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Eifersuchtsdrama eskaliert

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Für die Polizei ist die Adresse keine unbekannte. Doch als die Streife am 19. September 2020 an besagter Stelle im Altkreis Öhringen eintrifft, bietet sich ihr ein anderes Bild als bei früheren Einsätzen: Eine junge Frau liegt schwerverletzt in der Dachgeschosswohnung am Boden. Ihr Freund (Jahrgang 1996) hat mehrfach auf sie eingestochen und sie am Kopf, Oberkörper und Arm verletzt. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wird sie ins Krankenhaus gebracht. Eine Notoperation rettet ihr das Leben. Ihr Freund muss sich nun vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Heilbronn wegen versuchten Totschlags verantworten.

Gebrodelt

Sieben Jahre hatte die Beziehung des jungen Paares gedauert. Die Zeugen zeichnen das Bild einer On-off-Beziehung. Die Eifersucht des jungen Mannes wird durch Whatsapp-Chats und in Aussagen deutlich. Einige Zeit hatte die junge Frau einen anderen Freund. Deswegen verfolgte sie ihr Lebensgefährte, brachte GPS-Tracker am Auto an. Eine Verfolgungsfahrt endete mit einem abgeschlagenen Rückspiegel. Es ist aber auch immer wieder von Verzeihung die Rede und davon, wie wichtig er ihr sei.

Gelockt

Dann aber änderte sie ganz offensichtlich ihre Meinung, will am Morgen des 19. September die gemeinsame Wohnung verlassen. Dafür hat sie Familienmitglieder und Freunde für den Umzug organisiert. Was dann geschieht, das kostet nicht nur sie fast das Leben, sondern hat auch ihren damals acht Jahre alten Neffen und ihren Halbbruder emotional schwer belastet.

Während des Umzugs, schildert ihr 42 Jahre alter Halbbruder, habe der Lebensgefährte immer wieder versucht, alleine mit ihr zu reden. Man habe ihm deutlich gemacht, dass das jetzt nichts bringe, erklärt der 42 Jahre alte Mann, der das Verhältnis zu seiner jüngeren Halbschwester eher mit dem eines Vaters zu einer Tochter vergleicht. In einem Moment, als die erwachsenen Umzugshelfer unten im Hof gewesen seien, sei es dem Angeklagten aber geglückt, seine Partnerin in die Küche zu locken. Dort habe er mit einem Steakmesser auf sie eingestochen. Seine Mutter, ebenfalls eine der Umzugshelferinnen, bemerkte den Angriff vom Balkon aus und versuchte, den Angriff zu stoppen. Alle drei gehen dabei zu Boden. Erst dem Vater der Geschädigten gelingt es, den Angreifer von seiner Tochter zu trennen und auf den Balkon zu sperren. Dort steht er noch, als keine zehn Minuten später die Polizei eintrifft und ihn festnimmt. Die Streife war ganz in der Nähe unterwegs und kannte die Adresse.

Seit diesem Vormittag, berichtet der Halbbruder aufgewühlt, habe es bei ihm zu Hause viele schlaflose Nächte gegeben, weil sein kleiner Sohn die Ereignisse nicht verarbeitet habe und nicht verstehen könne, wie jemand, mit dem er gespielt habe, so etwas tun konnte.

Verursacht

Alkohol und Drogen waren wohl im Spiel, berichten die Zeugen von einem Blutalkoholgehalt von 1,67 Promille, festgestellt gegen 12 Uhr auf dem Polizeirevier. Glasige, kleine Pupillen hat ein Umzugshelfer am Tattag beim Angeklagten festgestellt. Dass in der Nacht zuvor bei einer Bar in Willsbach eine Line Kokain gezogen worden sein könnte, wird in anderen Aussagen deutlich.

Alkohol war möglicherweise auch bei einem Unfall im Spiel, den der Angeklagte kurz zuvor verursacht hatte und weswegen vor der Tat sein Führerschein beschlagnahmt wurde. Denn am Tag nach der Beerdigung seines ebenfalls polizeibekannten Bruders war er mit überhöhter Geschwindigkeit auf eine Mauer gefahren. Suizidale Absicht habe man nicht ausschließen können, sagt der Polizeibeamte vor Gericht. DNA-Spuren auf dem Airbag führten die Beamten zum Unfallverursacher, der dann aussagte, dass er das Auto eigentlich habe verkaufen wollen, um die Beerdigung seines Bruders zu finanzieren.

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