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Kretschmann entschuldigt sich bei Studi-Gipfel

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Die Sorgen und Nöte von Studierenden in der Corona-Pandemie wahrnehmen, das sollte der digitale „Studi-Gipfel“ der Landesregierung am Donnerstagnachmittag unter anderem bewirken. Es habe ein „Wahrnehmungsdefizit“ gegeben, räumt Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein. „Ich will mich dafür wirklich entschuldigen“, sagt er bei der Veranstaltung zu den Studierenden. In einer Gesprächsrunde im März sei ihm bewusst geworden, wie wenig er diese Gruppe anfangs im Blick gehabt habe. 

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Neben Kretschmann nehmen an dem Live-Stream die Wissenschaftsministerin des Landes, Theresia Bauer, der Rektor der Universität Mannheim, Thomas Puhl, die Leiterin der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studierendenwerks Karlsruhe, Sabine Köster, zwei Studierende vor Ort und vier per Videokonferenz teil. Zunächst geht es um das psychische Wohlbefinden der jungen Leute. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang ein Wort – Erschöpfung. Und: Die allermeisten sehnen sich nach Austausch, auf akademischer wie auf sozialer Ebene. 

„Mein Leben findet seit eineinhalb Jahren nur noch auf wenigen Quadratmetern statt. Morgens gehe ich die zwei Meter zu meinem Schreibtisch, dann sitze ich den ganzen Tag am Schreibtisch und abends gehe ich die zwei Meter zu meinem Bett zurück“, sagt etwa Birte Wulfes, die Lebensmittelchemie in Karlsruhe studiert. „Die Lebensfreude fehlt“, bestätigt auch Sabine Köster. Selbst Studierende, die früher nie Probleme damit gehabt hätten, aus dem Bett zu kommen, hätten mittlerweile Motivationsschwierigkeiten. Außerdem kommen finanzielle Notlagen, etwa durch fehlende Nebenjobs, zur Sprache. Zum Teil, berichtet ein Teilnehmer, komme es deshalb zu Studienabbrüchen. Ein anderer Student beklagt die großen Hürden bei der Beantragung von Nothilfen. Die Mehrheit der Studierenden vermisst Lerngruppen. Aber auch Lernplätze wie in der Bibliothek fehlten. Ein ganz wichtiger Punkt, findet Thomas Puhl: „50 Prozent der Studierenden geben an, dass sie zu Hause nicht in Ruhe lernen können.“

Einen Workshop mit Studierenden gab es in dieser Woche auch an der DHBW Heilbronn. Mit Professor Thorsten Krings konnten die Teilnehmenden beraten, wie das Leben an der Hochschule und das Studium in Zukunft gestaltet werden sollte. Die Ergebnisse des Austauschs: Zunächst einmal freuen sich die Studierenden wieder auf Vorlesungen vor Ort. „Präsenzveranstaltungen sind notwendig, auch für das Soziale, gerade am Anfang des Studiums“, fasst Thorsten Krings zusammen. Die Studierenden betonen aber auch, dass manche digitalen Formate beibehalten werden sollten, wenn sie gut passen.

Studentin Charlotte Eck erläutert einen Vorteil virtueller Vorlesungen: „Das ist eine große Chance, um zum Beispiel externe Dozenten einzuladen, die vielleicht sonst persönlich nicht kommen könnten.“ Für Online-Veranstaltungen müssten aber gleichzeitig auch angemessene Strukturen geschaffen werden: Regelmäßige Pausen seien zum Beispiel wichtig, um ein gutes Lernverhalten zu fördern. Außerdem sollte die digitale Klausuren-Einsicht noch ausgebaut werden, damit jeder trotz physischer Distanz wisse, wie die eigene Note zustande kam. Mit der Organisation und technischen Umsetzung, auch zu Beginn des Lockdowns, sind die Studierenden dagegen sehr zufrieden. „Das ging reibungslos“, sind sie sich einig.

Impfungen

Für die Zukunft wünschen sich die DHBW-Studierenden ein flexibles, hybrides Format. Das ist auch die Resonanz aus dem „Studi-Gipfel“ der Landesregierung: eine Mischung aus digitalem und analogem Studium beizubehalten und über die „Hochschule in der digitalen Welt“ zu sprechen, wie Theresia Bauer betont. Was die Öffnungsperspektive angeht, sehe man ja nun schon „Licht am Ende des Tunnels“, sagt die Ministerin. 

In der Schlussrunde sind sich beim wichtigsten Punkt alle einig: Um aus dem Corona-Loch herauszukommen und die Studierenden auf den Campus zurückzuholen, müsste schnell geimpft werden. Und zwar schon bis Juli, damit bis September eine vollständige Immunisierung erreicht ist. Denn dann fängt in den meisten Hochschulen das Wintersemester an – mit Lerngruppen, Präsenzvorlesungen und sozialen Events. Hoffentlich.

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