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Bubble-Tea: Der Trend ist zurück

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Bis auf die Straße stehen die Kunden vor „Q-Tea Bubble Love“ in Heilbronn. In der Schlange wartet auch Jenny Besser mit einer Freundin. Die 22-Jährige holt sich hier „relativ oft“ einen Bubble Tea, einen der süßen Tees aus Asien, deren Besonderheit die Bobas sind – essbare Kügelchen, die im Mund zerplatzen. Doch nicht nur deswegen trinkt Jenny gern Bubble Tea. „Ich finde, das ist einfach mal was anderes. Durch den Grüntee, den ich gerne trinke, ist er meinem Geschmack nach viel herber und nicht so süß wie andere Getränke“, sagt sie.

Zwei andere junge Menschen, eine Frau und ein Mann, die anonym bleiben wollen, haben sich ihre Getränke schon geholt: Sie hält einen grünen Tee mit Wassermelonen-Sirup in der Hand, dazu Bobas mit Litschi- und grünem-Apfel-Geschmack. Er hat sich für Früchtetee mit Honigmelonen-Sirup und Bobas mit Mango- und Pfirsich-Geschmack entschieden. „Wir kennen Bubble Tea schon seit den Anfängen und haben uns das immer geholt“, erzählt die junge Frau. „Wir kommen aus Polen, dort war der Trend schon vor zehn Jahren groß und wird es auch jetzt wieder.“ Sie selbst habe schon versucht, das Getränk zu Hause nachzumachen, erzählt die junge Frau. Aber die essbaren Perlen seien überall ausverkauft.

Kehrtwende

Der Trend Bubble Tea ist zurück. Das Kultgetränk aus Asien war Anfang 2012 in Deutschland extrem erfolgreich, auch in Heilbronn eröffnete ein Laden in der Kirchbrunnenstraße. Genauso schnell kam die Kehrtwende, die Kritik an Bubble Tea nahm zu. Der Bubble-Tea-Shop in Heilbronn schloss schon 2013 wieder. Heute, rund zehn Jahre später, ist das Getränk besonders bei jungen Menschen zwischen 14 und 20 Jahren wieder angesagt. Und in Heilbronn sprießen die Bubble-Tea-Läden nur so aus dem Boden: Allein in der Innenstadt bieten mindestens fünf Verkäufer die süßen Tees an. 

Kombinationen

Einer davon ist „Q-Tea Bubble Love“. Inhaber Tony Nguyen betreibt seit 2019 zusammen mit seiner Familie ein Nagelstudio in der Kramstraße, seit März verkauft er in denselben Räumlichkeiten auch Bubble Tea. „Es war schon immer mein Traum, ein Nagelstudio und eine Bar zu eröffnen. Während Corona hatte ich dann viel Zeit, und weil ich als Jugendlicher schon gern Bubble Tea getrunken habe, habe ich mich für dieses Geschäftsmodell entschieden", erzählt Tony.

Viele Geschmacksrichtungen hätten er und seine Familie selbst getestet und probiert, sagt er und gießt eine Flüssigkeit in einen Becher mit Bubble Tea – ein Teil des Getränks färbt sich lila. „Alles natürlich“, sagt Tony und erklärt: Die Farbe gelingt mit einer Essenz aus der vietnamesischen Butterfly-Pea-Pflanze. „Besonders für uns ist, dass sich Kunden den Bubble Tea nicht nach fertigen Nummern zusammenstellen, sondern alles beliebig aussuchen können“, erklärt Tony weiter. Heißt: freie Wahl aus zahlreichen Geschmacksrichtungen, ob warm oder kalt, mit Milch oder ohne. Weit über hundert Bubble-Tea-Kombinationen sind möglich, schätzt Tony, wenn nicht sogar mehr. „Früchtetee ist der meist verkaufte Tee.“

Dass Bubble Tea jetzt wieder gefragt ist, sei ihm im Nachhinein bewusst geworden, sagt Tony. Dass das für so viel positive Resonanz sorgt, habe ihn erstaunt. Bubble Tea boomt, das hätte er nicht gedacht. Der Grund für die steigende Beliebtheit? Es könnte an Social Media liegen, schätzt Tony Nguyen. Viele Leute würden die Getränke, die sie bei „Q-Tea Bubble Love“ kaufen, in ihren Instagram-Stories präsentieren und den Laden verlinken. Ein Hinweis darauf, dass die sozialen Netzwerke den süßen Tee pushen. Ein Grund ist wohl auch Tiktok. Auf der beliebten Videoplattform wird zusätzlich die asiatische Popkultur - Animes, Mangas, K-Pop - gefeiert.  Die Rückkehr von Bubble Tea scheint ein Deutschland-spezifisches Phänomen zu sein. Ein Blick auf die Google-Trends zeigt, dass die Suchanfragen zu Bubble Tea hierzulande erstmals im März 2012 anstiegen. Im Juni lagen sie auf einem Rekordhoch, kurz darauf fielen sie wieder ab. Im Dezember 2012 war das Interesse an Bubble Tea verschwunden. 

Seit einem Jahr nehmen die Suchanfragen wieder zu. Zum Vergleich: In Taiwan, dem Ursprungsland des Bubble Teas, ist das Interesse seit 2006 gleichbleibend hoch. Weltweit bleibt die Tendenz steigend. 

Doch was ist aus der Kritik an Bubble Tea geworden? Bei der ersten Trendwelle in Deutschland wollten Forscher in Aachen festgestellt haben, dass Bubble Tea giftige Stoffe enthält.  Das stellte sich viel später als falsch heraus. Zugleich wurde das Getränk als Kalorienbombe diffamiert. Und es warnten Ärzte davor, dass sich Kleinkinder an den Perlen mit ihren fünf bis acht Millimeter Durchmessen verschlucken und dadurch ersticken können. Viel hat sich daran nicht geändert, das Risiko besteht nach wie vor, warnt Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Grundsätzlich sind Bubble Teas nicht für Kleinkinder geeignet.“ 

Dickmacher

Der Wirbel um Bubble Tea scheint sich gelegt zu haben, „in den Köpfen der Leute bestehen die Vorurteile aber weiter“, ist sich Tony Nguyen sicher. Trotz Bio-Varianten gelten Bubble Teas weiterhin als Dickmacher: Manche Sorten bringen es auf bis zu 500 Kalorien pro 100 Milliliter. „Bubble Teas  sind sehr zucker- und kalorienhaltig, enthalten kaum wertvolle Nährstoffe“, sagt Sabine Holzäpfel. „Sie sind deshalb wie Süßigkeiten zu sehen, die man sich ab und an gönnen kann, aber nicht jeden Tag in großen Mengen trinken sollte.“ Kunden könnten zwar selbst bestimmen, wie süß ihr Getränk sein soll und was sie lieber weglassen, sagt Tony: „Wer aber Kalorien zählt, sollte lieber wegsehen.“ 

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