbreiten.

Aufbruchsstimmung verbreiten Bagger auf dem Gelände des ehemaligen Modehauses Barthel zwischen Allee und Klostergasse. Das einst größte Bekleidungshaus des Unterlandes ist dem Erdboden gleich gemacht und weicht einem Drei-Sterne-Hotel. Weiterführende Pläne, dort auch Wohnungen zu errichten, hat der Investor inzwischen verworfen. Und während in den Seitengassen rund um die Fleinerstraße häufig Hinterhofatmosphäre herrscht, sind die ersten Leerstände auch in der Kaiserstraße angekommen. Das Schuhhaus Sigrun Woehr hat Ende des vergangenen Jahres aufgegeben und die Stadt verlassen, gegenüber hat das Sporthaus Saemann Insolvenz angemeldet, Foto Hacker hat sein Geschäft ebenfalls verlegt – zum Stammsitz in die Nachbarstadt Neckarsulm.

Ein Lichtblick ist in der Situation, dass nur wenige Meter weiter Thomas Gödtel im leer stehenden Gebäude der insolventen Restaurantkette Vapiano seine Tenno-Sushi-Lounge neu eröffnet, wenn der Corona-Lockdown vorüber ist. Der Koch hatte sich damit bereits im Insel-Hotel einen Namen gemacht. Auch die parallel verlaufende Kirchbrunnenstraße, die von der Kilianskirche zum Marrahaus führt, ist ein Lichtblick. Hier wechselt sich ein bunter Mix an Boutiquen, Modehäusern, Restaurants, Kosmetikstudios, Wäschegeschäften, Reisebüros, Bäckerei und Metzgerei ab. Auch der Einstieg in die Sülmerstraße verläuft mit Modegeschäften, Bank, Telekommunikation, Optikern, Steakhaus, Schmuck- und Reisebüros sowie einem gut sortierten neu eröffneten Lebensmittelhändler noch vielversprechend. Einige Meter nach dem Hafenmarkt dominieren bis zum markanten K3 am Berliner Platz dann aber eher Ein-Euro-Shops, Dönerbuden und Imbissläden.

Das Shoppingcenter und Kulturzentrum, dessen Kürzel für Kaufen, Kino und Kultur steht, war im Jahr 2000 als Kundenmagnet eingeweiht worden. Diesem Anspruch wurde das Gebäude nie gerecht, dessen größter Mieter die Stadt mit der Stadtbücherei, der städtischen Musikschule und dem Komödienhaus sein dürfte. Nach zahlreichen wechselnden Anbietern beherbergt das K 3 heute ein modernes Sportartikelgeschäft, preiswerte Modehäuser, einen Discounter, Drogeriemarkt und das Kino.

Baustelle

Doch nachdem auch die Gastro-Kette „Alex“ den Mietvertrag nicht verlängert hat, blickt der Passant auf eine graue Baustelle in der gefühlt die Hälfte der Flächen leer stehen. An manchen Tagen herrscht das Gefühl, im K3 sind mehr Tauben auf Futtersuche als Menschen auf Einkaufstour. Das soll aber kein Vorgeschmack auf das sein, was der Innenstadt am Ende der Corona-Pandemie droht. Die Stadt hat auf Stimme -Anfrage mitgeteilt dass „die Fläche des Alex bereits neu vermietet ist“.

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