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Was Heilbronns „Nachtbürgermeister“ planen

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Früher, weiß Matthias Kern, war Heilbronn vor allem ein Mekka für Elektro-Fans und ein Treffpunkt für Raver. „Die Alte Gießerei in der Fügerstraße war der Zenit der elektronischen Musik in Süddeutschland“, erzählt der Betriebsleiter der „Gartenlaube“, „von überall her aus Deutschland kamen die Menschen, um Weltstar-DJs wie Sven Väth zu sehen. Man kann also nicht sagen, dass in Heilbronn schon immer wenig los gewesen wäre.“

Doch mit der Zeit haben sich nicht nur die Musik und ihre Anhänger verändert, sondern auch das Image des Heilbronner Nachtlebens hat gelitten: Es gibt deutlich weniger Clubs, die zudem dezentral liegen. „Das Nachtleben an sich gab es im Grunde lange nicht, und es wurde auch nicht entsprechend so dargestellt, wie es für eine aufstrebende Universitätsstadt wichtig wäre“, sagt Matthias.

Zeit, dass sich das ändert. Das Heilbronner Nachtleben soll einen neuen Aufschwung erfahren, dafür setzen sich seit Mai dieses Jahres fünf Interessensvertreter aus Heilbronn ein: Franziska Schulz von der „Superbude“, Daniel Schütt vom Popbüro Heilbronn-Franken, Felix Seeger vom „Crème 21“, Michael Brähne vom „Mobilat“ und eben Matthias, der auch als Sprecher für das Team agiert.

Das Nachtleben kennt er seit seiner Jugend. Damals verdiente er nebenbei als Servicekraft in den Heilbronner Diskos, auch in der Laube. Seit 20 Jahren ist der heute 49-Jährige dort Betriebsleiter. Als Mitinitiator der Initiative „Sicheres Nightlife“, die unter anderem übergeordnete Hausverbote in allen Locations vorsieht, fühlte sich Matthias bereit, die Interessensvertretung für das Heilbronner Nachtleben zu übernehmen. 

Gebündelt

Grundlage für die neue „Transferstelle Nachtleben“ war ein Antrag der Heilbronner Grünen-Fraktion, dem der Gemeinderat zustimmte. Der Name klingt vorerst noch sperrig, bezeichnet im Grunde aber das, was Mannheim, Heidelberg und Stuttgart schon haben: Nachtbürgermeister. Mit dem Mannheimer Vertreter und dessen Vorgänger haben sich die Nachtleben-Experten aus Heilbronn im Übrigen bereits ausgetauscht. „Wir haben viel Input bekommen und versuchen, das auf Heilbronn umzumünzen“, erzählt Matthias. 

Auch in Heilbronn soll die Transferstelle Nachtleben eine Schnittstelle sein, die im Austausch mit den verschiedenen Ämtern der Stadt steht. „Vorher hat jeder sein eigenes Süpple gekocht und seinen eigenen Kontakt zu den einzelnen Ämtern gehabt. Jetzt wollen wir gebündelt und professionell Dinge erreichen, die für alle gelten“, sagt Matthias. 

Dabei gehe das Nachtleben-Komitee nicht nur auf die Interessen der einzelnen Locationbetreiber ein, sondern ist auch Ansprechpartner und Vermittler für alle Anliegen rund um das Nachtleben, betont Matthias, „gerade bei Konflikten“. 

Projekte

Seit mehr als einem Monat ist das Team schon im Einsatz, an Projekten mangelt es keinesfalls. „Wir haben schon einige Ideen, die sich aktuell in der ersten Umsetzungsphase befinden“, sagt Matthias. Das drängendste Thema seien Pfandsammelstellen, an denen leere Flaschen abgegeben werden können. Zum Ende des Jahres soll ein On-Demand-Bus kommen, außerdem steht auf der Agenda, ein Frauentaxi einzurichten. Drogenkonsum sei ebenfalls ein wichtiges Thema, sagt Matthias. „Und wir wollen uns dem Angebot eines Nachtlebens für Migranten annehmen, denn da sehen wir Handlungsbedarf.“

Sogar eine wissenschaftliche Analyse des Heilbronner Nachtlebens ist geplant. Geprüft werden soll auch, ob es im Stadtgebiet eine Fläche gibt, die für kulturelle Open-Air-Veranstaltungen geeignet wäre. Kurzum: Die Interessensvertreter haben schon einiges an Hausaufgaben zu erledigen. „Wir rechnen im Herbst mit ersten Ergebnissen“, sagt Matthias. Zur Verfügung steht dem Team ein fünfstelliges Budget, das Geld kann für gezielte Maßnahmen verwendet werden. Das Projekt ist zunächst ehrenamtlich auf zwei Jahre begrenzt. Ab 2023 wird die Stelle dann geprüft. 

„Junge Menschen müssen sich bewusst sein, dass Heilbronn durchaus eine aufstrebende, pulsierende Stadt ist. Gerade mit der Unteren Neckarmeile ist Heilbronn anders als das, was man früher kannte“, findet Matthias. „Für Heranwachsende ist Heilbronn eine tolle Stadt. Viele Studierende werden die Ecken für sich entdecken können. Und ich denke: Wir sind auf einem guten Weg.“


Du hast Anregungen für die Transferstelle Nachtleben? Schreib eine Mail an: nachtleben@heilbronn.de 

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