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Ein Leben für die Bühne

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Training an sechs Tagen die Woche, sechs Stunden am Tag und zusätzlich Einzelproben am Wochenende – das war Elisabeth Nekolas Alltag. Die 20-Jährige begann mit dem Tanzen, als sie fünf Jahre alt war. Damals wohnte sie mit ihrer Familie in Genf. Elisabeth tanzte zunächst nur Ballett, Jahre später begann sie mit Contemporary, Jazz und Stepp. Ihre Mutter, die ebenfalls begeisterte Hobbytänzerin ist, inspirierte Elisabeth. Ihre eigene Liebe zum Ballett kam aber von selbst. Heute hat sich die leidenschaftliche Tänzerin der Schauspielerei verschrieben.

Mehr als ein Hobby

Als die Familie 2008 nach Heilbronn zog, wechselte Elisabeth zur Ballett- und Steppschule Münch, die Christina Haal  seit 2016 leitet. „Die Tanzschule in Genf war sehr streng, die Schule in Heilbronn war deshalb ein Segen, vor allem wegen Christina. Sie konnte immer mehr aus mir herausholen, als ich dachte“, erzählt Elisabeth über ihre Trainerin. „Sogar als ich mit 17 Jahren einen Durchhänger hatte, weil ich einfach nicht vorankam, hat Christina mich aus dem Tief geholt und mich wieder vorangebracht“, sagt sie. 

Von allen Sportarten, die Elisabeth neben dem Ballett betrieb – darunter Leistungsschwimmen – gefiel ihr keine so gut wie der Tanzsport. „Ballett war mir immer wichtiger“, sagt sie. Was ihr daran so gefällt? „Das Streben nach Perfektion. Und die Leichtigkeit und Schönheit auf die Bühne zu bringen. Denn das sieht einfach aus, ist aber schwierig“, antwortet Elisabeth.

Mit 13 Jahren überlegte sie, auf eine staatliche Ballettschule zu gehen, entschied sich letztendlich aber dagegen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. „Ich habe befürchtet, dass ich dann die Freude am Tanzen verliere.“ Auch die kurze Berufsdauer schreckte Elisabeth ab, denn die meisten Tänzer beenden ihre Karrieren spätestens Mitte 30.

Trotz ihres stressigen Alltags, in dem wenig Zeit für Freunde oder andere Sachen bleib, habe sie nie das Gefühl gehabt, etwas zu verpassen, sagt Elisabeth. Das Training ausfallen zu lassen, kam für sie nie in Frage. „Durch das Tanzen habe ich Disziplin und auch viel fürs Leben gelernt. Und wenn es sein musste, bin ich freitagabends auch mal direkt nach dem Training in die Bar gegangen“, erzählt sie mit einem Lächeln.

Vorurteile

Mit den typischen Vorurteilen gegenüber Balletttänzern fühlt sich auch Elisabeth konfrontiert. „Oft heißt es, dass Ballerinen nichts essen würden und generell essgestört sein.“ Ein weiteres Stereotyp, von dem Elisabeth schon gehört hat: „Dass man nur ein bisschen auf der Bühne herumspringt und einen Spagat macht, mehr nicht.“ Doch vor allem die Vorurteile gegenüber tanzenden Männern ärgern die 20-Jährige. „Viele Männer lassen sich davon bestimmt beeinflussen und trauen sich deshalb nicht, mit dem Tanzen anzufangen.“

Oft würden Balletttänzer und -tänzerinnen in eine Schublade gesteckt, erzählt Elisabeth. Sie ertappt sich häufig dabei, dass sie sich rechtfertigt. „Wenn ich erzähle, dass ich Ballett tanze, füge ich oft hinten an: Auch wenn ich nicht so aussehe.“ Sie selbst sei eher muskulös gebaut, was auch nötig sei, denn Ballett belastet die Gelenke und die Füße, vor allem wenn man auf Spitzenschuhen tanzt.

In der Welt der professionellen Tänzer sei es aber leider immer noch so, dass nach gängigen Körperidealen ausgesucht wird. Unter anderem, weil meist Dozenten der älteren Generationen die Rollen vergeben würden. Sie suchten nach dünnen, schmalen Tänzerinnen, die groß sind und lange Arme und Beine haben. „In Hochschulen und Akademien wird genau dieses Bild weiter vermittelt“, weiß Elisabeth von ihrer ehemaligen Ballettlehrerin Christina Haal, die sich in der großen Ballettwelt auskennt. Dieses Bild kommt nicht von ungefähr, weiß Elisabeth. Auf der Bühne sei es eben wichtig, dass alles stimmig ist. Aber es tut sich etwas, ist Elisabeths Eindruck, „es gibt in letzter Zeit mehr Diversität im Tanz, vor allem People of Color in der Szene.“

Schauspiel

Seit September 2020 studiert die 20-Jährige an der „Anthor Akademie“ in Passau Schauspiel. „Ähnlich wie beim Tanzen hat mich das immer interessiert. Wir waren früher häufig mit der Familie im Theater“, sagt sie. Durch ihre tänzerische Vergangenheit habe sie einige Vorteile gegenüber ihren Kommilitonen, findet Elisabeth. Sie weiß etwa, wie sie sich mit ihrem Körper ausdrücken kann. „Das fällt vielen, die nicht getanzt haben, schwer, weil sie sich auf der Bühne dann auf einmal überlegen müssen, was sie mit ihren Armen machen, wie sie sich hinstellen sollen.“ Beim Tanzen habe man eben nur seinen Körper, um auszudrücken, was man sagen will.

Elisabeths persönliche Höhepunkte: dass sie an der Schauspiel-Akademie aufgenommen wurde, und dass sie ihre letzten Soli vor Publikum auf  „Mr. Bojangle“ (Step) und „Demo (Letzter Tag)" von Herbert Grönemeyer (Ballett) getanzt hat. Denn im originalen Musikvideo tanzt auch eine Profiballerina. „Ich war sehr zufrieden mit mir, und auch Christina, die sich mit ihrem Lob eher zurückhält, war begeistert. Es war schon immer mein Traum, zu ,Demo‘ zu tanzen. Das war mein persönlicher Abschluss“, schwärmt Elisabeth. „Aber das schönste Gefühl ist eigentlich, auf der Bühne zu stehen.“

Für die Zukunft wünscht sie sich, wieder bei Christina Haal Unterricht zu nehmen und neben der Schauspielerei auch Tänzerjobs annehmen zu können. 

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