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Elisa Zimmermann ist die jüngste Organistin seit vierzig Jahren

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Sie ist 17 Jahre alt und vermutlich die jüngste ausgebildete C-Musikerin in der Diözese Freiburg seit vierzig Jahren. Elisa Zimmermann aus Sinsheim-Weiler erzählt, wie ihre Leidenschaft zur Orgel begann. Es war vor einigen Jahren bei einem Besuch in der Kirche im Angelbachtal. Dort wurde gerade die Orgel gereinigt „und alle Pfeifen lagen da herum, das hat mich total fasziniert“, erzählt sie. Elisa Zimmermann war neun Jahre alt. 

Zur Kirche und dem katholischen Glauben hat sie seit frühester Kindheit Bezug. Sie wuchs bei ihren Großeltern auf, nachdem ihre Mutter bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte, als Elisa 17 Monate alt war. Die Großeltern und ihr Vater lasen ihr abends regelmäßig aus der Bibel vor. Begeistert war sie vor allem von der Geschichte Daniels in der Löwengrube. „Ich fand es faszinierend, dass Gott die Macht hat, Löwen zu bändigen und zugleich die Güte, einen Verbrecher wie Daniel nicht zu bestrafen.“

Rasante Entwicklung

In der zweiten Klasse kam sie zu den Sternsingern, ein Jahr später feierte sie Erstkommunion. Weil Klavier und Orgel sie immer mehr in den Bann zogen, nahm sie von 2011 bis 2015 zunächst Klavierunterricht bei einer Musikpädagogin. Ab 2014 kam zusätzlich der Orgelunterricht beim Eppinger Kantor Andreas Schmid hinzu. „Ihre Entwicklung war schon sehr rasant“, sagt Schmid. Elisa sei sehr zielstrebig und ehrgeizig. 

Weil sie schon so früh mit dem Orgelspielen begann, begleitete sie schon als Elfjährige Gottesdienste sowie Werktagsmessen in der Seelsorgeeinheit Sinsheim-Angelbachtal. Zugleich übernahm sie Vertretungen bei Sonntagsmessen in den Seelsorgeeinheiten Eppingen und Sinsheim. Die Orgel ist nicht nur die Königin der Instrumente, „sie spielt liturgisch und konzertant eine wichtige Rolle“, sagt Professor Meinrad Walter vom Amt für Kirchenmusik der Diözese Freiburg. „Kein zweites Musikinstrument verfügt über die klangliche und optische Vielfalt der Orgel“, sagt Walter.

Im Dezember 2017 begann Elisa mit 13 Jahren ihre C-Ausbildung in Heidelberg. Weil sie in ganz jungen Jahren schon so viel Erfahrung im Orgelspiel mitbrachte, wurde sie zwei Jahre vor dem eigentlichen Mindestaufnahme-Alter zur Ausbildung zugelassen. „Das ist nicht ganz ungewöhnlich“, sagt Professor Walter in Freiburg. Seit die nebenberufliche C-Ausbildung bei der Diözese im Jahr 1975 eingeführt wurde, gebe es jährlich um die 100 Interessenten, zwischen 20 und 30 legen die Prüfung mit Zeugnis ab. Viele Absolventen der C-Prüfung befinden sich im Alter „zwischen Schulende und Studienanfang“, so Walter. Aber: „Elisa zählt sicherlich zu den jüngsten ausgebildeten Organisten in der Diözese und ist vielleicht sogar die jüngste Frau.“

Im November, als wegen der Coronavirus-Pandemie nur wenige Organisten ihre Prüfung ablegen konnten, beendete Elisa Zimmermann ihre C-Ausbildung mit der Note „gut“. Durch ihre Kontakte zu Kantor Schmid und Eppingen bewarb sie sich danach als Dirigentin beim Kirchenchor in Eppingen-Rohrbach. „Die waren am Anfang etwas zögerlich, weil sie ja noch so jung war.“ Die Proben mit Älteren seien aber kein Problem. Die Sänger reagierten auch nicht komisch, wenn die junge Musikerin sie einmal fachlich korrigieren müsse bei den Tönen. „Früher war ich eigentlich sehr schüchtern, aber ich bin da reingewachsen und mit der Zeit hat sich das gelegt.“ Zeit für andere Hobbys bleibe ihr eigentlich kaum, erzählt die 17-Jährige und erinnert sich, wie sie früher noch reiten war und Ferien auch mal auf einem Ponyhof verbrachte. Die Schule und das Orgelspiel nähmen sie aber fast völlig ein. Im kommenden Jahr macht sie ihr Abitur.

Zukunftspläne

Dann will sie studieren, am liebsten Schulmusik mit Hauptfach Orgel, eventuell auch noch Kirchenmusik in Stuttgart, Freiburg oder Trossingen. „Doch langfristig will ich hier in der Gegend bleiben und unterrichten“, sagt Elisa Zimmermann. Sie brauche die Nähe zu ihren Großeltern und ihrem Vater, „außerdem bin ich sehr heimatverbunden“. 

C-Ausbildung

Die C-Ausbildung ist eine breitangelegte kirchenmusikalische Ausbildung für den nebenberuflichen Dienst als Organist und Chorleiter. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und wird mit der C-Prüfung abgeschlossen. Das Mindestalter bei Ausbildungsbeginn beträgt 15 Jahre. Wer die Ausbildung durchläuft, erhält in der Umgebung seines Heimatortes jede Woche Einzelunterricht im Orgelspiel mit Improvisation, im Klavierspiel, in Harmonielehre und Gehörbildung. Der Unterricht wird von den Dekanatskirchenmusikern und weiteren vom Amt für Kirchenmusik beauftragten Lehrkräften erteilt. In vier Kompaktkursen an der Hochschule für Kirchenmusik liegt der Schwerpunkt bei der Chorleitung und der Stimmbildung.

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