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Blut, Schweiß und Tränen

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Als ich vier Jahre alt war, steckten meine Füße zum ersten Mal in Ballett-Schläppchen. Seitdem hegte ich wie viele andere Balletttänzerinnen auch diesen einen Kindheitstraum: Ich wollte Primaballerina werden. Doch als ich die Chance dazu hatte, entschied ich mich dagegen. Bis vor zwei Jahren, als ich 17 Jahre alt war, nahm ich Ballettunterricht an der Musikschule Möckmühl. Wir traten in der Region auf, und an die meisten Grundübungen erinnere ich mich heute noch. 

Musterung

Mit neun nahm ich an der Aufnahmeprüfung für das Vorstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim teil. Neben 22 anderen Mädchen und Jungen stand ich auf der riesigen Bühne vor der Jury. Getestet wurden unsere Beweglichkeit, unser Gedächtnis und wie schnell wir lernen, und wir wurden gründlich gemustert. Das Schicksal war auf meiner Seite: Ich wurde tatsächlich an der Hochschule angenommen! Doch wollte ich mein Leben wirklich ganz dem Ballett widmen? Eine schwierige Entscheidung für eine Neunjährige. Auf diese Schule zu gehen würde bedeuten, jeden Tag ins Training zu gehen, kaum Zeit für etwas anderes zu haben und ins Internat zu ziehen. Außerdem ist ein Karriereende mit 30 so gut wie vorprogrammiert. Denn Ballett bedeutet nicht nur süße, zarte Mädchen in pinken Tütüs. Ballett ist eine Kunstform. Eine, die mit Blut, Schweiß, Tränen und Aufopferung verbunden ist.

Kindheitstraum

Ich entschied mich gegen die Tanzkarriere, denn ich wollte nicht weg von meiner Familie und meinen Freunden. Mein Kindheitstraum blieb also, was er war: ein Traum. Mittlerweile habe ich komplett mit dem Tanzen aufgehört, da mir neben der Schule keine Zeit mehr blieb. Aber meine Faszination fürs Tanzen ist geblieben.

Bodyimage 

Das Erste, das vielen Menschen in den Kopf kommt, wenn sie an Ballett denken, ist die Ernährung und das Körperbild der Tänzer. Natürlich herrscht im Ballett ein gewisser Druck, gut auszusehen: Man präsentiert schließlich seinen Körper und den Tanz vor einem Publikum. Für viele junge Frauen und Männer ist das ein enormer Druck, der bei Profi-Tänzern in die Extreme gehen kann. Bei mir war das zum Glück anders. Als ich hobbymäßig auf der Bühne tanzte, gab es keine Kritik wie „Du hast zu viel auf den Rippen“ oder „Du bist zu klein“. Jeder wurde akzeptiert, wie er oder sie war.  

Harte Arbeit 

Ein weiteres Gerücht, das sich ebenfalls hartnäckig hält: Tänzer und Tänzerinnen haben ihr Talent in die Wiege gelegt bekommen. Aber das stimmt nicht. In die Wiege gelegt bekommt man allenfalls gute körperliche Voraussetzungen fürs Ballett, zum Beispiel starke Füße, lange Beine, eine bestimmte Körpergröße. Wer das nicht hat, kann trotzdem Ballett tanzen, denn lernen kann man so gut wie alles.  Die meisten Primaballerinen dieser Welt sind allein durch harte Arbeit so weit gekommen. Nur sieht das der Zuschauer nicht. Denn das höchste Ziel eines Tänzers ist, alles so einfach wie möglich aussehen zu lassen. Die Aufopferung ist es wert, wenn man auf der Bühne steht, die Hitze der Scheinwerfer auf der Haut spürt, das Adrenalin durch den Körper fließt und das Publikum am Ende applaudiert.

Positiver Effekt 

Generell werden die positiven Effekte, die das Ballett hat, oft vergessen. Ballett lehrt Disziplin, steigert das Selbstbewusstsein. Es fördert ein gutes Körpergefühl und verbessert die Körperhaltung, das kann Krankheiten vorbeugen. Zusätzlich werden beim Tanzen Muskeln aufgebaut und gedehnt. Ballett ist gut für Körper und Geist: Beim Tanzen vergesse ich alles, es gibt nur mich und die Musik. Alles in allem lässt sich die Situation von Profi- und Hobby-Tänzern nicht vergleichen. Doch das Wichtigste haben so gut wie alle Tänzer gemeinsam: Sie tanzen aus Leidenschaft.

 

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