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Mehr als nur der „Corona-Jahrgang 2021“

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Bundesweit stecken Schülerinnen und Schüler in ihren Abschlussprüfungen. Sie haben ein herausforderndes Schuljahr hinter sich, haben  verschobene Prüfungstermine und Schulschließungen miterlebt. Trotzdem mussten sie sich auf die entscheidenden Examen vorbereiten. Und was kommt nach dem Abschluss, das fragen sich auch die Absolventen in der Region. Viele von ihnen haben die Befürchtung, als „Corona-Jahrgang“ abgestempelt zu werden, und dass sich das auf ihre Zukunftschancen auswirkt.  

Unterschiedliche Erfahrungen

Anna-Alexandra Dörschner, die ihr Abitur am Mönchsee-Gymnasium in Heilbronn macht, fand die Zeit der Lockdowns besonders anstrengend. In vielen Fächern fiel der Unterricht aus. Sich den Stoff deshalb selbstständig zu erarbeiten, sei stressig gewesen, sagt die 17-Jährige. „Das ist für mich zwar prinzipiell kein Problem, aber es war doch eine große Veränderung. Im zweiten Lockdown war das besser geregelt. Da hat sich alles mehr nach normalem Schulalltag angefühlt“, sagt sie. Bildungslücken habe sie deswegen aber keine, meint Anna-Alexandra. 

Und doch ist eine der größten Sorgen von Eltern, Lehrern und Schülern, dass es während der Corona-Krise bei den Schülern zu Bildungslücken kommen könnte; die Angst verstärkt sich, wenn auch noch die Abschlussprüfungen anstehen. Laura Gashi hatte hingegen keine Probleme, sich den Stoff zu erarbeiten, im Gegenteil. Zudem hätten sich die Lehrer Mühe gegeben, die verlorene Zeit angemessen aufzuarbeiten und die meisten Lücken zu füllen, sagt die 18-jährige Abiturientin am Mönchsee-Gymnasium. „Trotzdem ist es gerade in den Fremdsprachen extrem wichtig, zu üben, um die Sprache nicht zu verlernen. Das fehlende Sprechen hat sich in meiner Abivorbereitung bemerkbar gemacht“, sagt Anna-Alexandra. 

Dass Corona im Übrigen nicht nur den Alltag des Abschlussjahrgangs, sondern von allen Schülern drastisch verändert habe, findet Anastasia Feil. „Die fehlende Struktur führt bei vielen Schülern zu Motivationslosigkeit“, findet die 17-Jährige, die die elfte Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Heilbronn besucht und im nächsten Jahr ihr Abitur macht. Zwar habe man eigentlich mehr Zeit zum Lernen, wenn man zu Hause und nicht in der Schule sei. Doch die Pandemie wirke sich auch auf ihre mentale Gesundheit und auf die ihrer Bekannten aus, sagt Anastasia. „Das hat mir gezeigt, wie negativ der Lockdown das Leben von Schülern beeinflussen kann“, meint sie.

„Durch technische Probleme kommt es hin und wieder zu Unterrichtsausfällen, die Lehrer verkürzen den Stoff, um schneller durchzukommen“, schildert die 17-jährige Cosima Lahse, Schülerin am Katholischen Bildungszentrum St. Kilian in Heilbronn. Sie ist sich deshalb sicher: Bei ihr und anderen Absolventen ist es zu einigen Lücken gekommen.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Der „Corona-Jahrgang“ hätte mehr Zeit in den Prüfungen und leichtere Abiturklausuren, die Lehrer bessere Auswahlmöglichkeiten gehabt, so lauten manche Vorurteile. „Das stimmt so einfach nicht“, hält Laura dagegen. „Wir hatten genau die gleichen Anforderungen zu erfüllen wie die Jahrgänge vor uns auch, und wir werden sie auch in Zukunft haben. Wir hatten natürlich mehr Zeit und ein paar Vorteile, aber andererseits auch Verluste während Corona.“ Laura gibt dennoch zu, Angst vor dem Vorurteil zu haben, „dass wir es einfacher gehabt hätten. Aber eigentlich beweist gerade unser Durchhaltevermögen während dieser schwierigen Zeit das Gegenteil, nämlich Stärke.“ Viele Schüler versuchten deshalb, nicht mehr an die Vorurteile zu denken.

Einige Pläne können die Abiturientinnen trotz positiver Einstellung nicht verwirklichen. Anna-Alexandra beispielweise will nach Südamerika reisen, um bei sozialen Projekten mitzuarbeiten. Ob das möglich sein wird, weiß sie momentan nicht. Auch Cosima will ihren Plan, im Ausland zu arbeiten, trotz der Unsicherheiten weiterverfolgen.  Kurzum, die diesjährigen Absolventen bleiben zuversichtlich. Sie sind eben mehr als nur der „Corona-Jahrgang“.        

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