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Heilbronn hat jetzt einen Nachtmanager

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Er sei ja gespannt, so Oberbürgermeister Harry Mergel, wie das Ganze am Ende heißen wird. „Nachtbürgermeister“, dies räumte sogar Ideengeber und CDU-Stadtrat Thomas Aurich ein, klinge „ein bisschen zu wichtig“. Außerdem handle es sich ja um ein Team, wobei zumindest dessen Sprecher einen knackigen Namen haben sollte. Christoph Trossbach (CDU) brachte „Nightmanager“ ins Spiel, wobei „Nachtmanager“ laut Aurich „geerdeter“ klinge – gleichzeitig aber, so Nico Weinmann (FDP) missverständliche Assoziationen mit John le Carrés Romanfigur wecke, die gegen Waffenhandel vorgehe. Dabei ist das Aufgabenspektrum dessen, was nun auf Verwaltungsebene etwas sperrig „Transferstelle Nachtleben“ heißt, keinesfalls im Kriminellen, sondern neudeutsch gesagt im urbanen Nachtleben. 

Im Januar hatte der Gemeinderat die Schaffung der ehrenamtlich geführten Stelle beschlossen. Nun kam ein Papier auf den Tisch, das deren Ziele beschreibt und so auf den Punkt bringt: Bündelung der Interessen der Kneipen, der Gastronomie-, Club- und Diskothekenbetriebe sowie der Kreativwirtschaft, und zwar im Sinne eines „konstruktiven Miteinanders gegenüber der Stadtverwaltung als auch im Sinne eines Mediators zum Ausgleich widerstreitender Interessen“ mit Nachbarn. Gleichzeitig sollen aber auch Beiträge zu einer attraktiven und sicheren Ausgehkultur koordiniert und neu angeboten werden.

Quintett

Unter Einbindung des Dehoga-Stadtverbandes, der von Thomas Aurich geleitet wird, hat die Stadt fünf erfahrene Köpfe aus der Szene gewinnen können, die sich die „Transferstelle“ teilen: Franziska Schulz von der Superbude, Daniel Schütt vom Kulturzentrum Maschinenfabrik und Popbüro, Felix Seeger vom Creme 21, Michael Brähne vom Mobilat und allen voran Matthias Kern von der Gartenlaube, der als Teamsprecher fungiert, also als „Nachtmanager“. Zur Finanzierung von Kampagnen, Öffentlichkeitsarbeit und Werbematerialien stellt die Stadt ein Budget von 5000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Ansonsten arbeiten alle ehrenamtlich und wollen ihre jeweiligen Netzwerke einbringen, heißt es. 

Wie es in dem Konzept heißt, werde Nachtkultur zunehmend als wichtige Freizeitaktivität, als „urbaner Standortfaktor“ erkannt. Im Fokus stünden bisher zu oft und zu einseitig die Schattenseiten. Vom „Einfluss des Nachtlebens auf die Zufriedenheit der Gesellschaft“ werde zu selten gesprochen. Hier wirke die Stelle auch im Sinne einer Attraktivitätssteigerung für Heilbronn: mit Kooperationen verschiedener Akteure, aber auch mit konkreten Zielen wie etwa Ausbau der Nachtbusse, Frauentaxi, bestimmte Kampagnen bis hin zu einer langen Nacht der Club- und Livekultur.

Fast alle Fraktionen begrüßen die neue Stelle, allein Michael Seher (AfD) meinte, dies sei Aufgabe der Branche, ihres Verbandes, aber nicht der Stadt. Wie wichtig eine attraktive Ausgehkultur und ein möglichst diverses Nachtleben gerade für eine „Studierendenstadt“ sei, betonte Isabell Steidel (Grüne). Vor Jahren habe man die Idee, wohl wegen des Titels, belächelt, erinnerte Tanja Sagasser-Beil (SPD), die von einem wichtigen strategischen Feld für Fragen und Potenziale einer urbanen Stadt sprach. Marion Rathgeber-Roth (FWV) betonte, wie wichtig für beide Seiten ein gutes Nebeneinander von Nachbarn und Wirten sei, wobei der Interessensausgleich oft einem Balanceakt gleichkomme. Dazu gebe es nun kompetente Ansprechpartner, die gleichzeitig neue Angebote entwickeln.

Kulturstandort

Das Team könne mit seinem großen Erfahrungsschatz nicht nur bei Problemen weiterhelfen, sondern den Kollegen und der Stadt wertvolle Impulse geben, befand FDP-Mann Nico Weinmann. Erhard Jöst (Linke) sieht durch Einbindung der Kreativszene „eine große Chance, Heilbronn als Kulturstandort zu stärken“. Diesbezüglich gebe es noch viel zu tun. 

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