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Blumen aus dem All

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Zwei Kilo Wildblumensamen hatte Alexander Gerst bei seiner letzten Mission mit ins All genommen. 235 Tage waren sie mit ihm auf der ISS unterwegs. Einige wurden nun eingepflanzt: in Künzelsau. Zwei Klassen der Georg-Wagner-Schule säten sie am Montag aus und werden untersuchen, wie sie sich im Vergleich zu Samen verhalten, die auf der Erde geblieben sind. Wachsen sie schneller? Ziehen sie mehr oder weniger Tiere an? Wie groß werden sie?

„Ich bin schon sehr aufgeregt“, sagt Anita, und ihre Freundinnen, die neben ihr sitzen, nicken zustimmend. Kein Wunder, denn gleich mehrere Fernsehteams sowie Radiosender sind an diesem Morgen dabei, als Schüler der Künzelsauer Georg-Wagner-Schule die sogenannten SpaceSeeds einpflanzen. Auch vor Ort ist Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der die letzten Missionen von Alexander Gerst begleitet hat. „Von ihm soll ich euch herzlich grüßen“, sagt Schmid zu den Schülern, bevor sie beginnen, die Samen aus dem All und jene von der Erde auszusäen.

Lehrplan

Ins Rollen gebracht hat das Projekt Elke Sturm von der Pressestelle der Stadt Künzelsau. Als der Künzelsauer Astronaut Alexander Gerst im All war, hatte sie dazu einige Veranstaltungen organisiert. Und sie kannte die Lehrerin für das Fach Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT), Sabine Weiß, von anderen Aktionen. „Frau Weiß ist im Naturschutz sehr aktiv“, erklärt Sturm, „das wusste ich, und da es hier auch um Biodiversität geht, habe ich angefragt, ob sie nicht Lust hätte, mitzumachen.“ Passenderweise standen bei BNT-Lehrerin Sabine Weiß gerade Wildblumen auf dem Lehrplan. „Forschen, experimentieren und entdecken“ wollen sie die Kinder über den Sommer. „Im BNT-Unterricht lernt man als allererstes Protokolle zu erstellen“, erklärt die Lehrerin. Und das werden die Kinder nun in der Praxis umsetzen: Wann keimen die Pflanzen, wie schnell wachsen sie? „Wie erwachsene Forscher eben“, erklären die Kinder.

Kaffee

Doch wie kamen die Blumen ins All? Ähnlich wie es amerikanische Raumstationen machten, wollte auch das DLR Schülern ermöglichen, All-Samen zu pflanzen, erklärt Volker Schmid. „Der Schutz unserer Erde war bei den Missionen von Alexander Gerst eine zentrale Botschaft“, sagt er. Ohne Bestäubung von Nutzpflanzen gibt es jedoch keine Nahrung „und viele Insekten benötigen intakte Ökosysteme und eben Wildblumen als Nahrung“. Und so hatte Gerst zwei Kilogramm Wildblumensamen mit im Gepäck. Sorgsam verpackt in Kaffeetüten und Folie, „denn kleine Samen können gefährlich werden, wenn sie durch die Raumstation schweben“, erklärt Schmid. Zurück auf der Erde, werden die Samen nun an Schulen verteilt. 

Um den Vergleich zu Erd-Samen zu ermöglichen, hat Ernst Rieger von der Firma Rieger-Hofmann eine identische Mischung Wildblumensamen gespendet. Von der Saatgutfirma stammen auch die Samen, die ihren Weg ins All fanden. Der Blumenexperte hilft den Schülern auch beim Einpflanzen ins Beet. „Der Bauhof hat das Beet gut vorbereitet“, urteilt Rieger und zeigt, wo noch Saatgut verteilt werden muss.
Nun prüfen die Kinder-Forscher, wie sich die Pflanzen entwickeln. „Sie wollen auch in den Sommerferien regelmäßig vorbeischauen, weil sie so gespannt sind“, erklärt Sabine Weiß. Doch was könnte überhaupt passieren mit den Pflanzen? „Durch die Krafteinwirkung, aber auch die Strahlung, der die Wildblumen ausgesetzt waren, könnten sie schneller wachsen“, meint Schmid. „Aber genau wissen wir das noch nicht. Schauen wir mal, was die Schüler rausfinden.“

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