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Jung, wild und passioniert

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Von Lauffen über Karlsruhe, von Baden-Baden nach Achern im Nordschwarzwald, das macht insgesamt 160 Kilometer. Simon Reinhardt hat sie zurückgelegt, um seinen Bruder zu besuchen – und zwar mit dem Skateboard, und das innerhalb von drei Tagen. Sein „Push-Bein“, mit dem er das Board angestoßen hat, musste sich nach dieser Fahrt natürlich erst mal erholen. Diese Reise ist nur eine der schönsten Erinnerungen des 43-Jährigen, der die Heilbronner Skaterszene zusammen mit seinem Kumpel Marc „Bohni“ Bohnacker und dem „Burnside“-Shop wie kein anderer geprägt hat.  

Identitätssuche

Es ist der amerikanische Nachbarsjunge aus Lauffen, der Simon Reinhardt mit 13 Jahren zum Skaten bringt. Nach den ersten Skate-Versuchen auf der Half-Pipe in der Kaserne, wo der Vater des Freundes stationiert war, packt Simon Reinhardt das Skate-Fieber.

Doch auch der Lifestyle an sich sei für ihn etwas Besonderes, erzählt Simon: „Als Jugendlicher ist man eben auf Identitätssuche. Man will irgendwo dazugehören.“ Für Simon sind das die Skater. „Wir waren diese Verrückten, die man lieber nicht zu seiner Hausparty einlädt“, sagt er lachend. An der Community schätze er das Gemeinschaftsgefühl, das nicht nur von der Leidenschaft fürs Skaten zusammengehalten wird. „Es spielt keine Rolle, welche Nationalität man hat, wie alt man ist oder auf welche Schule man geht. Jeder wird akzeptiert.“  
Um neue Tricks auszuprobieren, entwendet die Gruppe im Notfall auch Holzbretter von Baustellen, um eigene Mini-Rampen zu bauen. Später ist der Hotspot dann der Skatepark am Frankenstadion in Heilbronn. Die Clique trifft sich aber auch an den Wochenenden zum Feiern. Ganz nach dem Motto: jung und wild.

Gebrochen hat sich Simon beim Skaten noch nie etwas. Er würde aber dennoch nicht bestreiten, dass Skaten ein risikobehafteter Sport ist. „Es verlangt viel Übung und hartes Training. Nicht selten stürzt man oder schürft sich etwas auf. Oder überdehnt seine Bänder. Dann fällt das Üben für ein Dreivierteljahr erstmal flach.“ Gerade weil so etwas passieren kann, habe man Respekt vor den Tricks und taste sich langsam heran, um Verletzungen zu vermeiden. Vor allem bei Sprüngen sei man fokussiert, so Simon.

Burnside

Als das Skaten Ende der 90er einen großen Hype erfährt, schmiedet Simon erste Pläne, mit seinem Kumpel Marc Bohnacker einen eigenen Skatershop zu eröffnen. 2001 klappt es dann schließlich auch: Im Alter von 20 Jahren eröffnen die beiden ,,Burnside‘‘ in der Querschulgasse in Heilbronn. Der Laden wird schnell bekannt. Simon und Marc stellen sogar eigene Events auf die Beine stellen wie Skateboard-Wettbewerbe, Shows mit verschiedenen Teams aus ganz Deutschland, und geben auch Skateboard-Kurse. Der Laden macht sich nicht nur in der Region einen Namen.

Zusätzlich setzen sich die beiden dafür ein, talentierte Sportler zu fördern. Da Skaten ein relativ teurer Sport ist, sind manche Nachwuchsskater auf die Hilfe der beiden angewiesen. Denn es passiert häufig, dass ein Brett bricht, wenn man nicht richtig landet. Auch Schuhe sind durch das Bremsen immer wieder kaputt. Abhilfe zu schaffen wussten sich die Skater damals mit Karton und Silikon an der Schuhsohle - und dem regelmäßigen Besuch beim Schuster. „Es mussten einfach Markenschuhe sein“, sagt Simon grinsend.

Szene in Heilbronn

Über zwölf Jahre lang ist „Burnside“ die erste Adresse in Heilbronn, wenn es um Skaterbedarf geht. 2013 muss der Laden jedoch aus wirtschaftlichen Gründen schließen, denn zum einen bleibt die junge Kundschaft aus, zum anderen zieht es immer weniger Menschen in die Sülmer City. Heute skatet Simon, der Inhaber des Flammkuchenrestaurants Pier 58 in der Unteren Neckarstraße sowie dreifacher Vater ist, nicht mehr oft. Mit seiner ältesten Tochter verschlug es ihn neulich aber wieder in einen Skatepark.

Die Szene selbst werde in der Stadt nicht mehr besonders gefördert, findet Simon. Das zeige sich bei den Skate-Parks in Heilbronn, die veraltet oder teilweise gar nicht mehr zum Skaten geeignet sind. Vor der Buga machte die Stadt der Szene zwar noch Hoffnung auf einen neuen Park, zu einer Umsetzung kam es aber nicht. In anderen Städten wie Stuttgart, Karlsruhe und Öhringen würden währenddessen neue Parks gut genutzt, und das nicht nur von Skatern, sondern von Menschen jeden Alters mit Inlinern, City-Rollern und BMX-Rädern. In Heilbronn wird dem im Moment keine Fläche geboten, sagt Simon bedauernd. Eines Tages, kann er sich vorstellen, könnte er wieder Skate-Kurse geben. 

 

 

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