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Zu Besuch im Hundekindergarten

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Wie aufgezogen saust Zoe den Erdhügel rauf und runter. Die sieben Monate alte Labradorhündin powert sich ordentlich aus. Oma Lizzy, die mit ihren elf Jahren von der Couch ins Freie gekommen ist, sieht dem Treiben direkt vor ihrer Nase gelassen zu. Andere Hunde schauen von der Terrasse aus hinüber, bis der Jungspund völlig außer Atem ist. Jetzt hilft nur noch ein Entspannungsbad mit Nickerchen in der mit Wasser gefüllten Strandmuschel. 

So sieht der Alltag in der Hunde-Tagesstätte (Huta) am Willenbach in Oedheim aus, in der Vierbeiner aller Altersklassen am Vormittag oder den ganzen Tag über sind. Voraussetzung ist, dass sich die Hunde gut verstehen. Daniela Langer betont: „Gruppenharmonie ist das allerwichtigste.“ Bewusst hat sich die professionelle Hundetrainerin für ein offenes Konzept entschieden. „Alle Hunde verbringen den Tag gemeinsam, können sich miteinander beschäftigen oder auch mal zurückziehen, wenn sie das Bedürfnis haben, sich auszuruhen“, sagt die 44-Jährige. Dafür steht ein umzäuntes Gelände mit 3000 Quadratmetern im Gewerbegebiet zur Verfügung.

Es sieht fast aus wie in einer Kita. Auf dem Erdhügel kann gebuddelt werden, unter dem Sonnensegel liegt ein Baumstamm zum Spielen, es gibt naturnah angelegte Stellen zum Erkunden, in der einen beschirmten Hälfte der Plastikmuschel befindet sich Sand, in der anderen Wasser.

Höflichkeitsregeln

Eine Rückzugsmöglichkeit bietet die Bürocontainer-Anlage. Im großen Hundewohnzimmer stehen Körbchen, Palettenbetten und zwei Sofas. Das Zimmer ist je nach Jahreszeit beheizt oder klimatisiert. Einzel- oder Zwingerhaltung lehnt die Hundetrainerin ab. Bei beruflich eingespannten Haltern gehe es nicht darum, dass das Tier verwahrt ist, sondern vor allem um Sozialkontakte. „Dabei werden auch Höflichkeitsregeln unter Hunden geübt und verfeinert“, versichert Langer. So wirke ein Stupser oder ein kurzes Grollen bei jugendlichem Übermut Wunder. 

Festzustellen, ob ein neuer Hund passt, ist aufwendig. Im ersten Schritt wird das Tier in einem 800 Quadratmeter großen abgetrennten Bereich innerhalb des Areals den anderen Hunden einzeln vorgestellt. Später folgt eine Schnuppereinheit ohne Halter, danach kommen ein bis drei Halbtagstermine.

Corona-Teenager

Nicht jeder Hund ist geeignet. „Neue Anfragen betreffen fast nur Corona-Teenager“, sagt Daniela Langer. Das sind Ersthunde, die in Zeiten von Abstandsregeln und oft fehlendem Besuch der Hundeschule im Kontakt mit Artgenossen gänzlich ungeübt seien. „Die letzten sieben Anwärter habe ich nach der Schnupperstunde wegschicken müssen.“ Alle Hunde müssen geimpft sein. Bei Läufigkeit oder anderen Unpässlichkeiten erfolgt die „Krankschreibung“.

Es gibt feste Zeiten, in denen die Hunde nach dem Füttern und dem Geschäft gebracht und später abgeholt werden. Leckerli-Suche, Rückruf-Aktionen oder Impulskontrolle hat Daniela Langer im Programm. Im kleineren Areal soll es in Kooperation mit einer Hundetrainerkollegin später auch einen Spiel- und Spaßparcours mit Hürden geben. In der Mittagspause wird zu Hundeentspannungsmusik geruht.

Kosten und Organisationsaufwand sind für Anna und Dennis Lehner kein Problem. Beide arbeiten in Vollzeit, Hündin Sidney (achteinhalb) hatte zuvor einen Dogwalker, also eine Person, die sie Gassi führte. Nach der Geburt von Baby Elizabeth bleibt Zeit ein Thema. Deshalb ist Sidney an drei Vormittagen in der Huta. Anna Lehner: „Ich sehe, dass sie glücklich ist.“

Dessen ist sich auch Aniko Anon del Campo aus Bretzfeld sicher. Als sie Zoe abholt, ist die Freude groß. Die Hündin hüpft ausgelassen wie ein Känguru. Drei Vormittage besucht sie die Huta, ab Juli soll sie täglich kommen. Schon vor der Anschaffung der Hündin, die Tochter Clara (10) gehört, hat sich das berufstätige Ehepaar um Hundeschule und Huta gekümmert. Das Konzept mit „sehr viel Herz und Leidenschaft für das neue Familienmitglied“ hat sie überzeugt.

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