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Das hörst du? Das ist so ziemlich die häufigste Frage, die mir Menschen stellen, wenn sie mich zum ersten Mal sehen. Heute trage ich ein Bandshirt von Metallica. James Hetfield ist darauf abgebildet. Mein absoluter Lieblingssänger. Der Frontmann der Metal-Superstars blickt jeden verwegen an. Meistens antworte ich mit einem zögerlichen Ja. „So siehst du gar nicht aus”, bekomme ich dann oft als Antwort. Gegenfrage: Wie sieht man denn aus, wenn man Metal hört?

Um es mit den Worten der Hard-Rockerin Lzzy Hale auszudrücken: „Seit ich 13 Jahre alt bin, strecke ich meine Faust in den Himmel.” Auch ich kann mich seit sechs Jahren stolz als Metalhead bezeichnen. Zur Begriffsklärung: So nennt man die Leute, die gute Musik, also Metal hören. Davor hat mir Metalmusik so gar nicht gefallen. Spielte meine Mutter noch vor zehn Jahren „Smoke On The Water” von Deep Purple im Auto, wurde dies von mir mit einem wütenden „Mach das aus, oder ich laufe!” quittiert.

Mit 13 Jahren entdeckte ich dann auf Mamas Playlist den Song „Bring Me To Life” von Evanescence und es war um mich geschehen. Ich war gleich begeistert von Amy Lees anmutigen Gesang, den herzzerreißenden Lyrics und dem Gothic-Flair der Band. Das war der Zeitpunkt, ab dem sich so ziemlich alle Farben (außer Rot) aus meinem Kleiderschrank verabschiedet haben.

Wieso Schwarz in der Szene eine so große Rolle spielt, lest ihr hier.

Meine Mutter zeigte mir viele ihrer Lieblingssongs und -bands. Mit „Wherever I May Roam” von Metallica begann das Feuer in mir dann erst richtig zu lodern.

Fanartikel

 

Seitdem hat sich mit 27 Bandshirts und 412 CDs eine kleine Sammlung angehäuft. Die Shirts kaufe ich am liebsten beim Onlinehändler EMP. Auf Ebay findet man oftmals Raritäten zu unschlagbaren Preisen. Teurer wird es, wenn man sich Tourshirts auf Konzerten zulegen möchte. Mein letztes Konzert war im Februar 2020: Ich habe die US-amerikanische Band Five Finger Death Punch zusammen mit Megadeth und Bad Wolves in der Schleyerhalle in Stuttgart gesehen.

Gemeinsam mit meiner Freundin Ekaterina Ternowski, die ich durch die Musik kennengelernt habe. Wir waren auf derselben Schule und trugen beide Metallica-Merch. Damals grinsten wir uns an. Die Musik verband uns sofort. Die 19-jährige Ekaterina ist mit der deutschen Metal-Band Rammstein groß geworden. Das hat sie ihrem Vater zu verdanken. Auf die Frage nach ihrer Lieblingsband antwortet die Azubine zwinkernd: „Es gibt einige Bands, die mir viel bedeuten. Aber Slipknot ist mein Favorit. Die haben etwas an sich, das mich einfach packt. Vor allem Frontmann Corey Taylor hat es mir angetan.”

Gemeinschaftsgefühl

Die beiden Death-Metal Bands Suffocation und Swallow The Sun sind die Lieblingsbands von Anika Ov Moseberg. Die Stuttgarterin ist Frontfrau der 2018 gegründeten Progressiv-Metal- Band Virocracy. Seit sie 18 Jahre alt ist, stellt die Metal-Musik für die heute 26-Jährige eine Lebenseinstellung dar.

„Die Community ist unglaublich stark. Dieses Gemeinschaftsgefühl auf Konzerten und Festivals. Der Zusammenhalt unterscheidet diese Musik vom Mainstream. Wie sich Bands gegenseitig unterstützen, ist einfach unglaublich”, schwärmt Anika. „Metal ist viel mehr als Musik für mich. Es ist eine Mentalität und mein Hobby.” Eine frühere Kollegin brachte sie dazu. Selbstständig entdeckte sie weitere Bands und fand schließlich zu ihrem Lieblingsgenre: Melodic Death Metal. Charakteristisch für diese Spielart ist unter anderem die Mischung aus Growling, dem für Metal typischen tiefen Grölen, sowie Klargesang. Anika beherrscht beides.

Zusammen mit 30 weiteren Musikerinnen spielt sie in einer internationalen Kollaboration, dem Chaos Rising Project. Dass sie immer wieder neue Leute kennenlernt, schätzt die Praxismanagerin einer Kieferorthopädie sehr. „Ich habe das Gefühl, dass die Corona-Zeit die Metal-Community noch mehr zusammengeschweißt hat“, betont die Sängerin. Ihr Traum ist es, bei einem Festival oder als Vorband einer bekannten Band spielen zu dürfen. Übrigens: Anika hört nicht nur Metal, sie ist auch anderen Genres gegenüber durchaus offen.

Emotionen

Ähnlich ist es bei Anna Dogan aus Neuenstein. Die 20-Jährige hört neben Lo-Fi und Rock seit fünf Jahren auch Metal. „Die Aggressionen und harten Gitarrenriffs lösen in mir unglaubliche Emotionen aus”, sagt die Auszubildende. Bei ihren sportlichen Workouts hört sie besonders gerne Slipknot, My Chemical Romance und Rise Against.

Menschen würden oft überrascht reagieren, wenn sie von ihrem Musikgeschmack erzählt. Denen entgegnet Anna dann selbstbewusst: „Wenn man sich mit Metal befasst, merkt man schnell, dass hinter den Lyrics ernste Themen und tiefe Emotionen stecken.”

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