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"Mühlengärtle" für Engagementpreis nominiert

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Die ersten Pflänzchen strecken ihre dünnen Hälse aus der Erde. Doch vergleicht man sie mit Fotos vom vorigen Jahr, sieht man, wie spät die Vegetation 2021 in die Puschen kommt. Dennoch haben sich Grete Zürn und Nina Waidler entschieden, das erfolgreiche Projekt „Mühlengärtle“ zugunsten gemeinnütziger Organisationen fortzuführen. Mehr als 3000 Euro konnten sie voriges Jahr an die Mukoviszidose-Stiftung übergeben. Heuer fließen die Einnahmen zugunsten Multiple-Sklerose-Erkrankter an die „Amsel“.

Doch die Erfolgsgeschichte geht noch weiter: Grete Zürn und ihre Schwester Charlotta als Gründerinnen des Projekts, haben voriges Jahr den baden-württembergischen Jugend-Diakonie-Preis erhalten. Aktuell sind sie für den Deutschen Engagementpreis nominiert. Mit ihm wird bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet. Ihn zu gewinnen wäre reizvoll: Denn auch dann würden die jungen Frauen nur das behalten, was sie zum Weitermachen brauchen. 

Grüner Daumen

Die ersten Töpfe stellte Grete Zürn am 1. Mai im Gemminger Mühlenweg, unweit der Burg Streichenberg, vors Haus. Die ersten Ausflügler kamen vorbei und nahmen welche mit. Die Erfahrung aus dem ersten Jahr floss hier mit ein: „Wir haben keine Blumenkohlpflanzen mehr, dafür mehrere Sorten Tomaten. Zucchini, Kürbisse und Gurken gingen gut“, also gibt es sie auch dieses Jahr wieder. Grete zieht die Pflanzen aus Samen selbst. Die 16-Jährige ist die mit dem grünen Daumen, allerdings helfen Mutter Britta und die Oma mit. Ihre Schwester Charlotta ist für die Werbung via Instagram zuständig. Sie studiert zwischenzeitlich, also stieg Nina mit ein. „Voriges Jahr habe ich mich auf die Schule konzentriert“, sagt die 18-Jährige, die derzeit ihr Abitur am Hartmanni-Gymnasium in Eppingen macht. Sowohl Grete als auch Nina sehen das Projekt „Mühlengärtle“ als ein Stück Naturschutz an. Sie vermehren alte Sorten und das, was sie selbst gerne essen. Dafür nehmen sie zwischen einem und drei Euro.

Was nicht vor dem Haus steht, ist noch im Gewächshaus. „Wir haben ziemlich viele Pflanzen in Reserve“, sagt Nina, darunter auch Blühendes wie Sonnenblumen, Muskatellersalbei oder Herzgespann. „Wir bekommen allgemein viel Lob von außen“, sagt Grete. „Doch allein schafft man das nicht.“

Ziele

Sie ist froh, dass Nina, die Freundin ihres Bruders Jakob, dabei ist. Deren Mutter hatte MS und starb voriges Jahr. Daher haben die Freundinnen beschlossen, ihre Einnahmen dieses Mal an die Amsel zu spenden. Sie wollen nun, da das Projekt bekannter ist, auch die Gelegenheit nutzen, auf die Ziele der Organisation aufmerksam zu machen.

Entstanden ist die Pflanzaktion aus der Langeweile, die der erste Corona-Lockdown mit sich brachte – und sie hat Kreise gezogen. „Wir dachten nicht, dass dabei so viel Geld zusammenkommt“, sagen Grete Zürn und Nina Waidler.
Ihre Freizeit mit sozialem Engagement zu verbinden, macht ihnen Freude. „Wir können mit so wenig Aufwand so viel erreichen“, sagt die 16 Jahre alte Grete. Wobei der Aufwand wahrlich nicht klein ist. Für Grete aber ist das, was sie da macht, eine kreative Arbeit: „Man tut ja nicht nur was für andere. Man tut ja auch einiges für sich.“ 

Organisationen 

Ein Einkauf im Mühlengärtle 2 lässt sich gut mit einer kleinen Wanderung zur Burg Streichenberg bei Gemmingen verbinden. Das Projekt wurde voriges Jahr gegründet, die Einnahmen flossen ohne Abzüge an den deutschen Mukoviszidose Verein. Ein Interview mit Charlotta und Grete Zürn findet sich im Netz unter www.blog.muko.info. Das Multiple Sklerose Portal Amsel freut sich 2021 über die Einnahmen aus dem Projekt Mühlengärtle. Über die Arbeit des Vereins gibt es Informationen unter www.amsel.de. Wer Fragen zum Projekt hat, schreibt an muehlengaertle@gmail.com

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